Historische Straßenlaternen

Berliner Gasleuchten-Technik für Prag

Während in Berlin die alten Gaslaternen verschwinden, setzen Städte wie Prag oder Warschau auf das besondere Flair der historischen Leuchten. Auf der berühmten Prager Karlsbrücke ersetzt die Mariendorfer Firma Braun Schaltgeräte & Service die Elektro- durch Gasleuchten.

Foto: Sven Lambert / Lambert

Während in Berlin die alten 44.000 Gaslaternen aus Kostengründen nach und nach ausrangiert werden sollen, setzen Städte in Osteuropa mit neuer Technik auf die Wirkung des goldgelben Lichts. Die 2001 gegründete Berliner Licht-Firma Braun Schaltgeräte & Service ist mit ihrem Know-how für Städte wie Prag und Warschau ein interessanter Partner. So ist sie beispielsweise gerade an dem Austausch der Elektro- gegen 160 Gasleuchten auf der berühmten Prager Karlsbrücke beteiligt.

Die neuen Leuchten wurden in der tschechischen Hauptstadt entwickelt, die Technik im Innern lieferte jedoch das darauf spezialisierte Mariendorfer Unternehmen, das großzügige Räume in alten Industriebauten auf dem Gasag-Gelände an der Lankwitzer Straße 45-54 nutzt. Für die Beleuchtung des Wahrzeichens über der Moldau hat Firmenchef André Braun auch alte Bauteile neu entworfen. Denn in der Weihnachtszeit, so haben es die Prager Stadtväter geplant, sollen "Nachtwächter" die Gasleuchten wie früher von Hand ein- und ausschalten - für Touristen ein sehenswertes Schauspiel.

Altes Handwerkskönnen mit moderner industrieller Herstellungstechnik kombinieren: Das ist der Leitgedanke der Firma. Sie stellt mit Robotertechnik und Laseranlagen moderne Leuchten her, setzt dabei aber auch auf das Können von erfahrenen Handwerkern. Rund eine Million Euro hat Firmenchef Braun nach eigener Auskunft in die moderne Technik mit computergestützter Fertigung investiert.

Für die Prager Altstadt, auch dort werden gerade neue Gasleuchten installiert, liefert Braun ebenfalls die Einsätze. Zudem wird der Krönungsweg bis zur Burg mit Gasleuchtentechnik von Braun ausgestattet. Bis Ende 2008 wird die Metropole rund 500 Gasleuchtenaufgebaut haben.

Auch in Warschau werden nach und nach die alten Gasleuchten restauriert. Braun will in seinen Berliner Werkstätten den polnischen Leuchtentyp zudem nach historischem Vorbild neu anfertigen. Das Tüfteln am Computer für den Nachbau macht ihm großen Spaß. Der "Typ Warschau" ist kurz vor der Serienreife.

Blendende Geschäftsentwicklung

"Unsere geschäftliche Entwicklung ist blendend. Der Jahresumsatz liegt mittlerweile bei rund drei Millionen Euro", freut sich der Firmenchef. Der Betrieb beschäftigt mittlerweile 30 Mitarbeiter.

Die Beschäftigten sind auch für die Wartung eines Großteils der Berliner Gaslaternen zuständig. Die Firma Nuon, die sich im Auftrag des Senats um das Berliner Straßenlicht kümmert, ist einer der größten Auftraggeber für die Firma Braun, die für Wartung und Reparatur von 34.000 der 44.000 Berliner Gasleuchten verantwortlich ist.

Im Jahr produziert Braun in seinen Werkstätten in Mariendorf rund 3000 neue Gaslaternen, die in ganz Europa verkauft werden. Er sei damit vermutlich einer der größten europäischen Gasleuchtenproduzenten, vermutet der 41-jährige Berliner, der 1988 in der Beleuchtungsabteilung der Gasag an der Torgauer Straße in Schöneberg begann. Als die Gasag 2001 nach 153 Jahren nicht mehr für Betrieb und Instandhaltung der Beleuchtung zuständig war, machte sich der Industriemeister mit Spezialisierung Elektrotechnik selbstständig.

Die Zukunft gehört dem LED-System

Braun ist ein Kenner der Berliner Gasleuchten. Deren Typen und Verteilung sind auf einer Karte in seinem Büro dokumentiert. Der häufigste Typ - etwa 30.000 Stück - ist noch in vielen Berliner Ortsteilen im Einsatz. Es handelt sich um die schlichte Haubenleuchte "U 7" aus den 20er-Jahren. "Ein Hightech-Produkt der damaligen Zeit mit einfacher robuster Technik, das das schönste Licht der Welt liefert. Die Berliner Gasbeleuchtung ist die modernste der Welt", schwärmt Braun. Das Design sei ein Beispiel der klassischen Moderne aus Berlin.

Einziger Nachteil: Es müsse viel Energie für die Lichterzeugung aufgewendet werden, das mache die Gasbeleuchtung angreifbar. Vergessen werden dürfe aber nicht, dass die Gasleuchte gegenüber Elektrobetrieb viele Vorteile mit sich bringe: So sei sie auch mit Biogas zu betreiben und fast vollständig recycelbar. Ein mit Solarenergie betriebenes Schaltgerät mit einem Lichtsensor schaltet die Leuchte abends ein. Das Gas wird mit elektronisch erzeugten Funken gezündet. Gaslicht sei außerdem insektenfreundlich.

Der Industriemeister ist aber nicht nur Nostalgiker, sondern auch begeistert von den Möglichkeiten neuer Technologien. Er will vorne in der Entwicklung der Elektroleuchten mitmischen. "Die Zukunft gehört den LEDs, die Brillanz auf die Straße bringen werden", ist sich Braun sicher. Er hofft, bereits im ersten Quartal 2009 ein funktionierendes LED-Straßenleuchten-System auf den Markt zu bringen. Der Clou: Verwendet werden sollen LEDs, die ein ähnlich goldgelbes Licht hervorbringen wie die Gasleuchten - nur wesentlich heller.

"Vielleicht wäre der Senat also gut beraten, statt jetzt Gas- gegen Elektroleuchten mit konventionellen Leuchtmitteln auszutauschen, diesen Technologieschritt noch abzuwarten. Die LED-Lampen leuchten 50.000 Stunden, die jetzigen Gasglühkörper halten 4000 Stunden und die Elektrolampen im Schnitt 16.000 Stunden", so Braun. Die LED-Leuchte könnte nach seiner Ansicht die Betriebs- und Wartungskosten deutlich reduzieren. Er ist aber auch von der Lichtwirkung überzeugt: "Wir können angenehme Räume für Fußgänger und Autofahrer gleichermaßen schaffen - weißes Licht für den Straßenverkehr, goldgelbes für den Fußgängerbereich. Aus einer Leuchte."

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