Öffentlicher Nahverkehr

Kanzler-U-Bahn startet am 8. August 2009

Die Linie ist nur 1,8 Kilometer lang und führt vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Ob die U55 tatsächlich benötigt wird, das wurde lange bezweifelt. Und auch die Inbetriebnahme der Kanzler-U-Bahn verzögerte sich immer wieder. Doch nun nennen die Berliner Verkehrsbetriebe erstmals einen genauen Termin.

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Die Berliner Kanzler-U-Bahn soll nach den Planungen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vom Wochenende 8./9. August 2009 an durch das Regierungsviertel rollen. Ein Shuttle verbindet dann eine Woche vor Beginn der Leichtathletik- Weltmeisterschaft in Berlin den Hauptbahnhof über die Station Bundestag mit dem Bahnhof Brandenburger Tor. Für den Weiterbau der U-Bahn zum Alexanderplatz seien zwei Zeitpläne im Gespräch, sagte der BVG-Vorstandsvorsitzende Andreas Sturmowski.

Bei der schnellsten Variante wäre die Strecke im Jahr 2016 fertig, bei einer gestreckten Bauzeit würde die U-Bahn erst im Jahr 2020 fahren. Noch heißt die Kanzler-U-Bahn offiziell U55. Für das nur 1,8 Kilometer lange Teilstück gibt es nun eine Fahrgastprognose von rund 2,3 Millionen Fahrten pro Jahr. Zuvor hatten lange Zweifel an einem wirtschaftlichen Betrieb geherrscht. Die Tunnel haben noch keine Verbindung zum übrigen Berliner U-Bahn-Netz. Erst mit der Anbindung an den Alexanderplatz würde die Linie zur Verlängerung der U5 zum Hauptbahnhof.

Nun ist die Leichtathletik-WM im Visier

Die Eröffnung der "Stummel-Linie" zum Brandenburger Tor ist mehrfach um Jahre verschoben worden. Geplante Fahrten zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 scheiterten unter anderem an Grundwassereinbrüchen beim Bau der Station Brandenburger Tor. Nun ist die Leichtathletik-WM im Visier, die am 15. August in Berlin beginnt.

Der Baubeginn der U55 liegt inzwischen sogar 12 Jahre zurück. Nach einem Berliner Baustopp aus Geldmangel erzwang der Bund 2002 den Weiterbau der Strecke und drohte andernfalls mit der Rückforderung von 170 Millionen Euro Bundesgeldern. Die Kosten für das Gesamtprojekt bis zum Alexanderplatz werden auf rund 664 Millionen Euro geschätzt, 550 Millionen Euro davon kommen aus der Bundesschatulle.

Welcher Kanzler würde mit der U-Bahn ins Kanzleramt fahren?

Die neue U-Bahnlinie ist ein Stummel, der noch keine Verbindung zum restlichen Berliner U-Bahn-Netz hat. Fahrgäste können am Brandenburger Tor aber in die S-Bahn-Station Unter den Linden wechseln. BVG-Chef Sturmowski erhofft sich von der neuen Verbindung auch eine Entlastung der Friedrichstraße als Umsteigebahnhof zum Hauptbahnhof.

Der Spitzname Kanzler-U-Bahn nimmt den Bau der Linie, der aus der Euphorie der Nachwende-Zeit stammt, ironisch aufs Korn. Welcher Kanzler würde mit der U-Bahn ins Kanzleramt fahren? Der Berliner Fahrgastverband Igeb hält die Verbindung heute noch für wenig sinnvoll. Der Verband schätzt, dass zumindest Touristen lieber durch das Regierungsviertel laufen. Die Station Bundestag hat bisher nur als Event-Location von sich reden gemacht: Im Frühjahr gab es eine Oper im U-Bahnhof – zur Zeit läuft dort eine Ausstellung über den Urknall.

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