Kriminalität

Jugendliche und Polizei sollen Busfahrer schützen

Jetzt soll Schluss sein mit den Angriffen auf Berliner Busfahrer: Die BVG will nun Jugendliche gemeinsam mit Polizisten in Bussen auf Streife schicken. Sie sollen signalisieren: Der Busfahrer ist nicht allein, er wird geschützt. Das allerdings findet zunächst nur ein- bis zweimal monatlich statt. Und auch nur in einem Bezirk.

Am Mittwochmorgen ist erneut ein Busfahrer gewalttätig angegriffen worden. In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Übergriffe auf Fahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gegeben. Jetzt wollen das Unternehmen, die Polizei und das Präventionsprojekt „Stark ohne Gewalt“ die Angriffe mit einem neuen Mittel bekämpfen: Sie wollen Jugendliche und Polizei auf Streife in Bussen schicken.

Das Motto lautet „Stark ohne Gewalt on tour“ und soll zunächst ein- bis zweimal im Monat stattfinden, zunächst auf den Bezirk Spandau begrenzt. BVG-Sprecherin Petra Reetz sagte: „Wir haben intensive Gespräche geführt. Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Projekt noch in diesem Jahr starten können.“

Den erneuten Angriff auf einen Busfahrer verurteilte die BVG-Sprecherin. „Jeder Vorfall ist einer zu viel.“ Der 49-jährige Fahrer war in seinem Bus der Linie N 8 gegen 1.50 Uhr an der Haltestelle Kottbusser Tor von einem Jugendlichen angegriffen worden. Dieser schlug ihm, aus dem hinteren Teil des Busses kommend, mit der Faust ins Gesicht. Die Brille des Fahrers ging kaputt und verletzte das Opfer am Auge. Er musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Gewerkschaft Kommunaler Landesdienste Berlin (GKL) zählte in diesem Jahr bereits 100 Attacken auf Busfahrer. Nach Informationen von Morgenpost Online verabreden sich inzwischen Jugendliche im Internet zum „Busfahrer-Klatschen“, einer Art Mutprobe. Aus Sicht der Polizei wird oftmals auch einfach alltäglicher Frust an einem Uniformträger ausgelassen. „Wir müssen den Jugendlichen klar machen, dass das kein Spaß ist, sondern eine Straftat“, sagt der Initiator von „Stark ohne Gewalt“, der Spandauer SPD-Abgeordnete Raed Saleh. „Es muss Schluss sein damit, Busfahrer anzugreifen. Diese Angriffe sind asozial. Deswegen geht es um Wertevermittlung. Man muss den Jugendlichen deutlich machen, dass das nicht geht.“

Nach den Vorstellungen von Saleh sollen drei Jugendliche und ein Polizist in Bussen auf Streife gehen. Angedacht seien zwei Schichten: von 14 bis 17 Uhr und von 19 bis 1 Uhr. Die Gruppe soll im Bus in den Dialog mit Jugendlichen treten und so präventiv die Zahl der Straftaten reduzieren. Auch das Zerkratzen von Scheiben und Graffiti sollen Themen der Gespräche sein. „Den Busfahrern wollen wir damit das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind“, sagt Saleh.

Die angesprochenen Jugendlichen sind eigentlich junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren, die schon beim Projekt „Stark ohne Gewalt“ Erfahrungen als Kiezstreife gesammelt haben. Seit zwei Jahren läuft jenes Projekt in Spandau. Dabei begleiten Jugendliche Polizisten bei einem Kiez-Rundgang, reden mit jungen Migranten und machen auch vor Jugendgangs keinen Halt. Polizeidirektor Frank Brinker hat das Vorhaben von Beginn an unterstützt. „Natürlich ist das Ziel auch die Reduzierung von Straftaten“, sagt er.

Der Erfolg sei mit den Streifen beim Frühlings- und Oktoberfest 2007 und 2008 am deutlichsten zu spüren gewesen. „Hatten wir früher bis zu 20 Fälle, so sind die Straftaten nun auf null gefallen.“ Einen ähnlichen Erfolg wünscht sich Brinker auch in den Bussen. „Das soll ein Einstieg sein. Und es soll zum Ausdruck bringen: Meinen Busfahrer, der mich nach Hause bringt, pöbelt man nicht an.“