Uefa Cup

Trainer Favre träumt schon vom AC Mailand

Wegen Popstar Madonna müssen die Herthaner in den Jahnsportpark umziehen und dort gegen NK Interblock Ljubljana antreten – sehr zum Verdruss von Lucien Favre. Denn auch der Trainer träumt von internationalen Kulissen, vom Uefa Cup zum Beispiel...

Foto: ddp / DDP

Die große Bühne ist besetzt. Von Madonna, der Ikone des Pop. Statt Hertha BSC spielt sie Donnerstagabend im Olympiastadion, die Arena ist seit Wochen ausverkauft. Für die Fußballspieler des Berliner Bundesligisten bleibt nur der Jahnsportpark als Ausweichort. Sehr zum Verdruss von Lucien Favre: „Natürlich spielen wir lieber im Olympiastadion.“

Denn auch er, der Trainer, träumt von internationalem Flair und großen Kulissen. Heute Abend ist es im Rückspiel der zweiten Qualifikationsrunde zum Uefa Cup jedoch nötig, in den Jahnsportpark auszuweichen. Und selbst das zweitgrößte Berliner Fußballstadion wird gegen NK Interblock Ljubljana mit erwarteten 12.000 Besuchern längst nicht ausverkauft sein.

Ein wenig anormal ist die Situation schon: Alle wollen in den Uefa Cup, das Erreichen des Hauptfeldes des kleineren der europäischen Klubwettbewerbe ist das Ziel. Der Weg dorthin jedoch ist lästig. Die Gegner sind wenig prominent, die Spiele gegen unattraktive Gegner aus Osteuropa pure Pflichterfüllung. Doch Besserung ist in Sicht: Nach dem 2:0 im Hinspiel wähnt Favre Hertha „zu 80 Prozent“ für die erste Hauptrunde qualifiziert.

Eine Gefahr sieht er nicht im Gegner, sondern in der eigenen Mannschaft; besser: der Einstellung. „Wir sind noch einmal klarer Favorit. Wenn wir seriös spielen, kommen wir weiter“, sagt er. Mehr als Sloweniens mit reichlich Problemen beladenen Pokalsieger Ljubljana fürchtet Favre den FC Bayern München – den Gegner im Bundesliga-Spiel am Sonntag. Am deutschen Doublegewinner ist – vom Stadion angefangen – „alles speziell“, so Favre.

Vor dieser reizvollen Aufgabe wird er die weit weniger prestigeträchtige Partie heute zu Experimenten nutzen. Lennart Hartmann, Herthas mit 17 Jahren jüngster Bundesliga-Profi der Geschichte, „hätte gespielt“ – zog sich jedoch eine Zerrung im Adduktorenbereich zu. Dafür darf der gleichaltrige Shervin Radjabali-Fardi auf eine Chance von Beginn an hoffen; eine unter der Woche erlittene Schulterblessur ist rechtzeitig abgeklungen. Auch Innenverteidiger Josip Simunic, der gegen Bielefeld nur auf der Bank saß, wird wohl zum Einsatz kommen. Wann immer er kann, wird Favre künftig eine sanfte Form der Rotation betreiben. Erreicht Hertha die Gruppenphase im Uefa Cup, dann – rechnet der Trainer vor – hätten Nationalspieler inklusive der Einsätze mit ihren Nationalteams bis Weihnachten 35 Pflichtspiele zu bestreiten. „Das bedeutet: alle vier Tage ein Spiel.“

Noch sind die Bühnen eher klein, doch bei Hertha reifen die Träume von Spielen gegen Europas Topklubs. „Der AC Mailand“ wäre Favres Wunschgegner in der ersten Hauptrunde. Zum Duell mit dem Tabellenfünften der vergangenen Saison der italienischen Serie A, dem siebenmaligen Gewinner des Landesmeister-Wettbewerbs, kann es aber frühestens in der Gruppenphase kommen. Wäre Favre auch recht: „Dann müssen wir die eben erreichen.“ Klingt ganz einfach.