Schlossplatz

Archäologen entdecken Berlins ältestes Haus

Eigentlich hatten die Archäologen Näheres zu einem Dominikanerkonvent aus dem 13. Jahrhundert herausfinden wollen, dessen Überreste unter dem Schlossplatz liegen. Doch entdeckten sie nun unter dem Konvent Überreste eines noch älteren Hauses. Ein Stück verkohltes Holz weist darauf hin, dass die Spreeinsel bereits im Jahre 1183 besiedelt wurde.

Berlin ist älter als bisher angenommen. Das belegt ein Holzstück aus dem Jahre 1183, das Archäologen bei Grabungen am Schlossplatz in Mitte gefunden haben. „Berlin wurde 1237 erstmals urkundlich erwähnt. Das neue, frühere Datum ist für die Erforschung der Besiedlung Berlins von großer Bedeutung“, sagte die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

Das Holz wurde etwa dreieinhalb Meter unter dem heutigen Straßenniveau gefunden, es ist schwarz und verkohlt. „Das Haus muss abgebrannt sein“, sagte der Archäologe und Grabungsleiter Michael Malliaris. Er hatte das Holzstück entdeckt, nachdem er in etwa drei Metern Tiefe auf Bauspuren gestoßen war. „Nun werden wir auch im Umfeld nach Spuren menschlicher Besiedelung suchen.“ Malliaris hält es nicht für ausgeschlossen, dass sein Team und er weitere Häuser aus dem 12. Jahrhundert finden werden.

Das Holzstück, das gegenwärtig von Uwe Heußner, Dendrochronologe am Deutschen Archäologischen Institut Berlin (DAI) untersucht wird, ist Teil eines Pfostens und stammt aus dem Keller des ältesten Hauses Berlins. Das Gebäude über dem Keller war ein Vierpfostenbau. Die Wände zwischen den Pfosten bestanden wahrscheinlich aus umrahmten Holzplanken. Heußner, Spezialist für die Datierung von Holz aus dem hohen Mittelalter, wird nun die anderen Holzstücke, die sich noch im Boden befinden, untersuchen.

Hausreste unter einem Kloster vergraben

Die Reste des alten Hauses sind teilweise unter einem Dominikanerkonvent vergraben, dessen Fundament etwa drei Meter unter dem jetzigen Straßenniveau liegt. Auf dem Grund des Klosters, das zwischen 1294 und 1297 erbaut wurde, waren die Grabungen im Mai diesen Jahres ursprünglich anberaumt worden. „Wir wollten herausfinden, wie gut das Dominikanerkloster erhalten ist“, sagte Karin Wagner, Leiterin der Archäologischen Abteilung Berlin.

Das Dominikaner-Kloster steht wie das Haus auf der Spreeinsel, die nicht zu Alt-Berlin gehörte, sondern zu der Schwesternstadt Alt-Cölln. „Die Landschaft wurde damals wesentlich stärker durch die Spree geprägt, die breiter war und nur schwer zu überqueren. Außerdem gab es viele kleine Seen im Bereich Berlin-Mitte“, sagte Wagner. Die Spreeinsel war morastiges Gelände, es muss schwer gewesen sein, darauf zu bauen.

Noch gibt es keine Angaben zu Nutzung und Größe des Holzhauses, doch nach dem Fund stellen sich neue, stadthistorische Fragen zur Gründung Berlins: „Es ist möglich, dass Alt-Cölln und Alt-Berlin die gleichen Gründungsväter haben“, so Lüscher. Künftig geplante Grabungen in den Bereichen Alt-Berlins sowie, in Spandau und Köpenick sollen Aufschluss geben. Bislang nahm man an, dass Alt-Berlin etwa 50 Jahre jünger sei als Alt-Cölln auf der Spreeinsel. „In Kürze werden Grabungen entlang der geplanten U-Bahnlinie U5 beginnen“, sagte Lüscher. Dort könnten sich weitere aufschlussreiche Artefakte befinden. Zum Jahresende soll die Grabungsstelle am Schlossplatz versiegelt werden, die Werderstraße wird auf der Fundstätte gebaut. „Der Fund wird die Bauplanung nicht verzögern, für die Grabungen wurde ausreichend Zeit eingeplant“, sagte Karin Wagner.