Jubiläum

Der neue Potsdamer Platz wird 10 Jahre alt

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Uwe Sauerwein

An keinem anderen Platz Deutschlands wird die jüngere deutsche Geschichte sinnfälliger als am Potsdamer Platz. Durch den Krieg zerstört, durch Berlins Teilung zur Brache verdammt, nach der Wiedervereinigung mit Furor wiederbebaut und zu sprudelndem Leben erweckt. Vor nun zehn Jahren gelang Berlin das Unmögliche: ein neues Zentrum aus dem Nichts zu zaubern.

Ein Platz feiert Geburtstag. Er wird zehn. So einfach darf man es nicht ausdrücken. Schließlich lang der Potsdamer Platz bereits Anfang des 18. Jahrhunderts vor den Toren Berlin. Als einer der berühmtesten Plätze Europas kann er auf bewegte, wilde, fröhliche und auch auf viele tragische Jahre zurückblicken. Kaum ein anderer Ort der Hauptstadt erlebte so viele Wendepunkte der deutschen Geschichte. So auch den Mauerbau 1961, der aus dem einst verkehrsreichsten Platz Europas ein abgeriegeltes Gelände im Niemandsland machte.

Fortan galt der Potsdamer Platz als tot. Und deshalb kann man den Tag, dessen Jubiläum es jetzt zu feiern gilt, als Stunde der Wiedergeburt bezeichnen. Am 2. Oktober 1998 eröffnete der damalige Bundespräsident Roman Herzog feierlich das neue Areal. Schon kurz nach der Wende hatte die Debatte darüber begonnen, wie man den Potsdamer Platz als Bindeglied zwischen den einst getrennten Stadthälften neu gestalten könnte. Danach ging es schnell: Im Juli 1990 erfolgte der Grundstückskauf durch Daimler, im Juli 1991 wurden die Grundlagen für das neue städtebauliche Ensemble gelegt. 1993 der erste Spatenstich, 1996 das Richtfest mit dem von Daniel Barenboim dirigierten „Ballett der Kräne“.

Und dann, heute vor zehn Jahren, die Eröffnung des Areals, das Kritikern als eine „Stadt in der Stadt“ erschien, ohne echte Anbindung an die Umgebung. Doch das Leben, das seitdem in Berlins neue Mitte einzog, hat selbst die meisten Skeptiker überzeugt. Nicht zuletzt durch die Mischung aus Arbeiten, Wohnen, Einkaufen, Unterhaltung und Kultur wurde der Platz einer der großen Anziehungspunkte der Metropole. Selbst unter dem Platz herrscht Leben – nicht nur im subterranen Wirtschaftshof, sondern auch im Tiergartentunnel, dessen 2006 eröffnete 2,4 Kilometer lange Kraftverkehrstrasse zwischen dem Südrand des Potsdamer Platzes (Reichpietschufer) und dem Hauptbahnhof verläuft.

Auch nach dem Verkauf der ehemaligen Daimler-City an die SEB zählen die Bauten zu den gefragtesten Immobilien. Doch trotz aller Modernität atmet der Ort nach wie vor Geschichte. So wird an keiner anderen Stelle die Wiedervereinigung Berlins, ja Deutschlands, so sinnfällig wie hier. Am 4. Oktober, am Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit, feiert das neue Quartier mit einem großen Familientag Jubiläum. ?