Islam

Kalif eröffnet erste Moschee im Ostteil Berlins

Nach einer bewegten Baugeschichte ist es nun soweit: Am Donnerstag wird die erste Moschee in einem Ostberliner Stadtteil feierlich eröffnet. Gegen den Neubau der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Heinersdorf hatte es heftigen Widerstand gegeben. Gegner haben erneut Proteste angekündigt.

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde eröffnet an diesem Donnerstag den ersten Moscheeneubau im Ostteil Berlins. Das Gotteshaus im Pankower Ortsteil Heinersdorf ist die erste repräsentative Moschee auf dem Boden der ehemaligen DDR.

Zu den rund 250 geladenen Gästen der Feierlichkeiten aus dem In- und Ausland gehören Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie als Vertreter des Berliner Senats Sozialsenatorin Heidi-Knake Werner (Linke) und der Integrationsbeauftragte Günter Piening. Gegner des Moscheebaus haben erneut Proteste angekündigt.

Der aus London anreisende Kalif der Religionsgemeinschaft, Hazrat Mirza Masroor Ahmad, wird die Moschee am frühen Abend der Berliner Gemeinde übergeben. Er hält am Freitag auch den ersten Hauptgottesdienst für rund 500 Gläubige in dem neuen Komplex. Als Kalifen bezeichnet die Gemeinschaft ihr spirituelles Oberhaupt, das sie in der Nachfolge des Propheten Mohammed sieht.

Knake-Werner beglückwünschte die Ahmadiyya Muslim Gemeinde schon am Mittwoch im Namen des Senats zur Eröffnung der Moschee. „Und wir verbinden unsere Glückwünsche mit der Hoffnung, dass sich ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zwischen der Gemeinde und den Bürgerinnen und Bürgern in Heinersdorf entwickelt, wie es in anderen Stadtteilen auch Normalität ist“, erklärte die Senatorin in einer Mitteilung. In Berlin müsse es selbstverständlich sein, dass eine Religionsgemeinschaft ihr Grundrecht auf freie Religionsausübung wahrnehme und dafür auch religiöse Räume einrichte.

Gegen den Bau der Moschee mit einem zwölf Meter hohen Minarett auf dem Gelände einer abgerissenen Senffabrik hatte es im Bezirk heftigen Widerstand gegeben. Anwohner befürchteten eine „Islamisierung“ des Stadtteils. Es gab Demonstrationen sowie Farbschmierereien am Rohbau und einen Brandanschlag. Erst im Juli war der Neubau mit Nazi-Parolen beschmiert worden. Auf der anderen Seite formierten sich aber auch breite Initiativen, die für eine freie Religionsausübung eintreten.

Während die rechtsextreme NPD eine ursprünglich geplante „Mahnwache“ wieder absagte, hat die „Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger“, ein Zusammenschluss von Moschee-Gegnern, für Donnerstagabend erneut zu einem Protestzug aufgerufen. Dagegen wollen der Bürgerverein Zukunftswerkstatt Heinersdorf und andere Initiative ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen und abends symbolisch ein von Demonstranten zusammengeknüpftes Stoffband durch die Heinersdorfer Straßen tragen. Unterstützung kommt von SPD, Linkspartei, Grünen, FDP und CDU.

Dem Berliner Zweig der Ahmadiyya Muslim Gemeinde war das bisherige Gemeindehaus im Bezirk Reinickendorf zu klein für ihre gut 200 Mitglieder geworden. Das neue Gemeindezentrum ist für etwa 500 Gläubige ausgelegt. Es umfasst auch eine Bibliothek sowie Wohnungen für den Imam der Gemeinde und Gäste. Die Bau- und Grundstückskosten werden auf mehr als 1,6 Millionen Euro beziffert.

Bundesweit hat die Ahmadiyya Muslim Gemeinde nach eigenen Angaben in den vergangenen 15 Jahren 20 Moscheen gebaut. Ihre Mitglieder in Deutschland gibt die 1889 in Indien gegründete Gemeinschaft mit 30.000 an. Weltweit sollen es mehrere Millionen sein. Die meisten Anhänger in der Bundesrepublik sind Flüchtlinge aus Pakistan. In ihren Reihen finden sich aber auch 200 bis 300 deutsche Konvertiten.

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, die in der islamischen Welt teilweise heftig angefeindet wird, versteht sich als Reformgemeinde. Sie ist nach eigener Darstellung die einzige islamische Gemeinschaft, die einen gewählten Kalifen als Oberhaupt hat.

Nach den Worten ihres Vorsitzenden in Deutschland, Uwe Wagishauser, unterscheidet sich die Gemeinschaft von anderen Muslimen auch dadurch, dass sie den Koran nicht wortwörtlich nehme, sondern zeitbezogen interpretiere. Zu ihren Kerngedanken gehöre das Bekenntnis, dass es in Glaubensangelegenheiten keinen Zwang geben dürfe. Benannt wird die neue Moschee nach der ersten Muslima, der Ehefrau des Propheten Mohammed, Khadija.

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