Historie

Die älteste Glocke der Stadt

Die „alte Dame" trifft den Ton nicht mehr. Deshalb wurde die kleine Glocke aus dem Geläut der Alt-Buckower Dorfkirche herausgenommen und wirkt seit 1979 als Solistin: Sie wird von Hand als Vaterunser-Glocke geläutet.

„Die Kleine“ ist die älteste Glocke Berlins, um 1250 gegossen. Eine weitere der vier Glocken im Turm ist mit dem Datum 6. Mai 1322 versehen, die beiden übrigen Glocken ersetzen Kriegsverluste.

Aber auch die beiden alten Glocken hatten ihre Auszeit: 1948 wurden sie in einem Glocken-Sammeldepot in Hamburg gefunden – sie sollten während des Krieges eingeschmolzen werden – „und im Rahmen der Luftbrücke nach Berlin geflogen, um den Menschen Mut zu machen“, sagt Bodo Manegold. Der 60-Jährige ist Vorsitzender des Kirchenrates und ehemaliger Bürgermeister von Neukölln. Er predigt auch in der Buckower Dorfkirche.

Beim Bau der Kirche in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nutzten die Siedler die Feldsteine und Granitfindlinge auf ihren Feldern – der märkische Untergrund bot sonst kaum geeignete Bausteine. Der Name „Buckow“ soll sich aus dem Slawischen ableiten und „Buchenaue“ bedeuten.

Im 16. Jahrhundert entstand das spätgotische Spitzbogenportal in der Südwand. Der Kirchenraum wurde durch drei Säulen geteilt. Während des Zweiten Weltkriegs, am Abend des 2. September 1943, riss eine Luftmine das Kirchendach herunter.

Schon 1912 wurden in den Gewölbefeldern spätgotische Malereien freigelegt, die Passionsszenen wie Auferstehung und Himmelfahrt darstellen. Sie wurden bei der Beseitigung der im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden 1950 noch einmal restauriert.

Neben der ältesten Glocke kann die Dorfkirche seit 1964 auch die älteste Totentafel Berlins vorweisen: das Epitaf für den 1412 am Kremmener Damm gefallenen Grafen Johann von Hohenlohe. Es stammt aus der kriegszerstörten Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters in Berlin-Mitte.

Und Bodo Manegold fällt noch ein Superlativ aus Buckow ein: Im Gemeindehaus der Dorfkirche trifft sich mit knapp 100 Mitgliedern Berlins größter Gospelchor, der Modern Gospel Choir, zum Singen.

Dorfkirche, Alt-Buckow 36, Tel: 604 10 10. Infos über Veranstaltungen und Konzerte im Internet: www.dorfkirche.de

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.