Evangelische Kirche

Nachfolger für Bischof Wolfgang Huber gesucht

Seit gut 14 Jahren steht Wolfgang Huber an der Spitze der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Im November 2009 endet die Amtszeit des stets präsenten Bischofs. Die Suche nach einem Nachfolger hat jetzt begonnen. Es gibt bereits Spekulationen, wer das Amt übernehmen könnte.

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In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat die Suche nach einem Nachfolger für Bischof Wolfgang Huber (66) begonnen. Zur Beratung über mögliche Nachfolgekandidaten habe inzwischen der Bischofswahlausschuss seine Arbeit aufgenommen, bestätigte die Landeskirche.

Die Amtszeit von Huber, der seit 1. Mai 1994 an der Spitze der Landeskirche steht und seit November 2003 Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, endet im November 2009. Die Landeskirche hat 1,2 Millionen Mitglieder. Auch seine Amtszeit als Ratsvorsitzender der EKD läuft 2009 ab. Ein gutes Jahr vor diesem Termin formieren sich innerhalb der Kirche bereits die verschiedenen Interessengruppen, um ihre Kandidaten ins Spiel zu bringen.

Der zur Verschwiegenheit verpflichtete Ausschuss ist für die Findung geeigneter Kandidaten zuständig. Im Gespräch für die Nachfolge Hubers sind dem "Oranienburger Generalanzeiger" zufolge die aus Berlin stammende Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Ellen Ueberschär, und der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, der Theologe Christoph Markschies.

Mehrere Kandidaten sind im Gespräch

Die Entscheidung über die Nachfolge Hubers, dessen Amtszeit als Bischof im November 2009 endet, fällt bei einer Sondertagung des Kirchenparlaments. Diese "Wahlsynode" trete voraussichtlich im Mai kommenden Jahres zusammen, teilte eine Sprecherin der Landeskirche mit, die sich zu den Spekulationen ausdrücklich nicht äußern wollte. Die Namen der Kandidaten würden auch erst am Tag des Wahlgangs bekannt gegeben, hieß es weiter. Damit will die Landeskirche, die insgesamt 1,2 Millionen Mitglieder zählt, dieses Mal von der üblichen Praxis abweichen, wonach die Kandidaten zum Teil sogar mehrere Monate im voraus benannt werden.

Ueberschär war vor ihrer Tätigkeit in der Fuldaer Zentrale des Kirchentages für zwei Amtsperioden Mitglied der landeskirchlichen Synode in Berlin und vertrat zudem die Landeskirche in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ihre Wahl entspräche der Tradition des Kirchentages als "protestantische Kaderschmiede", schreibt der "Oranienburger Generalanzeiger" mit Verweis auf die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann und die Berliner Pröpstin Friederike von Kirchbach, die beide zuvor Generalsekretärinnen des Kirchentages waren. Auch der zum Vorstand des Kirchentages zählende Pastor Jan Janssen sei im Sommer Bischof in Oldenburg geworden.

Der Theologe Markschies gilt hingegen als wichtiger Repräsentant der evangelischen Kirche an der Schnittstelle von Politik, Kirche und Wissenschaft. Zuletzt wirkte er an einer EKD-Handreichung zur Taufe mit, die im Sommer von ihm und Huber der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Aus dem Hause des HU-Präsidenten hieß es am Dienstag allerdings: "Wir bestätigen nicht, dass Herr Markschies für das Bischofsamt kandidiert."

Wie der Bischof gewählt wird

Gewählt wird der Nachfolger bei einer außerordentlichen Sitzung des Kirchenparlaments, der Sondersynode, voraussichtlich in der ersten Hälfte des kommenden Jahres. Dann sollen die Kandidaten für das Bischofsamt öffentlich genannt werden. Gewählt ist, wer zwei Drittel der 131 Stimmen auf seine Person vereinen kann. Die Amtszeit dauert zehn Jahre. Bei Huber wurde eine Ausnahmeregelung getroffen: Da er 2003 für sechs Jahre zum EKD-Vorsitzenden gewählt wurde, wurde entsprechend das Bischofsamt verlängert.

Huber ist seit 1994 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und seit 2004 auch Bischof der fusionierten Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg mit der schlesischen Oberlausitz. Aufgewachsen in Freiburg im Breisgau, studierte er evangelische Theologie in Heidelberg, Göttingen und Tübingen. Nach Promotion und Habilitation war er Professor für Sozialethik an der Universität Marburg und Professor für Systematische Theologie in Heidelberg. 1993 verzichtete Huber (von 1971 bis 1994 SPD-Mitglied) auf eine Kandidatur um ein Bundestagsmandat für die SPD. Seine Parteimitgliedschaft ruht seither.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedbert Pflüger würdigte Hubers Arbeit. "Er füllt sein Amt sehr gut aus und hat die evangelische Kirche vernehmbar profiliert." Mit seiner großen politisch-moralischen Autorität habe sich Huber zu Themen der Zeit geäußert. Pflüger verwies insbesondere auf das Engagement für den Religionsunterricht. "Herr Huber ist eine eindrucksvolle Persönlichkeit."

Die Nachfolge für Huber als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) soll Ende Oktober 2009 geregelt werden. Vom 25. bis 29. Oktober 2009 soll die Synode für die Wahl des Ratsvorsitzenden tagen. Als mögliche Nachfolgerin als Ratsvorsitzende der EKD wird immer wieder die Hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann genannt. Zuletzt, als Anfang des Jahres spekuliert wurde, dass Huber "Interesse am Amt des Bundespräsidenten" habe. Wie aus der EKD-Zentrale zu hören ist, gibt es innerhalb des Rates erhebliche Vorbehalte gegen Bischöfin Käßmann wegen ihrer kürzlichen Scheidung.