Schulanfang

Senator Zöllner findet alle Schulen "gut ausgestattet"

Bildungssenator Jürgen Zöllner blickt optimistisch auf das am Montag beginnende neue Schuljahr. Er ist sich sicher, dass alle Berliner Schulen personell zu 100 Prozent ausgestattet sind. Schließlich wurden mehr als 800 Lehrer neu eingestellt. Das sieht die Opposition jedoch anders.

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Das neue Schuljahr wird weit besser starten, als das im vergangenen Jahr der Fall war. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) jedenfalls ist fest davon überzeugt. „Ich gehe davon aus, dass alle Schulen 100 Prozent der nötigen personellen Ausstattung haben“, sagte er mit Blick auf den Schulstart am kommenden Montag. Mit 816 Lehrern seien mehr als doppelt so viele neu eingestellt worden wie nötig. 140 davon für die Vertretungsfeuerwehr. Außerdem seien fast 200 zusätzliche Erzieherstellen besetzt worden.

Sprachförderung bleibt unzureichend

Die Bildungsexperten der Oppositionsfraktionen von CDU, FDP und Grünen sind anderer Meinung. „Es besteht die Gefahr, dass die 140 Pädagogen der Vertretungsfeuerwehr nicht ausreichen und für viele Schulen alles beim Alten bleibt“, sagte Sascha Steuer, bildungspolitischer Sprecher der CDU.

Auch Özcan Mutlu (Grüne) äußerte sich diesbezüglich skeptisch: "Gerade die Schulen in Problembezirken oder mit einem hohen Migranten-Anteil klagen über massive Einschnitte, vor allem beim Personal.“ Vertreter der Lehrergewerkschaft GEW forderten eine Lehrerausstattung von 103 Prozent. „Einige Schulen mussten schon jetzt auf die Lehrerfeuerwehr zurückgreifen, um einigermaßen gut starten zu können“, sagte Peter Börtzler, stellvertretender GEW-Vorsitzender.

Die 819 öffentlichen und privaten Berliner Schulen erwarten an diesem Montag knapp 324.000 Schüler– das sind gut 4000 weniger als im vergangenen Schuljahr. Für den Unterricht stehen rund 29.500 Lehrer bereit.

Mit Blick auf den wachsenden Konkurrenzkampf der Bundesländer um gut ausgebildete Lehrer sagte Zöllner, Berlin habe bislang keine Probleme, Stellen zu besetzen. „Wir konnten lediglich nicht alle Fächer so besetzen wie wir wollten.“ Engpässe gebe es bei Latein, Mathematik, Physik und Englisch.

Mieke Senftleben, bildungspolitische Sprecherin der FDP, warnte vor Unterrichtsausfall. „Wenn nicht genügend Fachkräfte für die so wichtigen Fächer Mathematik, Physik und Sprachkombinationen gefunden wurden, dann müssen Einstellungen künftig eben auch von außen erfolgen“, forderte sie.

Auch Oberschulrat Gerhard Schmid vom Bund Freiheit der Wissenschaft, äußerte sich kritisch über die Personalausstattung der Schulen. Die läge in fast alle Bezirke unter 100 Prozent. Schmid bezeichnete vor allem die Erzieherausstattung als pädagogische Katastrophe. Teilzeitstellen seien zwar auf volle Stellen aufgestockt worden. In der Kernzeit zwischen 13.30 Uhr und 16 Uhr fehle es vor allem an offenen Ganztagsschulen an Personal. „An vielen Schulen wird ein Erzieher in während der Kernzeit deutlich mehr als 20 Kinder betreuen müssen“, so Schmid. Elternproteste seien vorprogrammiert.

Wie es an den Berliner Schulen tatsächlich aussieht, werden die kommenden Wochen zeigen. „Ich bin optimistischer als in den Jahren zuvor“, sagte Mario Dobe, Schulleiter der Hunsrück-Grundschule in Kreuzberg und Vorsitzender des Ganztagsschulverbandes. Die Hunsrückschule starte mit der gleichen Personalausstattung wie im vergangenen Schuljahr, obwohl ihr laut neuem Lehrerzumessungsmodell weniger Lehrer zustehen würden. „Wir haben aber zusätzliche Stellen aus dem Dispositionspool für Härtefälle bekommen“, sagte Dobe.

Inge Hirschmann, Schulleiterin der Heinrich-Zille-Grundschule in Kreuzberg und Vorsitzende des Grundschulverbandes, ist hingegen skeptisch. „Wir sind zwar mit 100 Prozent ausgestattet, aber ich weiß schon jetzt, dass einige Kollegen demnächst länger krank sein werden.“ Ob die vorhandenen Erzieher ausreichen, so noch völlig unklar, fügte Hirschmann hinzu. „Wir haben noch keinen Überblick, welche Betreuungsmodule die Eltern wünschen.“