Bundesweiter Preisvergleich

In Berlin ist Wasser teuer – in Potsdam am teuersten

Schon lange beklagen sich die Berliner über immer weiter steigende Wasserpreise. Nun haben sie es erneut schwarz auf weiß bekommen. Nur in wenigen Städten ist Leitungswasser teurer. Trauriger Spitzenreiter ist Potsdam. Dort kostet Wasser einen Vier-Personen-Haushalt so viel wie nirgendwo sonst in Deutschland.

Foto: ddp / DDP

In Potsdam sollte man den Wasserhahn vorsichtig aufdrehen. Denn hier ist Leitunsgwasser bundesweit am teuersten. Fast 800 Euro muss ein Vier-Personen-Haushalt in der brandenburgischen Hauptstadt für den jährlichen Wasserverbrauch, angesetzt mit einem täglichen Wasserverbrauch von 126 Litern pro Person, zahlen. In Karlsruhe ist weniger als ein Drittel davon fällig. Berlin liegt in einer Liste der 100 Städte mit den höhesten Wasserpreisen immerhin auf Platz 91. 673,14 Euro werden hier für einen Vier-Personen-Haushalt fällig.

Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung der IW Consult in den 100 größten deutschen Städten, wie die „Bild“ berichtet.

Nur wenig günstiger als in Potsdam ist Wasser etwa im brandenburgischen Cottbus mit 727,54 Euro pro Jahr. In Wuppertal (759,08 Euro), Moers (743,36 Euro), Mönchengladbach (728,75 Euro) und Halle an der Saale (703,20 Euro) liegen die Preise ähnlich hoch. Haushalte in Ostdeutschland zahlen durchschnittlich für Abwasser 15 Prozent mehr als im Westen.

Am günstigsten ist die Wassernutzung in Karlsruhe. Dort werden einem Vier-Personen-Haushalt durchschnittlich 226,32 Euro Abwasser-Gebühren im Jahr berechnet.

Berlin drohen weitere Steigerungen

Der Leiter der Studie, Karl Lichtblau, begründete die hohen Preisdifferenzen unter anderem mit unterschiedlichen Kostenkalkulationen der zum größten Teil in kommunaler Hand befindlichen Wasserversorger. Entscheidend für die Höhe der Wasser-Gebühren seien die Kosten für Bau und Instandhaltung der Wassernetze. Wer dafür höhere Ausgaben und Zinsen veranschlage, kassiere auch höhere Gebühren.

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, hatte erst Anfang August gegenüber Morgenpost Online angekündigt, die Wasserpreise in Berlin würden 2009 voraussichtlich noch einmal in Höhe der Inflation steigen. Er begründete die hohe Wasserpreise in der Stadt auch mit hohen Kosten. Vor acht Jahren, als die Wasserbetriebe teilprivatisiert wurden – sie gehören nun zu 49,9 Prozent den Unternehmen Veolia und RWE sowie zu 50,1 Prozent dem Land Berlin –, sei ein Vertrag abgeschlossen worden, „der einen hohen Kaufpreis an das Land Berlin beinhaltete. Dafür wurden entsprechende Zusagen über die Dividende gemacht“, sagte er. „Also von daher haben wir in unseren Preisen gewisse Kosten. Darin enthalten sind auch die Gewinnabführungen an unsere Gesellschafter. Das ist im Vergleich mit anderen Kommunen in der Tat außergewöhnlich.“

Unter dem Nahmen Berliner Wassertisch hat sich in Berlin bereits ein Bündnis gegen die steigenden Preise gebildet. Im Februar übergab es der Senatsverwaltung für Inneres mehr als 38.600 Unterschriften für die Zulassung eines Volksbegehrens, notwendig gewesen wären 20.000. Die Initiative will weiter steigende Preise verhindern und fordert mehr Transparenz bei den Berliner Wasserbetrieben. Das Volksbegehren wurde jedoch vom Senat abgelehnt. Der dem Volksbegehren zugrunde liegende vorgelegte Gesetzestext verletze die im Grundgesetz und der der Verfassung von Berlin garantierten Grundrechte der privaten Anteilseigner der Wasserbetriebe, hieß es unter anderem zur Begründung.

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