Überfall

Kreuzberger Bankräuber flieht mit dem Bus

Ein Bankräuber überfiel am Montag die Filiale einer türkischen Bank in Kreuzberg. Die Polizei rückte mit einem Spezialeinsatzkommado an, doch es war schon zu spät. Der Täter war mit der Beute geflohen. Die Polizisten befreiten eine eingesperrte Angestellte.

Von Die „Oyak Anker Bank“ an der Skalitzer Straße am Kottbusser Tor in Kreuzberg ist gestern Vormittag überfallen worden. Ein maskierter Mann drang in das Geldinstitut ein, bedrohte zwei Angestellte mit einer Schusswaffe und schloss sie in einem Raum ein. Von dort aus konnten sie per Telefon die Polizei alarmieren. Weil die Lage unübersichtlich erschien, rückte die Polizei mit großem Aufgebot an. Auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) erschien am Tatort. Doch als es in die Bank eindrang, war der Täter mit seiner Beute, eine nicht näher bezifferte „größere Summe Bargeld“, bereits verschwunden.

Nach ersten Erkenntnissen hatte sich der Täter gegen 8.20 Uhr durch einen Nebeneingang Zugang zu der Filiale der türkischen Bank verschafft, die zu diesem Zeitpunkt noch für Kunden geschlossen war. Nachdem er die Angestellten, eine Frau und einen Mann, im Nebenraum eingeschlossen hatte, flüchtete er mit seiner Beute.

Wenige Minuten nach ihrer Alarmierung war die Polizei am Ort. Sie sperrte die Skalitzer Straße in westlicher Richtung. Das SEK ging in Stellung. Das Kommando war angefordert worden, weil zu dem Zeitpunkt nicht klar war, ob sich der Täter noch in der Bank befand.

Gegen 9.35 Uhr stürmten das SEK die Bank. Jedoch fanden die Polizisten in den Räumen nur die eingesperrten Mitarbeiter vor. Von dem Täter fehlte jede Spur. Die beiden Angestellten wurden vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. „Sie hatten durch den Überfall einen Schock erlitten, ansonsten ist ihnen zum Glück nichts passiert“, sagte ein Polizeisprecher.

In der morgendlichen Betriebsamkeit auf der Straße und in der Hochbahn-Baustelle vor der Bank hatte der Täter offenbar völlig unbemerkt die Bank betreten und verlassen können. Zugute kam ihm dabei vermutlich, dass der Seiteneingang zu den Filialräumen in einer von der Straße nicht einsehbaren Hofeinfahrt liegt. Entsprechend schwierig ist es für die Beamten des Raubkommissariats derzeit, neben den Mitarbeitern der Bank weitere Zeugen zu finden.

Die Ermittler setzten daher jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Der Täter ist etwa 20 Jahre alt, 1,70 Meter groß, schlank und wahrscheinlich Südländer. Er hat große, dunkle Augen und trug eine schwarze Jacke, hellblaue, weit geschnittene Jeans sowie eine Sturmhaube“, sagte ein Polizeisprecher. Wer Hinweise zur Tat und zum Täter geben kann, wird gebeten, sich unter 4664–944 200 an das 2. Raubkommissariat zu wenden.

Passanten merkten nichts

Die meisten Passanten, die gestern wie an jedem Werktag schon früh das Gebiet rund um das Kottbusser Tor bevölkerten, waren offenbar erst aufmerksam geworden, als das Polizeiaufgebot vor der Bank eintraf. Auch die Bauarbeiter an der Hochbahn. „Das große Polizeiaufgebot war natürlich nicht zu übersehen und schon gar nicht zu überhören, vorher ist mir allerdings nichts aufgefallen“, sagte ein Bauarbeiter. Andere Passanten, die sich schnell neugierig vor der Absperrung des Tatortes versammelten, äußerten sich ähnlich.

Durch die Sperrung der Skalitzer Straße zwischen 8.30 Uhr und 9.50 Uhr kam es rund um das Kottbusser Tor zu massiven Verkehrsbehinderungen. Erst gegen 10 Uhr floss der Verkehr wieder normal.

Die Zentrale der „Oyak Anker Bank“ in Frankfurt/M. wollte sich gestern zu dem Vorfall in ihrer Berliner Filiale nicht äußern. Die Bank ist eine Tochtergesellschaft der türkischen „Oyak Gruppe“, einem Mischkonzern mit vielfältigen Aktivitäten im Handels- und Dienstleistungsbereich.