Polizeipräsident

Warnung an Porsche-Fahrer hat ein Nachspiel

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch bekommt Ärger. Er warnte Porschebesitzer davor, ihre Autos in Kreuzberg zu parken, und provozierte damit eine Debatte im Abgeordnetenhaus. Für die Hersteller von Luxuswagen ist die Äußerung ein Offenbarungseid der Berliner Polizei.

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Polizeipräsident Dieter Glietsch warnte Porschefahrer davor, ihre Autos in Kreuzberg zu parken, und muss sich nun dafür im Parlament verantworten. Der Vorsitzende des Innenausschusses, Peter Trapp (CDU), bekräftigt seine Kritik. „Die Äußerungen werden in jedem Fall ein Nachspiel haben, der Innenausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung am 23.Juni mit der inakzeptablen Darstellung des Polizeipräsidenten beschäftigen.“ Zugleich wiederholte Trapp die mehrfach von der CDU erhobene Forderung nach Einrichtung einer Sonderkommission zur Bekämpfung der regelmäßigen Brandstiftungen in Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte.

Zur Vorgeschichte: Polizeipräsident Dieter Glietsch hat am Freitag in einem Interview der „tageszeitung“ (taz) auf die Frage des Reporters, was er einem Porschebesitzer in Kreuzberg raten würde, geantwortet: „Man kann ihm nur abraten, sein Auto nachts auf der Straße zu parken.“ Der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), hält die Äußerung für ziemlich unbedacht. „Auf die Straftat bezogen, müsste man auch Bezirke wie Mitte, Friedrichshain, Pankow und Spandau nennen. Die Tätergruppe ist stadtweit unterwegs.“ Außerdem seien auch andere Luxus- sowie Mittelklassewagen angezündet worden. „Daran merkt man, wie unsinnig so eine No-Parking-Bemerkung ist. Man kann umgekehrt an vielen Stellen unbehelligt parken.“

Bei der Porsche-Zentrale in Stuttgart ist Glietschs Ratschlag am Sonnabend angekommen. Ein Sprecher des Unternehmens kommentiert Glietschs Empfehlung mit folgenden Worten: „Wenn der Polizeipräsident von Berlin diese Empfehlung gibt, dann scheint es ratsam zu sein, ihr zu folgen. Auf der anderen Seite ist es bedenklich, dass solche Verhältnisse herrschen und solche Straftaten nicht verhindert werden können.“ Nach Vermutungen des Porsche-Sprechers gehe es in der Debatte nicht konkret um Porsche, sondern um die Marke, die häufig als Symbol für Luxus gesehen und als solche angegriffen werde.

Reichtum und Glamour – genau daran dürfte es in Kreuzberg mangeln. Ein neuer Porsche kostet ab 45.000 Euro aufwärts. Zum Vergleich: Das mittlere Monatseinkommen in Kreuzberg liegt bei 1175 Euro.

Gesicherter Parkplatz für den Porsche

Porschekäufer sind rar, Porschefahrer aber nicht zu bremsen. Zumindest trauen sie sich trotz Brandstiftung weiter in den Kiez. Einer derjenigen, die mehrmals wöchentlich ihren Schlitten in Kreuzberg parken, ist der Chef der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin, Thomas Lundt. „Ich habe ehrlich gesagt auch Bauchweh, wenn ich meinen Porsche in Kreuzberg parke. Aber ich stelle ihn auf dem gesicherten Parkplatz der Innung ab, deshalb passiert nichts.“ Der Kfz-Meister Lundt betreibt einen Service für Sportwagenfahrer in Alt-Schönow und betreut viele Porschefahrer. Nur einer seiner Kunden lebt auch in Kreuzberg – sein Porsche ist bereits angezündet worden, vor etwa fünf Monaten, sagt Lundt. Vor einer Woche habe der Mann sich nach einem Nachfolger erkundigt. Der Grund: „Er hat jetzt eine Garage angemietet. Wegziehen will er nicht“, sagt Lundt.

Doch nicht nur Porsches brannten in den vergangenen Monaten, auch andere hochwertige Fahrzeuge sowie Firmenwagen wurden angezündet. Die Entwicklung sieht man bei der BMW-Zentrale in München mit Sorge. Unternehmenssprecher Michael Rebstock hält entsprechend wenig von Glietschs Empfehlung. „Das kann doch nicht die Lösung sein, Das ist ein Offenbarungseid, wenn man – egal wo in Deutschland – seinen Wagen nicht mehr ordnungsgemäß am Straßenrand abstellen kann.“ Es sei Aufgabe der Polizei, die Straftäter dingfest zu machen.

Mercedes-Stern kann überall in Berlin abgebrochen werden

Kemal Sarbkaya, der seine Mercedes-Limousine am Sonnabend in Kreuzberg parkte, sieht keinen Anlass, sich Gedanken zu machen. „Ich habe 16 Jahre lang hier gewohnt, es ist nie etwas passiert. Die Äußerung vom Polizeipräsidenten halte ich für unklug.“ Und der Mercedes-Stern, der könne einem auch überall sonst in Berlin abgebrochen werden, sagt der Charlottenburger.

Benjamin Thies fährt zwar „nur“ einen Opel Kadett – dafür ist der 41 Jahre alte, feuerrote Oldtimer ein echtes Liebhaberstück. Angst hat der Reinickendorfer, der sich regelmäßig im Kiez um die Oranienstraße aufhält, trotzdem nicht. Das liegt vor allem am „leicht alternativen Touch“, den er seinem Oldtimer zuspricht. „Ich denke, es kommt auf den Stil des Fahrzeugs an.“ Es handele sich einfach um eine Gefahr, die da sei. „Und man kann nun einmal nicht neben jeden Porsche einen Polizisten stellen.“

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