Bildungspolitik

An diesem Schuljahr muss Zöllner gemessen werden

Wenn am Montag tatsächlich alles nach Plan läuft und sämtliche Lehrer an Bord sind, die an Bord sein sollen – dazu gehören die neu eingestellten ebenso wie die alten –, dann könnte das bevorstehende Schuljahr ruhiger starten als die vergangenen Schuljahre. Dann ist mit deutlich weniger Chaos zu rechnen. Regina Köhler über neue Lehrer für Berlin und ihren Nutzen

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), der in den vergangenen Monaten immer wieder betont hat, dass erst das Schuljahr 2008/09 als „sein“ Schuljahr bezeichnet werden kann, darf also optimistisch sein. Immerhin hat er 816 neue Lehrer einstellen können, doppelt so viele wie laut Verwaltung angesichts der rückläufigen Schülerzahlen nötig wären. Dass 140 dieser Neueinstellungen allein für Vertretungszwecke reserviert sind, dürfte ebenfalls helfen, wenn es darum geht, erkrankte Kollegen zu ersetzen und Unterrichtsausfall zu vermeiden. Schließlich bleibt den Schulen obendrein die Möglichkeit erhalten, von drei Prozent ihres Personalkostenbudgets zusätzliche Vertretungslehrer einkaufen zu können.

Die Schulexperten der Opposition wollen Zöllners Optimismus dennoch nicht teilen. Sie haben bereits von Schulen gehört, die nicht zu 100 Prozent ausgestattet sind und mit Schulstart Bedarf an Vertretungskräften haben. Auch die Lehrergewerkschaft GEW ist skeptisch und fordert statt einer 100- eine 103-prozentige Ausstattung. Schulleiter fürchten sich bereits vor Krankmeldungen ihrer Kollegen. Andere halten die Zahl der Erzieher für unzureichend und sehen die Eltern schon auf den Barrikaden. Doch erst die kommenden Wochen werden zeigen, woran wir wirklich sind.

Fest steht allerdings schon jetzt, dass es noch viele Baustellen gibt, um die sich der Bildungssenator in den nächsten Wochen und Monaten unbedingt kümmern muss. Eine besonders wichtige ist die Sprachförderung von Schülern nicht deutscher Herkunft. Hier werden Neuregelungen langfristig dazu führen, dass Schulen in Problembezirken weniger Personal zur Verfügung haben als bisher. Auch wenn das in diesem Schuljahr noch durch einen Notfallpool abgefedert wird, für die Zukunft sieht es schlecht aus, wird hier nicht nachgesteuert. Um Migrantenkinder besser zu fördern, müssen außerdem viel mehr Lehrer mit Migrationshintergrund ins System. Hier ist die Bildungsverwaltung aufgefordert, eigene Konzepte zu entwickeln, statt sich auf Stiftungen zu verlassen, die Lehramtsstudenten mit Migrationshintergrund mit Stipendien fördern wollen.

Ein zunehmendes Problem wird auch die Abwanderungswelle junger, gut ausgebildeter Lehrkräfte werden. Diesbezüglich hat Berlin dem wachsenden Konkurrenzkampf unter den Bundesländern viel zu wenig entgegenzusetzen. Für viele junge Pädagogen ist der Hauptstadtfaktor allein nicht Grund genug, zu bleiben. Die Lehrer sollten deshalb nicht unbedingt wieder verbeamtet, auf jeden Fall aber besser bezahlt werden, damit sie nicht nach Hamburg, Bayern oder Baden-Württemberg gehen, wo sie derzeit deutlich mehr verdienen.