Klimaschutz

Grüne wünschen sich ein Machtwort von Wowereit

Der Umweltexperte der Grünen, Michael Schäfer, fordert Berlins Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit auf, die Klimaschutzpolitik zur Chefsache zu machen. Alle Hauptstädte, in denen die Stadtoberhäupter dies getan hätten, seien erfolgreich, sagte Schäfer mit Blick auf London, Stockholm und andere europäische Metropolen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) soll den Klimaschutz zur Chefsache machen. Das fordern die Grünen im Abgeordnetenhaus. „Die wichtigste Ressource für den Klimaschutz ist der politische Wille“, sagte der Umweltexperte der Partei, Michael Schäfer, anlässlich der Abschlussveranstaltung eines Vergleichs europäischer Hauptstädte. „Im Klimaschutz kann Berlin noch mehr – das hat der Vergleich mit anderen europäischen Hauptstädten eindeutig gezeigt“, sagte Schäfer. Erfolgreich seien Hauptstädte, in denen sich der jeweilige Regierungschef für den Klimaschutz einsetze. „Aber Wowereit hat ja noch nicht einmal ein großes Wort zum geplanten Kohlekraftwerk gesprochen“, kritisierte Schäfer.

Während die verglichenen Städte über umfassende und konkrete Klimaschutzprogramme verfügten, gebe es in Berlin nur vage Absichtserklärungen. „Besonders beeindruckend ist in dieser Hinsicht London, wo der ehemalige Bürgermeister einen ehrgeizigen Masterplan für den Ausbau dezentraler Energiegewinnung vorgelegt hat“, sagte Schäfer weiter. In einer letzten Veranstaltung hatte gestern der stellvertretende Vorsitzende der London Assembly, Darren Johnson, das Vorgehen der britischen Metropole vorgestellt. Das ehrgeizige Ziel besteht darin, bis zum Jahr 2025 gar 60 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes einzusparen.

Stockholm hat dagegen einen Bezirk der Stadt zum Modellprojekt für den Klimaschutz ausgerufen. In Hammarby Sjöstad werden in den kommenden Jahren die aus den 90er-Jahren stammenden Wohnhäuser energetisch saniert, es entsteht ein einheitliches Abfall-, Wasser-, und Energiekonzept. 2015 soll die Kohlendioxid-Emission um die Hälfte reduziert sein. Ein ähnliches Projekt fordern auch die Grünen für Berlin. Zwar hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gesobau angekündigt, das Märkische Viertel für 440 Millionen Euro energetisch zu sanieren. „Da geht aber deutlich mehr“, kritisiert Schäfer. Hier könnten nach Auffassung des Umweltexperten verschiedene Modelle erneuerbarer Energiegewinnung eingerichtet und getestet werden.

Gefahr durch neues Kohlekraftwerk

„Mit umfassenden Klimaschutzstrategien haben die europäischen Hauptstädte gezeigt, wie bessere Ergebnisse im Klimaschutz erreicht werden können.“ So sei der Kohlendioxid-Ausstoß je Einwohner in London auf 6,8 Tonnen jährlich, in Wien auf 5,7 Tonnen und in Stockholm auf vier Tonnen gesenkt worden. In Berlin beträgt der Pro-Kopf-Ausstoß sieben Tonnen. Sollte in Berlin das geplante Kohlekraftwerk Rummelsburg gebaut werden, gerieten die Berliner Klimaschutzziele in Gefahr. Umso dringender sei ein Eingreifen des Regierenden Bürgermeisters. „In Berlin ist Wowereit leider bisher vor allem ein Hindernis für den Klimaschutz“, kritisiert Schäfer. Wowereits Kollegen in London und Wien hätten dagegen angekündigt, ganz auf Kohle zu verzichten.