Stadtschloss

Archäologen finden Tausende Skelette

Archäologen haben auf dem Berliner Schlossplatz einen spektakulären Fund gemacht: Bei Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Stadtschlosses haben sie die Überreste von Tausenden Menschen gefunden. Die Knochen sollen nun Erkenntnisse über die Berliner im Mittelalter bringen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher will Touristen und vor allem den Berlinern den Ursprung Berlins näherbringen. Schon zu Beginn ihrer Amtszeit brach sie eine Lanze für sogenannte archäologische Fenster, die mittelalterliche Grabungsfunde in der Mitte Berlins und damit die Wurzeln der Stadt sichtbar und zugänglich machen.

Gestern kündigte sie an, dass neben diesen „archäologischen Pfaden“ durchaus auch ein Museum für archäologische Funde aus dem Herzen Berlins am Petriplatz denkbar ist. „Wir wollen die Identifikation der Berliner mit ihrer Geschichte stärken“, sagte Lüscher gestern während eines Besuchs der Grabungsfelder am Petriplatz und Schlossplatz. Dazu ist es notwendig, zunächst einmal die Spuren der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln und damit des Ursprungs Berlins sichtbar zu machen. Denn der Geburtsort der Stadt ist bislang nicht zu erkennen, verschwindet unter Verkehrstrassen, Parkplätzen oder sozialistischem Plattenbau.

Beinhaus für 2000 Leichen geplant

Seit März 2007 wird am Petriplatz, dem Gründungskern von Alt-Cölln, unmittelbar an der Kleinen Gertraudenstraße, Brüder- und Breitestraße im Vorfeld der geplanten Neugestaltung des Platzes und des Umfeldes gegraben. Von den Grabungen erhofft man sich mehr Informationen über den mittelalterlichen Ursprung Berlins und die einstige Petrikirche aus dem frühen 13. Jahrhundert und nachfolgende Kirchenbauten sowie über das einstige Rathaus am Cöllnischen Fischmarkt. Eine Ausstellung am Bauzaun informiert bereits über Geschichte und künftige Planung.

Interessante Funde kamen in den vergangenen Monaten zu Tage. Neben Tellern aus dem 18.Jahrhundert, Krügen aus dem 14. Jahrhundert, auch Überreste von mehr als 2000 Leichen. Die Gebeine gehören zu Gräbern rund um die einstige Petrikirche, die um 1200 errichtet und immer wieder überformt wurde. Der letzte Nachfolgebau von 1847 mit seinem markanten knapp 100 Meter hohen Turm wurde im Krieg beschädigt und von der DDR 1964 abgerissen.

Die Knochen sollen nun systematisch analysiert werden, um weitere Erkenntnisse über die Zusammensetzung der mittelalterlichen Bevölkerung zu gewinnen. Man wolle einen würdigen Ort finden, wo die Gebeine gelagert werden könnten, kündigte Senatsbaudirektorin Lüscher an. „Das kann ein klassisches Beinhaus auf den Fundamenten der Petrikirche sein“, schlägt Landesarchäologe Matthias Wemhoff vor. Diese Kappelle könnte neben einem Museum für die Funde auf dem Petriplatz an die Geschichte Berlins erinnern.

Noch aber sind das Überlegungen. Zunächst will man die Grabungen bis Ende 2009 abwarten, um dann einen Wettbewerb zur Platzgestaltung auszuschreiben. „Auf keinen Fall wird der Platz zugebaut. Er soll als öffentlicher Raum gestaltet werden “, so Lüscher. An seinen Rändern soll es Wohn- und Bürogebäude mit gegebenenfalls einem Museum am südwestlichen Rand des Platzes geben, dort wo die Archäologen bereits die Fundamente einer Lateinschule fanden. „Denkbar wäre auch ein vertikales Element, das an die Petrikirche erinnern soll“, sagt Lüscher. Die Funde vom Petriplatz werden ab dem 2. Oktober im Palais am Festungsgraben zu sehen sein.

Noch in diesem Jahr wird ein Entwurfsverfahren für die Flächen des an den Petriplatz und die Breitestraße angrenzenden Bauministeriums der DDR ausgelöst, kündigte die Senatsbaudirektorin an. Das Gebäude soll voraussichtlich 2010/11 abgerissen, das Grundstück verkauft und neu bebaut werden. Durch die Verkleinerung der Breitestraße um zehn auf 26 Meter wird zusätzlich Baufläche gewonnen. Entstehen soll ein Stadtviertel mit Läden und Gastronomie, das sich im Maßstab an der historischen Bebauung orientiert. Dieses Stadtviertel werde auch im Hinblick auf das Humboldtforum und die zu erwartenden Touristen konzipiert, sagte Manfred Kühne aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.