Heinersdorfer Moschee

Vor der Moschee-Eröffnung herrscht Angst von Demos

Noch spürt man in der Heinersdorfer Tiniusstraße wenig vom Großereignis, das heute bevorsteht - die Eröffnung der ersten Moschee im Ostteil der Hauptstadt. Bis zum Schluss ebbte der Protest gegen den Neubau nicht ab. Zu seiner Einweihung wollen die Gegner gegen die Eröffnung des islamischen Gotteshauses demonstrieren.

Tiniusstraße in Heinersdorf, am Dienstagnachmittag. Kopfsteinpflaster, gepflegte Gärten, Ein- und Mehrfamilienhäuser. Kein Mensch ist auf der Straße zu sehen, niemand in den Gärten. Es scheint die Ruhe vor dem Sturm. Vor der Eröffnung der Khadija-Moschee am heutigen Donnerstagabend.

Der 13 Meter hohe weiße Kuppelbau ist gut zu sehen, aber nicht überragend. Ebenso das Minarett. Je näher man kommt, desto mehr deutet auf einen Ausnahmezustand hin. Schilder kündigen das Parkverbot bis Sonnabend an. Links und rechts vom Moscheegrundstück stapeln sich Dutzende Absperrgitter. Auf dem Gelände herrscht emsiges Treiben. Bauarbeiter erledigen die restlichen Arbeiten. Noch liegen Kabel, Planen und Werkzeuge herum. Neben dem Gotteshaus sind weiße Zelte aufgebaut.

Kalif kommt aus London angereist

Im größten sitzt das Oberhaupt der Ahmadiyya-Gemeinde hinter einem langen Tisch. Abdul Basit Tariq hat ständig Kopfschmerzen. Die Eröffnung der Moschee bereite ihm schlaflose Nächte, erzählt der 60-Jährige. Trotzdem beantwortet er freundlich die Journalistenfragen. Klar, es geht immer wieder um die weiblichen Gemeindemitglieder. „Wir sind stolz auf unsere Frauen“, sagt er. „Sie haben unsere Moschee durch ihre Spenden finanziert.“ Stolz ist er auch, dass die Moschee nach Plänen einer muslimischen Architektin gebaut wurde. „Ich kenne die Familie“, sagt Abdul Basit Tariq, „nette, gebildete Leute.“

Immer wieder klingelt das Handy des Imam. Immer wieder gibt er zwischendurch Anweisungen. „Die Eröffnung wird ein Tag der Freude“, sagt er. „Ich bin Gott dankbar, dass er uns die Geduld und die Kraft zum Aufbau der Moschee gegeben hat.“ Traurig sei er wegen der Reibereien. „Aber durch die Anfeindungen ist die Gemeinde bekannt geworden.“ Seit zwei Jahren bekämpft die Initiative Pankow-Heinersdorfer Bürger das Bauvorhaben. Moscheegegner demonstrierten in Pankow. Der Geistliche aber spricht von der Begegnung der Kulturen, die auf dem Grundstück stattfinden soll, und vom Leben in friedlicher Nachbarschaft. Doch zunächst muss er die Logistik der Eröffnungsveranstaltung in den Griff bekommen. 300 Gäste sind geladen. Die erste Moschee im Osten Berlins wird mit einer feierlichen Zeremonie eingeweiht. Mit Worten aus dem Koran, Gedichtrezitationen von Kindern, Reden von Pankower Politikern und schließlich der Ansprache des Kalifen. Der reist mit Gefolge aus London an und wird im Gemeindehaus nächtigen, das neben der Moschee erbaut ist. Erst danach bezieht der Imam die Wohnung im Obergeschoss.

Angst vor Randalen

Im geschäftigen Pankow, auf der Breiten Straße, nehmen Passanten und Käufer nur am Rande Notiz von der Moscheeeröffnung. Wo genau das Gotteshaus steht, wissen die wenigsten, auch wenn sie davon gehört haben. „Ich finde es ein bisschen merkwürdig“, sagt eine junge Frau. „Aber solange die Muslime nicht meinen, die übrige Gesellschaft mit einbeziehen zu müssen, habe ich kein Problem.“ Eine ältere Pankowerin macht aus ihrer Ablehnung keinen Hehl: „Wir dürfen in der Türkei auch keine Kirchen bauen.“ Sie könne die Moschee tolerieren, sagt eine junge Mutter. „Ich hätte nur Angst, wenn es dort dauernd Randale gibt.“ Dass es im Umfeld der Moschee friedlich zugeht, darauf hofft auch der Imam in der Tiniusstraße. Um Frieden werden die Muslime bitten, wenn sie sich in der Moschee niederwerfen.

Doch noch sind die Gebetsräume leer. Sie wirken feierlich, mit den weißen Wänden und den arabischen Schriftzeichen, mit den weichen, grün gemusterten Teppichen, die gen Mekka ausgerichtet sind. Leer ist auch immer noch die Tiniusstraße. Nur ganz am anderen Ende fegt ein Mann das Laub auf dem Gehweg. Nach der Moschee gefragt, unterbricht er seine Arbeit, stützt sich lächelnd auf den Besen. „Ich hab kein Problem damit“, sagt Dieter Maile. „Wenn Menschen geflüchtet sind und bei uns aufgenommen wurden, dann sollen sie auch ihre Religion hier ausüben.“ Außerdem sei das Grundstück nun keine Brache mehr, auf der sich Ratten tummelten. Es sehe jetzt ordentlich aus. Das gefällt dem 71-Jährigen. Er erzählt, dass er früher als Fernmeldemonteur in arabischen Ländern unterwegs war. Er hat Telefonanlagen installiert. „Da habe ich mit den Einheimischen Hand in Hand gearbeitet.“ Aber der alte Herr weiß auch um den Gegenwind für die Moschee. Ganz ohne Eifer sagt er: „Wir brauchen Toleranz.“

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