Kriminalität

Berliner Polizei nimmt brutale Bus-Schläger fest

Die BVG geht entschlossener gegen Gewalt vor. Nicht nur, dass Jugendliche und Polizei Streife gehen sollen. Jetzt entschied sich das Unternehmen erstmals, das Video von zwei Gewalttätern zu veröffentlichen. Sie wurden festgenommen, nachdem sie am Mittwochmorgen einen Busfahrer angegriffen hatten.

Nur wenige Stunden nach einem Angriff auf einen Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist es der Polizei gelungen, die mutmaßlichen Täter zu ermitteln und festzunehmen. Möglich war dies durch die Auswertung der Videoaufnahmen aus dem Bus. Um eine abschreckende Wirkung zu erzielen, hat sich die BVG jetzt erstmals entschlossen, in Abstimmung mit Polizei und Staatsanwaltschaft Videobilder von der Tat zu veröffentlichen. „Ein klares Signal an jeden möglichen Gewalttäter, dass er seiner Strafe nicht entgehen wird“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Nach Auswertung der Videobilder aus dem Bus der Nachtlinie N 8 konnte die Polizei als vermutlichen Haupttäter des jüngsten Übergriffs einen 14-Jährigen identifizieren. Der offenbar einschlägig bekannte Jugendliche soll Mittwochfrüh um 1.50.Uhr an der Haltestelle Kottbusser Tor in Kreuzberg den Fahrer des Nachtbusses ins Gesicht geschlagen und den 49-Jährigen dabei am Auge verletzt haben. Ermittelt werden konnte auch der 16 Jahre alte Begleiter des Schlägers, der den Angriff mit seiner Handykamera auch noch filmte.

Festnahme in der Wohnung

Nach Polizeiangaben wurden beide Tatverdächtige gestern Morgen um 6.20 Uhr in ihren Wohnungen festgenommen. Der 16-Jährige sei nach erkennungsdienstlichen Maßnahmen wieder entlassen worden. Sein jüngerer Komplize werde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft einem Haftrichter vorgeführt.

Die von der BVG veröffentlichten Bilder zeigen die Ereignisse im N8-Bus in Kreuzberg sehr präzise. Zunächst kommen die beiden, gut erkennbaren Jugendlichen aus dem hinteren Teil des Busses nach vorn und stellen sich neben den Fahrer. Während der eine noch abwartet, zückt der andere sein Handy. Anschließend schlägt der Jüngere ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht des Fahrers. Dann dreht sich der Schläger zu seinem Kompagnon um, offenbar, um ihn zu fragen, ob er auch alles im Bild habe.

Von Betriebsräten und Gewerkschaftern in der BVG wird bereits seit einiger Zeit darauf hingewiesen, dass es einen regelrechten „Sport“ in bestimmten Kreisen gebe, als Mutprobe „Busfahrer zu klatschen“ und Bilder davon anschließend als Beweis ins Internet zu stellen. Dieser Trend wird jetzt offenbar auch von der BVG-Spitze erkannt. „Mit der Veröffentlichung der Fotos von Tätern wollen wir dem Einhalt gebieten“, sagt Reetz.

Nach BVG-Angaben gab es von Januar bis August insgesamt 224 Angriffe auf Mitarbeiter des Unternehmens. 76 davon hätten Krankschreibungen von länger als drei Tagen zur Folge gehabt. Ganz vorn in der Gewaltstatistik mit 116 registrierten Vorfällen liegen dabei Angriffe auf Sicherheitskräfte und Fahrscheinkontrolleure. 91 Übergriffe wurden bisher im Busbereich, 13 in der U-Bahn und 4 in der Straßenbahn registriert. „Die Mehrzahl der Angriffe im Bus richtete sich gegen das Fahrpersonal“, so Reetz.

Bilder 24 Stunden gespeichert

Inzwischen seien aber fast alle Busse sowie ein Großteil der Straßenbahnen und U-Bahnzüge mit Videokameras ausgerüstet. Auch alle 170 U-Bahnhöfe würden seit 2007 videoüberwacht. Mit Hilfe der aufgezeichneten Bilder, die jeweils 24 Stunden lang gespeichert würden, könne die Polizei Übergriffe auf Mitarbeiter und Fahrgäste schnell aufklären. Nach BVG-Angaben gab es in der einjährigen Testphase der Videoüberwachung von U-Bahnhöfen 611 Anfragen von Polizei und Staatsanwaltschaft nach aufgezeichnetem Bildmaterial zur Strafverfolgung. Zahlen dazu, wie oft Videobilder auch zur Verurteilung eines Straftäters führten, gibt es bislang aber nicht.

Viele BVG-Mitarbeiter sehen die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen als nicht ausreichend an. Besonders groß ist der Unmut unter den Busfahrern, die anders als ihre Kollegen in Tram und U-Bahn nicht durch geschlossene Fahrerkabinen geschützt werden. Die BVG-Führung lehnt solche Kabinen für Busfahrer aus rechtlichen Gründen strikt ab. „Nach EU-Recht müssen Busfahrer eine zweite Ausstiegsmöglichkeit haben, bei einer geschlossenen Kabine hätten sie aber nur eine Tür“, so Reetz. Zudem könnte ein Großteil der Übergriffe so nicht verhindert werden, da ein Busfahrer verpflichtet sei, etwa bei Auseinandersetzungen im Fahrgastraum, schlichtend einzugreifen.