Prenzlauer Berg

Bezirk bittet Wirte wegen Heizpilzen zur Kasse

In fünf der zwölf Berliner Bezirke sind Heizpilze in den Schankvorgärten von Lokalen nur noch mit einer Lizenz erlaubt, ab Januar sollen sie generell verboten werden. Aus Umweltschutzgründen. Die Behörden in Pankow setzten sich an die Spitze der Bewegung und gehen jetzt mit empfindlichen Geldstrafen gegen Wirte vor.

Foto: ddp / DDP

Bei Andreas Kampa macht sich die Sonne im Oktober ziemlich rar. Kaum haben ein paar Strahlen gegen Mittag die Terrasse seines Café Nord in der Pankower Schulstraße erreicht, verschwinden die wärmenden Strahlen wenige Stunden später auch schon wieder hinter einem Häuserblock. „Pankow ist kein einfaches Pflaster für Gastwirte“, klagt Kampa, dessen Restaurant eines der bekannten Lokale im Berliner Stadtteil Pankow ist. Nicht nur die sonnenkarge Lage macht dem Wirt zu schaffen, auch die Kunden kann er hierhin nur schwer locken. „Abseits der bekannten Szeneplätze kann man nicht von Laufkundschaft und Touristen leben“, sagt Kampa.

Dennoch hat Kampa bislang etwa darauf verzichtet, die bei vielen Gastronomen beliebten Heizpilze auch bei sich vor die Tür zu stellen. „Ich fand es von Anfang an idiotisch, die Straße zu heizen.“ Und selbst jetzt, wo das Rauchverbot zusätzlich noch Gäste kostet, will Kampa keine künstlichen Wärmequellen aufstellen. „Ich versuche hier, mit einer guten Küche meine Nische zu finden.“

In Kampas Heimatbezirk Pankow dürfte man solche Worte gerne hören. Schließlich hat der Bezirk eine Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz übernommen und zu Jahresbeginn die Heizpilze vom öffentlichen Straßenland verbannt. „Wir sind zwar ein weltoffener Bezirk, aber dem ökologischen Schwachsinn mit den Heizpilzen haben wir ein Ende gesetzt“, sagt Ordnungsamtleiter Jens-Holger Kirchner (Grüne).

40 Wirten fehlt die Genehmigung

Doch Probleme hat das Bezirksamt mit der Durchsetzung seiner Verordnung im Pankower Stadtteil Prenzlauer Berg. In unzähligen Schankvorgärten des Szenebezirks stehen noch immer die propangasbetriebenen Heizer. Und nicht alle Wirte haben eine entsprechende Lizenz. „Der überwiegende Teil derer, die momentan noch Heizpilze haben, verfügen über eine Altgenehmigung bis zum Jahresende. Mit etwa 40 Wirten kam es wegen fehlender Genehmigung zu Diskussionen“, sagt Kirchner zum Verlauf der bisherigen Kontrollen.

Als besonders widerspenstig haben sich dabei die Wirte rund um den Helmholtzplatz entpuppt. „Gegen zehn Wirte speziell aus dieser Gegend haben wir inzwischen Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten müssen“, sagt Kirchner. Die angedrohten Ordnungsgelder liegen bei 1500 Euro, könnten in schweren Fällen aber auch 10.000 Euro betragen. „Im Extremfall müssten wir sogar die Gewerbeerlaubnis entziehen“, sagt Kirchner über die rechtlichen Möglichkeiten seiner Behörde.

Ab Januar wird gegen das Verbot geklagt

Dem Vorgehen des Bezirksamtes ein Ende setzen möchte hingegen der Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Anstatt sich um seine eigentlichen Aufgaben zu kümmern und unsaubere Küchen zu kontrollieren, tut sich der Bezirk Pankow immer wieder mit einer Regelungswut hervor“, sagt Vizepräsident Klaus-Dieter Richter. Bei den Heizpilzen, die nur in fünf der zwölf Berliner Bezirke nicht mehr erlaubt sind, will es der Verband deshalb auch auf eine juristische Auseinandersetzung ankommen lassen.

„Wenn im Januar das generelle Verbot in den betroffenen Bezirken eintritt, werden wir wegen Wettbewerbsverzerrung klagen“, kündigt Richter an. Offiziell kommt es dem Verband dabei auf eine Berlin-weit einheitliche Lösung an, insgeheim scheint man jedoch auf eine Rücknahme des Verbotes zu hoffen. „Auch wir halten den Umweltschutz für wichtig. Die von den Heizpilzgegnern angeführte Argumente wie etwa die Energiebilanz der Pilze zweifeln wir allerdings an.“

So mancher Wirt im Prenzlauer Berg hat unterdessen eine neue Ära in der Freilandbeheizung eingeläutet. So funzeln über den ersten Kneipen mittlerweile elektrische Heizstrahler. Ob sich diese Investitionen unter dem Strich lohnen – da ist sich Gastwirt Kampa nicht sicher. „Die Dinger kosten in der Anschaffung ein paar Tausend Euro und Strom wird ja auch nicht billiger“, so Kampas Rechnung.