Pflüger in Rom

Papst unterstützt Berliner Volksbegehren Pro Reli

Friedbert Pflüger, bis vor kurzem Fraktionsvorsitzender der Berliner CDU, hat lange auf diesen Moment gewartet: Die Einladung zur Generalaudienz bei Papst Benedikt XVI. Sein Ziel: Unterstützung für das Volksbegehren für den Religionsunterricht. Der Augenblick war schnell vorbei. Doch am Ende bekam Pflüger, was er wollte.

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Papst lobt Pro Reli

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Auf diesen Moment hat Friedbert Pflüger seit Monaten hingearbeitet. Papst Benedikt XVI. kommt auf ihn zu. Langsamen Schrittes, ganz in weiß gekleidet, schreitet das Oberhaupt der Katholiken zur ersten Reihe. Dort sitzen die Ehrengäste der Generalaudienz vor dem Petersdom in Rom.

Was Pflüger im Frühjahr, als er noch Fraktionsvorsitzender war, begonnen hatte – Kontakte zum Vatikan aufzubauen, um das Volksbegehren für den Religionsunterricht zu unterstützen – soll nun seinen Höhepunkt finden. Der deutsche Papst weiß, worum es Pflüger und dem ebenfalls auf dem Petersplatz anwesenden FDP-Fraktionschef Martin Lindner geht.

Auf der Agenda für die kurzen Gespräche nach der Generalaudienz ist das Volksbegehren für den Religionsunterricht ausdrücklich vermerkt. In den vergangenen Tagen gab es auch noch Telefonate mit deutschen Bischöfen zu diesem Thema. „Das ist eine sehr wichtige Initiative“, sagt dann Benedikt XVI. zu Pflüger und Lindner. Er wünsche dem Engagement für den Religionsunterricht alles Gute.

An Lindner, der als FDP-Fraktionschef vorgestellt wird, sagt der Papst etwas verwundert: „Auch die FDP ist dabei?“ Lindner bejaht die Frage und strahlt. Der Papst lächelt ebenfalls. Pflüger, der seine Familie mitgenommen hat, spricht das Kirchenoberhaupt auch noch auf die möglicherweise geplante Reise im Frühjahr 2009 in die deutsche Hauptstadt an. „Wir würden uns freuen, wenn wir Ihre Heiligkeit in Berlin begrüßen dürften“, sagt Pflüger. Darauf sagt der Papst nichts Konkretes. Er verabschiedet sich nur mit einem „Grüßen Sie mir Berlin.“

Pflüger überreicht noch schnell einen KPM-Bären aus edlem Porzellan – im Namen der CDU-Fraktion. Dann schenkt Pflüger dem Papst noch ein Bild aus dem Jahr 1780, das den heiligen Benedikt darstellt. Benedikt XVI. wiederum segnet Pflügers Kinder und lässt durch Mitarbeiter Rosenkränze aushändigen. Dann ist der große Moment für Pflüger und Lindner vor – und sie haben das erhalten, was sie sich erhofft hatten: eine klare Unterstützung für das Volksbegehren zur Stärkung des Religionsunterrichts in Berlins Schulen.

Ob der Papst sich so deutlich zu dem Thema positionieren würde, war bis zum letzten Moment unklar. In einem vorbereitenden Gespräch mit einem Vertreter des Vatikans hatte es noch geheißen, dass Pflüger und Lindner abwarten müssten, ob und wie der Papst sich äußern werde. So hatten die beiden Politiker mit Spannung die Generalaudienz vor 20.000 Menschen verfolgt, hatten miterlebt, wie der Papst in der ersten Audienz auf dem Petersplatz seit seiner Rückkehr aus der Sommerresidenz Castelgandolfo die einzelnen Pilgergruppen in ihren Landessprachen begrüßt hatte.

