O2 Arena

Anschutz-Chef Kornett eröffnet die O2 Mega-Halle

In 10 Tagen wird die Mega Halle O2 Arena eröffnet. Für 17.000 Zuschauer bietet sie überdachten Raum. Detlef Kornett ist der Mann, der maßgeblich dafür gesorgt hat, dass die größte Konzert- und Sporthalle Berlins am Ostbahnhof in Friedrichshain gebaut wurde. Der 45-Jährige ist Europa-Chef der Anschutz Entertainment Group (AEG). Mit ihm sprach Isabelle Jürgens.

Berliner Morgenpost: Herr Kornett, warum hat es so lange gedauert, bis Berlin eine Großhalle bekommt?

Detlef Kornett: Um so ein Projekt anzugehen, bedarf es eines entschlossenen Bauherren, der bereit ist, sein Geld langfristig zu investieren und der außerdem noch die Bereitschaft mitbringt, sich auf die in Berlin herrschende Planungskultur mit ihren Genehmigungsverfahren und politischen Abstimmungsprozessen einzulassen. Bei den anderen Projektentwicklern fehlte offenbar das ein oder andere Element.

Berliner Morgenpost: Das klingt so, als ob Bauen in Berlin kein Vergnügen ist …

Detlef Kornett: Nein, das will ich damit nicht sagen, zumal wir für Berliner Verhältnisse mit ungeheurer Geschwindigkeit gebaut haben – 30 Monate Planungsprozess plus zweijährige Bauzeit. In London mit „The O2“ hat die Planungsphase 24 Monate gedauert, letztlich kein enormer Unterschied. Wir wussten ja auch, worauf wir uns in Berlin einlassen. Schließlich handelt es sich hier nicht um ein Gebäude irgendwo auf der grünen Wiese, sondern um einen ehemaligen Güterbahnhof mitten in der Stadt. Das ist natürlich eine komplexe Thematik.

Berliner Morgenpost: Wie sehen Ihre weiteren Planungen für das 21 Hektar große Areal aus?

Detlef Kornett: Geplant ist ein Stadtviertel mit einer Mischung aus Arbeiten, Wohnen und Entertainment. Wir führen derzeit eine Reihe von aussichtsreichen Gesprächen mit Interessenten. Für bestimmte Baugrundstücke haben wir außerdem ein Bieterverfahren durchgeführt. Wir sind uns sicher, dass die O2 World nicht mehr lange allein dort stehen wird.

Berliner Morgenpost: Hat der Bürgerentscheid gegen die Bauvorhaben des Entwicklungsgebietes Mediaspree, zu dem die O2 World auch gehört, Ihre aktuellen Planungen beeinflusst?

Detlef Kornett: Wir haben den Bürgerentscheid mit Sorge beobachtet, weil er im Kern völlig undifferenziert ist. Wir haben mit unserem Projekt eine Planungsphase mit frühzeitiger Bürgerbeteiligung durchlaufen. Daraus ist der Bebauungsplan entstanden, der zu dem Ergebnis eines 1,7 Hektar großen öffentlichen Spreeparks mit Bootsanleger geführt hat. Vor diesem Hintergrund gehen wir nun davon aus, dass wir den Bebauungsplan auch weiter umsetzen können. Die Kernforderung nach einem öffentlich zugänglichen Ufer, wie sie die Initiative stellt, haben wir längst geschaffen.

Berliner Morgenpost: Aber Sie planen doch gleich mehrere Hochhäuser, die der Bürgerentscheid ausdrücklich verhindern will?

Detlef Kornett: Es stimmt, wir haben Baurecht für einige Hochhäuser, das wir uns mit der Ausgleichsmaßnahme des Spreeparks geschaffen haben. Es gibt für uns also gar keinen Grund, davon abzurücken.

Berliner Morgenpost: Die Initiative „Mediaspree versenken“ sieht das anders und hat Protestaktionen zur Eröffnungsfeier angekündigt. Wie reagieren Sie?

Detlef Kornett: Ich nehme das Demonstrationsrecht sehr ernst, das ist schließlich ein Grundrecht. Die Polizei wird demnächst auf uns zukommen, um den Ablauf zu klären. Ich mache aber umgekehrt das Angebot, am 10. September mit allen zu feiern, es wird ein großes Fest mit Feuerwerk, Licht- und Musikshow. Ich wünsche mir, dass das Fest integrative Wirkung hat und sich jeder selbst ein Bild von uns als neuen Nachbarn macht. Ab 1. September findet auch einen Monat lang das Ramadanfest auf einer 10000 Quadratmeter großen Freifläche statt, ein buntes Fest, das in Zusammenarbeit mit der türkischen Botschaft ausgerichtet wird.

Berliner Morgenpost: Sind Sie zufrieden mit der Haltung des Senats in dieser Sache?

Detlef Kornett: Ich finde es gut, dass sich die Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer, Wirtschaftssenator Wolf und auch der Regierende Bürgermeister Wowereit jetzt für das Projekt ausgesprochen haben. Vielleicht war der Zuspruch vorher nicht hörbar genug.

Berliner Morgenpost: Während der Bauphase ist es wiederholt zu Vandalismus gekommen. Berlins Polizeipräsident hat davor gewarnt, dass die O2 World mit anderen Projekten der Mediaspree in den Fokus der autonomen Szene der Stadt gerückt sei. Gibt es da weiterhin Probleme?

Detlef Kornett: Nein, und zwar in erster Linie deshalb, weil wir einen Wachschutz engagiert haben. Graffiti und andere Sachbeschädigungen sind aber generell ein Problem in Berlin. Das tritt zwar auch in London auf, wo die Kriminalitätsrate insgesamt viel höher ist, aber längst nicht so flächendeckend wie in Berlin. Zudem haben wir beobachtet, dass mit dem Baufortschritt unsere Akzeptanz gestiegen ist.

Berliner Morgenpost: Wie das?

Detlef Kornett: Weil die Leute jetzt selbst sehen können, wie gut unsere Arena geworden ist und welche tollen Events wir mit ihr nach Berlin holen. Das ist schließlich unser überzeugendstes Argument. Zu dem Versprechen, innerhalb der kommenden drei Jahre 300 sportliche und musikalische Top-Veranstaltungen auszurichten, stehe ich.