Einigung

Die Wannsee-Terrassen können bald zurückkehren

Am Wannsee könnte bald wieder getafelt und getanzt werden. Ein Investor will die legendären Wannsee-Terrassen errichten und einigte sich nun mit dem Senat. Lange war darüber gestritten worden, wann und unter welchen Umständen das Lokal wieder abgerissen wird – obwohl es doch noch gar nicht wieder aufgebaut ist.

Die legendären Wannsee-Terrassen können wieder aufgebaut werden: Nach jahrelangem Streit um das 2001 abgebrannte Ausflugslokal haben sich das Land und Investor Harald G. Huth auf die Rahmenbedingungen geeinigt. Damit kann der Bezirk nun die Baugenehmigung erteilen.

Konkret ging es in dem Streit darum, wann der Neubau am Wannseebadweg abgerissen werden müsse, sollte er nicht als Lokal genutzt werden. Für den Fall, dass sich kein Pächter findet und das Haus leer steht, war im Vorfeld von einem Abriss nach zwei Jahren die Rede. Diese Forderung ist vom Tisch. "Das Verfahren endete in einem Vergleich", sagt Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatsbauverwaltung. Man habe sich bei der Rückbauverpflichtung großzügiger gezeigt. Eine konkrete Jahreszahl nannte sie aber nicht. Investor Harald G. Huth will sich zum Verfahren nicht äußern.

Der Streit über den Abriss eines Gebäudes, das noch nicht einmal wieder aufgebaut wurde, klingt absurd, ist aber aus der Geschichte heraus zu verstehen. Das Ausflugslokal mit dem typischen Reetdach war 1937 errichtet worden. Erst später wurde das 9000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem sich die Wannsee-Terrassen befinden, zum Wasserschutzgebiet erklärt.

Aus naturschutzrechtlichen Gründen darf in diesem Gebiet nicht gebaut werden. Bereits vorhandene Bauten genießen Bestandsschutz, solange sich ihre Nutzung nicht ändert. Nachdem das Ausflugslokal am 25. Dezember 2001 aufgrund eines Kabelbrandes bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, musste für den Wiederaufbau des Gartenlokals eine naturschutzrechtliche Befreiung beantragt werden. Diese wollte das Land nur unter der Bedingung erteilen, dass der Neubau wieder als Gaststätte der Öffentlichkeit zur Verfügung stünde. Der Liegenschaftsfonds hat das Grundstück mit dieser Auflage an Harald G. Huth verkauft. Der Investor will das Lokal wieder aufbauen und verpachten. Sollte das nicht funktionieren, müssen die Wannsee-Terrassen nach der im Vergleich festgelegten Zahl an Jahren abgerissen werden. Eine private Nutzung ist ausgeschlossen.

Nach der Einigung ist der Bezirk am Zug. "Wir befinden uns auf der Zielgeraden, um die Baugenehmigung zu erteilen", sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Noch fehle die Stellungnahme der Berliner Forsten. "Wir werden der Genehmigung keine Hürden in den Weg legen", sagt Marc Franusch, Sprecher der Forsten. Man sei mit dem Bezirk auf einer Linie.

Nach Informationen dieser Zeitung hat sich an den ursprünglichen Plänen von Harald G. Huth nichts geändert. Der Investor, der neben anderen die Einkaufszentren "Gropiuspassagen" in Neukölln und das "Schloss" in Steglitz gebaut hat, will das Anwesen im englischen Landhausstil, umgeben von einer englischen Gartenanlage, wiedererrichten. Auf einer Breite von 100 Metern werden die Gäste den Wannseeblick genießen können. Im oberen Stockwerk entsteht eine Wohnung, die der Pächter des Gartenlokals nutzen kann.

Die Wannsee-Terrassen zählten einst zu den beliebtesten Ausflugslokalen im alten West-Berlin. Bereits in den Fünfzigerjahren musste das Lokal nach einem Brand wieder hergestellt werden.

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