In der ersten Reihe, an der Seite der Papstbühne sitzenden verfolgten die beiden Berliner, welche Sympathie dem deutschen Papst entgegenschlug. Immer wieder schalten „Benedetto, Benedetto“-Rufe über den Petersplatz. Der Papst winkte den einzelnen Pilgergruppen bei ihrer namentlichen Erwähnung zu. Besonders viele Deutsche waren an diesem Mittwoch anwesend. So erhielt der Papst Applaus von Reisegruppen aus Bayern, Essen, Krefeld, Köln und Paderborn. Pflüger und Lindner mögen sich an die Fan-Meile in Berlin erinnert gefühlt haben. Denn immer wenn einzelne Gruppen begrüßt wurden, schwenkten sie Fahnen, jubelten dem Papst zu oder fingen gar an zu singen.

Für die beiden Berliner Politiker ist es das erste Mal, dass sie den deutschen Papst persönlich treffen. Lindner hatte Joseph Ratzinger in seiner Jugend gesehen. Damals war Ratzinger Erzbischof von München. Pflüger wiederum hatte zwar Johannes Paul II., den Vorgänger Benedikts XVI. viermal gesehen und Rom schon mehrmals – unter anderem mit Richard von Weizsäcker bereist. Doch das 265. Kirchenoberhaupt in der Geschichte des Papsttums traf er an diesem Mittwoch zum ersten Mal. Umso mehr freuten sich die beiden Politiker, dass sich Benedikt relativ viel Zeit für sie nahm – immerhin standen noch Dutzend andere Menschen in der ersten Reihe der Generalaudienz, die den Papst noch persönlich begrüßen wollten.

Ihr Anliegen, Unterstützung im Vatikan für das Volksbegehren zum Religionsunterricht zu bekommen, konnten Pflüger und Lindner auch wenig später vortragen, nachdem sie durch den Donasus-Hof in den dritten Stock des Seitenflügels gelangt waren. Dort residiert das Staatssekretariat, sozusagen das Außenministerium des Vatikan. Gleich zu Beginn des Gesprächs mit Erzbischof Dominique Mamberti, dem Sekretär für die Beziehungen zu Staaten – also dem Außenminister des Papstes – sprach Pflüger den Religionsunterricht in Berlin an. Das sei das „fundamentale Recht der Familien, Religionsunterricht in den Schulen zu erhalten“, sagte der Erzbischof und verwies auf die Unterstützung, die das Volksbegehren auch von Seiten der Deutschen Bischofskonferenz erhalten habe.

Erzbischof Mamberti betonte auch die besondere Rolle, die die Religion bei der Integration von Ausländern in Deutschland und anderen Staaten ausüben kann. Deswegen sei es wichtig, eine Möglichkeit für einen Religionsunterricht in der Schule zu haben. Lindner berichtete anschließend, dass seine Tochter als einzige in der Klasse noch in den Religionsunterricht geht. Der liegt nämlich weil er freiwillig ist, in den Nachmittagsstunden, während der verpflichtende Ethikunterricht, zu dem alle Schüler ab der siebten Klasse gehen müssen, in den Vormittagsstunden liegt. Als Lindner erzählte, dass viele Jugendlichen statt zum nachmittäglichen Reli-Unterricht eher ins Schwimmbad gehen, lächelte der Erzbischof. Auch deswegen sei es wichtig, dass Religionsunterricht gleichberechtigt zum Ethikunterricht angeboten wird, sagt Pflüger.

Bei einem Blick von einer Terrasse verwies Erzbischof Mamberti auch das neue, ökologische Vorzeigeprojekt des Vatikans. Denn zurzeit wird die Audienzhalle Paolo XI. mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet, die im Jahr 310.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert und damit den CO2-Ausstoß des Vatikans um 315 Tonnen senkt. Da merkte Pflüger auf. Der CDU-Politiker setzt sich für mehr Solar-Anlagen in Berlin ein. Doch an diesem Tag sollte die Worte des Papstes zum Religionsunterricht die alles überstrahlende Botschaft sein.

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