Interview

Innensenator Körting will mehr Moscheen in Berlin

Am heutigen Donnerstag wird die erste Moschee in Ostberlin eröffnet, die Moschee der umstrittenen Ahmadiyya-Gemeinde in Heinersdorf. Im Interview mit Morgenpost Online spricht Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) über Polizeischutz für Muslime in Berlin, die Fehler der Ahmadiyya-Gemeinde und die Motive der Moschee-Gegner.

Morgenpost Online: Herr Körting, es gab Proteste gegen die Moschee in Heinersdorf. Wird es Polizeischutz geben müssen?

Ehrhart Körting: Nein. Ich gehe nicht davon aus, dass wir vor Moscheen ständig Polizisten stehen haben müssen. Heinersdorf ist für uns ein wichtiger Fall gewesen, weil dort die Entscheidung über den Bau der Moschee getroffen war. Ich hätte dort übrigens keine Moschee gebaut.

Morgenpost Online: Wieso nicht?

Körting: Wenn ich die religiöse Gemeinde gewesen wäre, wäre ich nicht irgendwo hingegangen, wo die Leute nicht wohnen. Sondern ich hätte dort gebaut, wo die Gemeindemitglieder fußläufig zur Moschee leben. Die Entscheidung für Heinersdorf ist wohl auch aus finanziellen Gründen gefallen, weil das Grundstück günstig war. Aber das ist die Entscheidung desjenigen, der die Moschee baut. Nachdem aber die Entscheidung für Heinersdorf gefallen war, gab es für mich den absoluten Vorrang, dass das nicht boykottiert werden kann. Denn wenn ich einmal in der Stadt zulasse, dass irgendeine Gruppierung sagt, ich will hier keine Moschee oder ich will hier keine Synagoge oder keine katholische Kirche – wenn ich das einmal zulasse, dann begehe ich den Sündenfall. Und diesen Sündenfall darf ich nicht begehen.

Morgenpost Online: Haben Sie denn Verständnis für die Sorgen der Anwohner?

Körting: Ich habe mich mit der Bürgerinitiative dort unterhalten. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Initiative eine rechtsextremistische Organisation ist, um das auch ganz deutlich klarzustellen. Das sind eben Bürger, die ihre Ängste haben.

Morgenpost Online: Liegen ihnen Erkenntnisse vor, dass der Verfassungsschutz die Ahmadiyya-Gemeinde beobachten muss?

Körting: Nein. Das ist eine religiöse Gemeinde, keine extremistische Organisation. Wenn Sie sich einzelnes ansehen von dem, was sie verbreiten, dann würden Sie sie eher in die orthodoxe Richtung packen. Aber das ist im Rahmen der Religionsfreiheit deren Sache. Wenn ich mich entscheide, in einer strenggläubigen Gemeinschaft zu leben, dann entscheide ich mich dafür, das zu tun. Ich kann als Bürger hingehen und fragen, wollt ihr nicht mehr an unserem Leben teilhaben. Aber das ist eine andere Frage.

Morgenpost Online: Was sollten denn Moscheevereine tun, um den Sorgen der Bürger entgegenzuwirken?

Körting: Moscheen sollten sich grundsätzlich mehr öffnen. Wir haben ein gewisses Problem, dass die Moscheen eine relativ geschlossene Gesellschaft für Muslime sind. Ich kann sie auch immer nur ermuntern, mehr zu tun als nur den einen Tag der offenen Tür im Jahr. Ich kann den Imamen nur empfehlen, sich um das Umfeld, sich um die Nachbarn zu kümmern, sich vorzustellen, dem Bäcker zu sagen, ich bin der Imam von der Moschee nebenan, ich würde gern mit Ihnen einen Tee trinken. Sie sollten sich um die sozialen Probleme im Kiez kümmern. Das fehlt leider vielen Imamen. Das fehlt ihnen teilweise auch, weil sie schlecht Deutsch sprechen und nicht hier ausgebildet sind. Es gibt aber auch welche, die offensiv damit umgehen. Die Ahmadiyya-Gemeinde hat in Heinersdorf durchaus Angebote gemacht darzustellen, was sie eigentlich ist.

Morgenpost Online: Sollten die Moscheen ihre Finanzströme offenlegen?

Körting: Ich meine, dass diejenigen, die Neubauten von Moscheen betreiben, möglichst viel Transparenz zeigen sollten, was sie tun und wie sie ihren Neubau finanzieren. Ich glaube, das ist eine vertrauensbildende Maßnahme. Das trifft auf die Ahmadiyya-Gemeinde zu. Sie finanziert sich über Sammlungen und macht das auch deutlich.

Morgenpost Online: Es gibt noch einige andere Anträge auf Neubauten. Provokativ gefragt: Wie viele Moscheen verträgt Berlin?

Körting: So viele, wie Bürger in der Stadt in Moscheen gehen wollen. Mir sind neue, offene Moscheen auch im Hinblick auf die Integration lieber als das, was wir vielfältig sehen: eine Moschee im zweiten Hinterhof eines Fabrikgebäudes. Mir ist es viel sympathischer, wenn man sieht, wie in einer Moschee Menschen wie Du und Ich beten. Das Motto müsste also sein, möglichst viele Hinterhofmoscheen abzuschaffen und durch offene Neubauten zu ersetzen. Wir brauchen mehr Moscheen.

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