Insolvenzplan

ProMarkt-Kette der Wegert-Brüder gerettet

Die Elektronikette ProMarkt wird nicht zerschlagen, sondern mit 15 Filialen fortgeführt. Die Gläubiger hätten einem entsprechenden Rettungsplan zugestimmt, sagte Insolvenzverwalter Rolf Rattunde Morgenpost Online. Künftig sollen Internet- und Ladenverkauf enger verzahnt werden.

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Die angeschlagene Elektronikhandelskette ProMarkt der Berliner Unternehmer Michael und Mattias Wegert ist gerettet. Nach Angaben von Insolvenzverwalter Rolf Rattunde haben die Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt. Die Kette wird nicht zerschlagen, sondern mit bundesweit 15 statt zuletzt 25 Filialen fortgeführt. Die verbliebenen Standorte firmieren weiter unter dem Namen MediMax. Fünf Filialen werden geschlossen, weitere fünf an ElectronicPartner (EP) verkauft. ElectronicPartner betreibt ebenfalls Elektronikmärkte unter dem Namen MediMax – unter anderem auch in Berlin – und ist Franchisegeber von ProMarkt.

Von den MediMax-Filialen in Berlin bleibt nur der Standort im Pankower „Rathaus-Center“ unter Leitung der Brüder Wegert. Der Markt in Marienfelde wird geschlossen, der in den „Gropius-Passagen“ von EP übernommen. Erhalten bleibt auch die ProMarkt-Zentrale an der Schöneberger Kolonnenstraße.

Die Gläubiger, darunter Mitarbeiter, deren Löhne nicht gezahlt wurden, Vermieter, Krankenkassen und der Pensionsverein sollen 4,5 Mio. Euro erhalten. Die Wegerts wurden zudem verpflichtet, zwei Mio. Euro in eine Kapitalerhöhung fließen zu lassen.

ProMarkt hatte im Februar wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Potentielle Gläubiger haben Forderungen von insgesamt 37 Mio. Euro geltend gemacht. Derzeit wird geprüft, ob diese berechtigt sind. „Das kann einige Wochen in Anspruch nehmen“, sagte Insolvenzverwalter Rolf Rattunde. Er rechnet damit, dass die Gläubiger bei einer Fortführung des Unternehmens eine Quote von bis zu 25 Prozent bekommen, dass also bis zu einem Viertel ihrer Verbindlichkeiten bedient werden. „Bei einer Zerschlagung hätte die Quote bei schätzungsweise vier Prozent gelegen“, so Rattunde.

Mit den Schließungen und Verkäufen schrumpft die Zahl der Mitarbeiter bei ProMarkt von 712 vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf 360. Im Fall einer Zerschlagung hätten vor allem die 66 Beschäftigten in der Zentrale um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen.

Neuer Partner von ProMarkt ist die Investorengruppe Gordon Brothers International. Sie soll die Finanzierung sicher stellen und jene Ausfallhaftung übernehmen, auf die Lieferanten bestehen, bevor sie die Märkte mit Ware versorgen. EP als Franchisegeber hatte diese Haftung im Februar überraschend gekündigt – ProMarkt stand ohne Ware da und geriet in finanzielle Schieflage.

Die Wegerts setzen nun auf ein neue Vertriebskonzept: Kunden sollen am PC zuhause oder an Rechner im Laden Waren bestellen können. So müssen weniger Produkte auf Lager bestellt werden.

Die Brüder Wegert waren in Berlin mit dem Fachgeschäft Radio Foto Wegert bekannt geworden. Vor MediMax betrieben sie die MakroMärkte und ProMärkte.

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