Gewalt

BVG will mehr Wachmänner in Berliner U-Bahnen

Die BVG macht den nächsten Schritt, um die Sicherheit in Bussen und Bahnen zu erhöhen. BVG-Chef Andreas Sturmowski will die Zahl der Wachleute von 60 auf 120 verdoppeln – wenn er denn das Geld dafür vom Land bekäme. Dann aber könnte nachts in jedem Zug ein Wachmann mitfahren.

Angesichts nicht abreißender Berichte über Übergriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln hält es BVG-Chef Andreas Sturmowski für wünschenswert, wenn abends und nachts in jedem U-Bahnzug ein Wachmann mitfahren würde. Eine Begleitung durch uniformiertes Personal in einem vorderen Wagen, etwa ab 21 Uhr, würde den Fahrgästen ein besseres Sicherheitsgefühl geben. In anderen Städten funktioniere das mit Erfolg. Die Kosten könnten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aber nicht aus eigener Kraft stemmen, sagte Sturmowski. Das landeseigene Unternehmen sei darauf angewiesen, dass entweder Polizisten mitfahren oder Geld für Wachpersonal aus der Landeskasse kommt.

„Wir haben in diesem Jahr schon zwei Millionen Euro in die Hand genommen und kaufen mehr Sicherheitsdienste – dafür bekommen sie 60 Leute der Firma Securitas“, sagte Sturmowski. Dieses Personal sei vor allem auf bisher vernachlässigten Buslinien im Einsatz. „Bei der Menge an Verkehr, den wir haben, bräuchten wir wahrscheinlich 120 Leute, dann wären wir bei vier Millionen Euro. Das wäre ungefähr die Größenordnung, die man bräuchte, um das Gefühl zu vermitteln, da ist was in Sachen Sicherheit.“

Die BVG habe dies auch bei den Verhandlungen mit dem Senat über den Verkehrsvertrag angesprochen. „Wir haben aber lernen müssen, dass dafür kein Platz im Verkehrsvertrag war“, sagte der Vorstandschef. Laut dem im November 2007 besiegelten Abkommen zahlt Berlin der BVG jährlich 250 Millionen Euro – davon 75 Millionen Euro für die Verkehrsleistungen und 175 Millionen für die Infrastruktur.

Sturmowski trat übersteigerten Ängsten im öffentlichen Nahverkehr entgegen. Die Vandalimusschäden in Bahnen, Bussen und Bahnhöfen würden zwar seit Jahren steigen. „Gleichzeitig haben wir aber – entgegen der öffentlichen Wahrnehmung – bei den Übergriffen auf unser Personal eine fallende Linie“, sagte der BVG-Chef.

Nach seinen Worten kam es in diesem Jahr bis Ende August zu 87 Übergriffen mit schweren und 149 mit leichten Folgen für die Betroffenen. Im gesamten Jahr 2007 seien es 138 schwere und 416 leichte Übergriffe gewesen. Schwerer Übergriff heißt, dass der BVG- Mitarbeiter länger als drei Tage arbeitsunfähig war. Leicht wird ein Übergriff genannt, wenn die Arbeitsunfähigkeit kürzer dauerte. Für 2006 weise die BVG-Statistik 203 (2005: 266) schwere und 409 (2005: 443) leichte Übergriffe aus. Die meisten Attacken träfen nicht die Busfahrer, sondern Sicherheitsleute und Kontrolleure.

Busfahrer können damit rechnen, bald durch Rückwände und kurze Seitenscheiben an ihren Arbeitsplätzen geschützt zu sein. Alle neu angeschafften Busse würden von 2009 an mit Rückenabdeckungen an den Fahrerplätzen ausgestattet sein, sagte Sturmowski. Alle anderen Busse würden damit nachgerüstet, sobald die Personalvertretungen den jeweiligen Lösungen für die einzelnen Bustypen zugestimmt hätten. Geschlossene Kabinen werde es nicht geben, die Fahrer seien in ihrer Mehrheit dagegen. Auch die Ausstattung mit Überwachungskameras werde weitergehen. Fast jeder dritte Bus, jede vierte Tram und 35 Prozent der U-Bahnzüge seien bereits mit Videokameras ausgerüstet.