Glücksspielmarkt

Lotto setzt auf Ende der privaten Konkurrenz

| Lesedauer: 3 Minuten
Joachim Fahrun

Foto: up htf / DPA

Die Umsätze der Klassenlotterie sinken, und die Zeiten, in denen die Lotto-Einnahmen munter und reich in die Kassen des klammen Staats sprudelten, scheinen sich ihrem Ende zu nähern. Denn die Konkurrenz der Privaten ist groß. Die Lotto-Funktionäre hoffen nun auf das regulierende Eingreifen des Staates.

Für 38 Projekte und Initiativen hat es sich vergangene Woche wieder geöffnet: Das Füllhorn namens Lotto schüttete warmen Regen aus. Die Gedächtniskirche, der Landessportbund, ein barrierefreies Hotel in Karlshorst, die Stiftungen der politischen Parteien, die Senatsjugendverwaltung und weitere Begünstigte teilen sich diesmal 25 Millionen Euro.

Lotto hilft, wenn der Senat klamm ist – diese Gleichung galt lange Jahre in Berlin. Zwei Milliarden Euro hat Lotto über die Jahre verteilt. Aber inzwischen sind die staatlich kontrollierten Organisatoren des Glücksspiels selbst in unruhiges Fahrwasser geraten. Die Einsätze an den Schaltern gehen zurück. 2004 riskierten die Berliner noch 349 Millionen Euro in den diversen Spielen der Deutschen Klassenlotterie Berlin. 2007 waren es nur noch 310 Millionen Euro.

Entsprechend geringer fällt die Ausschüttung über die Stiftung Deutsche Klassenlotterie aus. Vergangenes Jahr wurden 68 Millionen Euro verteilt, in diesem Jahr rechnet Lotto-Vorstand Hans-Georg Wieck mit 65 Millionen.

Für 2009 wagt niemand eine Prognose, denn der Glücksspielmarkt ist heftig im Umbruch. „Es ist nicht unsere Aufgabe, möglichst viel Geld einzunehmen“, sagt Stiftungsvorstand Hansjörg Höltkemeier, der für Marketing zuständig ist. Es gehe darum, den natürlichen Spieltrieb der Menschen in geordnete Bahnen zu lenken. Darum habe man auch nichts dagegen, dass nun die Politik mit einem Lotto-Staatsvertrag den Glücksspielmarkt stärker reguliert und privaten Anbietern das Leben schwer macht.

Die staatlichen Lotto-Gesellschaften haben seit etwa vier Jahren massiv unter den aggressiven Werbeangeboten privater Konkurrenten gelitten. Stiegen bis dahin die Umsätze immer parallel zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung, mussten die Öffentlichen in den letzten Jahren deutliche Einbußen hinnehmen. Dagegen stiegen die Umsätze der Privaten deutlich an. Sie betrachten Deutschland als Glücksspiel-Entwicklungsland. Der Wettumsatz pro Kopf der Bevölkerung lag 2005 in Großbritannien zehn Mal und in Frankreich drei Mal höher als in Deutschland. Seither haben die privaten in Deutschland Boden gutgemacht.

Aber damit ist bald Schluss, hofft man nicht nur in der Berliner Lotto-Zentrale an der Brandenburgischen Straße. In Berlin ist das Glücksspiel in der Grauzone stärker als in anderen Orten. Wettbüros finden mehr Publikum als auf dem Land, und die Online-Dichte, die Internet-Spiel ermöglicht, ist besonders ausgeprägt.

Aber Ende 2008 laufen die Übergangsfristen für die 300 bis 400 privaten Wettbüros in Berlin aus. Werbebanner von Sportwetten-Anbietern wie B-Win müssten dann von Sportseiten im Internet verschwinden.

Aber noch herrscht Rechtsunsicherheit. Denn allein 27 Wettbüros sind nach Angaben von Lotto-Vorstand Höltkemeier vor das Verwaltungsgericht gezogen. Sie haben darauf verwiesen, dass der deutsche Lotto-Staatsvertrag, der ihre Existenz stark reguliert, dem europäischen Recht widerspreche. Sie alle erhielten vorläufigen Rechtsschutz und dürfen weitermachen. Aber in der nächsten Instanz, so hofft man in der Lotto-Zentrale, dürfte die deutsche Position zum Schutz gegen Spielsucht gestärkt und privates Glücksspiel stark eingeschränkt werden. „Die Lage wird 2009 deutlich beruhigt sein“, sagt Lotto-Vorstand Höltkemeier voraus. Dann wäre die Lotto-Gesellschaft wieder als alleiniger Platzhirsch auf dem Markt. Sie könnte weiter den schmalen Grad beschreiten zwischen einer Kontrolle des Spieltriebs und dem Anspruch, attraktive Angebote zu machen und Einsätze hereinholen.

„Dann werden sich die Umsätze wieder entsprechend der Wirtschaftskraft entwickeln“, glaubt Lotto-Vorstand Wieck. Der Sport, der sich besonders lautstark gegen eine Einschränkung der privaten Wetten wendet, werde dann weiterfinanziert.