Kultur

Wo Nofretete in Gips gelegt wird

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Ein Tipp etwas abseits der Kultur-Leuchttürme rund ums Schloss Charlottenburg ist die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin, gegründet 1819. Im Haus an der Sophie-Charlotten-Straße 17–18, das 1891 bezogen wurde, gibt es Abgüsse aus allen Kunstepochen.

Von der Ur- und Frühgeschichte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts – und 7000 Formen sind im Besitz die Gipsformerei Berlin. Nach eigenen Angaben der weltweit größte Formbestand von Kunstwerken aller Weltkulturen – und zwar in Originalgröße.

Die Hochkulturen des Altertums, Ägyptens, des alten Orients, Griechenlands und Roms sind ebenso vertreten wie die Kulturen Vorder- und Hinterindiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Nicht nur Museen, auch Sammlern steht der gewaltige Bestand zur Anfertigung einer Replik offen. Für Nofretete beträgt die Lieferzeit allerdings sechs bis acht Monate. Weiß kostet sie 450 Euro, bemalt 1150 Euro.

Den Beschäftigten in den Werkstätten der Gipsformerei können Interessierte an jedem 1. und 3. Mittwoch des Monats bei Führungen über die Schulter schauen. Sie sind kostenlos, beginnen jeweils um 10 Uhr und dauern etwa eine Stunde. Der Verkaufs- und Ausstellungsraum (Tel: 326 76 90) ist geöffnet: montags bis freitags 9 bis 16 Uhr; mittwochs 9 bis 18 Uhr.

Das Quartier rund um das Schloss verzeichnet seit der kürzlichen Eröffnung der Ausstellung mit surrealistischer Kunst im umgebauten östlichen Stülerbau und im Marstall besonders regen Zulauf. Das neue Café nutzen viele Besucher gern für eine Pause, bevor sie dann zur Schlossbesichtigung oder den anderen Museen aufbrechen. Dort, wo bis 2005 Nofretete im Ägyptischen Museum residierte, ist jetzt die Privatsammlung Scharf-Gerstenberg zu besichtigen (Surreale Welten, Schloßstraße 70, dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr). Das Spektrum der Künstler reicht von Giovanni Battista Piranesi und Francisco de Goya bis zu Salvador Dalí, René Magritte, Max Ernst und Jean Dubuffet.

Wenn die Sammlung Berggruen, die gegenüber im westlichen Stülerbau beheimatet ist, sich wie beabsichtigt ins Nachbarhaus am Spandauer Damm ausweitet, wird eine weitere attraktive Adresse hinzukommen. Die Schau präsentiert seit 1996 Werke der klassischen Moderne. Picasso steht mit mehr als 100 Exponaten im Zentrum, weitere Schwerpunkte bilden Werke von Paul Klee und Henri Matisse.