Möbelwagen angezündet

Bei Lisa und Gyde sieht es bald wieder schick aus

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Gianna Hermann

Die beiden Hamburger Medizinerinnen, die nach dem Brandanschlag auf ihren Umzugswagen ihr Hab und Gut verloren haben, dürften ihren Frieden mit der neuen Heimatstadt gemacht haben. Viele Berliner beschenkten die jungen Medizinerinnen, damit sie wieder auf die Beine kommen können.

„Der sieht fast genau so aus wie mein alter Schrank.“ Mit strahlenden Augen schiebt Lisa B. die Tür des weißen Kleiderschranks zurück, streicht mit der Hand über die Regalbretter und begutachtet freudig den Stauraum der Schubfächer. Der fabrikneue Schwebetürenschrank wird schon bald in ihrem Zimmer in Friedrichshain stehen.

Ihre eigenen Möbel verbrannten in dem Umzugstransporter, mit dem sie am vergangenen Freitag zusammen mit ihrer Freundin Gyde S. von Hamburg nach Berlin gezogen war. Das Möbelhaus Hübner bot den beiden Medizinerinnen sofort seine Hilfe an. Einkaufsleiterin Renate Peschel berührte die traurige Geschichte der Studentinnen: „Es tat mir sehr leid, dass die beiden einen so schlechten Start in Berlin hatten. So eine üble Geschichte passiert ja wirklich nicht alle Tage.“ Hübner lud die Studentinnen daher ein, sich neue Möbel auszusuchen. Zusammen mit Marketing-Leiter Heiko Bartels schlenderten Lisa und Gyde durch die Ausstellungsräume des Möbelhauses und entschieden sich neben dem neuen Schrank für eine weiße Couch-Garnitur und einen Wohnzimmer-Tisch. „Die Resonanz der Hilfsangebote ist überwältigend. Wir wissen gar nicht, wie wir den Berlinern danken können“, sagt Gyde.

Gestern Abend waren sie und Lisa zudem bei einem Arzt eingeladen, der seine Praxis aufgelöst hat und den beiden einige Fachbücher schenkte. „Außerdem habe ich sein altes Stethoskop bekommen. Das ist echt genial“, freut sich Gyde.

Heute besuchen die beiden das Elektrofachgeschäft East and West Electronics in Friedrichsfelde, das ihnen bereits eine Waschmaschine und einen Fernsehapparat zukommen ließ. „Die Mitarbeiter waren unheimlich nett und boten gleich an, uns die Möbel in die Wohnung zu tragen.“ Danach dürfen sie sich in der Universitätsbuchhandlung Schleichers in Dahlem jeweils ein Fachbuch aussuchen. Die Sorge um die verbrannten Medizin-Bücher bereitet den beiden immer noch Kopfzerbrechen. Ihren Wert schätzt Lisa auf rund 2000 Euro.

Jobben für das Studium

Um sich ihr Studium zu finanzieren, hat sie jahrelang gejobbt. Sie arbeitete in der Nachtwache eines Hamburger Pharma-Unternehmens und als Service-Kraft einer Catering-Firma. Hier lernte sie den Freund kennen, der ihr den firmeneigenen Transporter für den Umzug in die Hauptstadt zur Verfügung stellte. Das Firmenlogo auf dem Wagen provozierte den oder die Brandstifter offenbar zu dem Anschlag: Zuletzt gingen in Oranienburg zwei ähnliche Wagen in Flammen auf; die Täter werden dem linksextremen Spektrum zugerechnet.

Auf die Frage, was sie noch dringend benötigen, winken Lisa und Gyde ab: „Wir haben jetzt schon so viele Spenden erhalten. Langsam haben wir ein schlechtes Gewissen“, so Gyde. An die Kosten für neue Kleidung wollen sie nach den positiven Erlebnissen der vergangenen Tage nicht denken: „Das bekommen wir schon zusammen.“