Protestkundgebung

Wowereit verurteilt Anschlag auf Homosexuellen-Mahnmal

Etwa 200 Menschen haben vor dem Homosexuellen-Mahnmal gegen den Anschlag auf das Denkmal protestiert – unter den Rednern war auch Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit. Er nannte die Tat "heimtückisch und erbärmlich".

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat den Anschlag auf das Berliner Mahnmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen scharf verurteilt. Auf einer Protestkundgebung an dem geschändeten Denkmal in Tiergarten sprach er gestern von einem "heimtückischen und erbärmlichen Anschlag".

Wowereit hob hervor, dass es auch in Berlin noch viel für die Akzeptanz von Homosexuellen und anderen Minderheiten zu tun gebe. Der Vorfall, bei dem ein Sichtfenster zertrümmert wurde, hinter dem ein Video in Endlosschleife zwei sich küssende Männer zeigt, sei für alle ein warnendes Signal. Jeder sei aufgefordert, dort aufzustehen, wo Diskriminierung und Gewalt passiere und notfalls auch einzuschreiten, appellierte Wowereit an die etwa 250 Teilnehmer der Kundgebung. Da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen wird, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

"Respekt immer – Hass nimmer"

Weitere Redner forderten die Bundesregierung auf, sich mehr für die Rechte von Homosexuellen einzusetzen. Auf einem Plakat des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) war zu lesen: "Respekt immer – Hass nimmer". Verbandssprecher Günter Dworek sagte, der Anschlag mache deutlich, dass sich Gesellschaft und Politik stärker mit Homosexuellenfeindlichkeit auseinandersetzen müssen. Aus der Tat spreche "blanker Hass". Wer einen Gedenkort für gefolterte und ermordete Menschen angreife, wolle sie nochmals symbolisch auslöschen. Das sei "zutiefst menschenverachtend" und wie jede Attacke auf einen Gedenkort für NS-Opfer "einfach nur widerlich". Er zeigte sich erfreut, dass die zerstörte Scheibe bereits heute ersetzt werden soll. "Wir wollen nicht, dass dieser Ort Hochsicherheitstrakt wird." Man hoffe auf "gesellschaftliche Wachsamkeit". Ulrich Baumann von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sagte, dass Streifenbeamten nun auch diesen Ort mit einbeziehen würden.

Erst am 27.Juni hatte Klaus Wowereit das im Mai eingeweihte Mahnmal gemeinsam mit Rudolf Brazda, Überlebender des KZ Buchenwald, besichtigt. "Dieser Anschlag ist schrecklich, ekelhaft ist das!", sagte Brazda gegenüber dem LSVD Berlin-Brandenburg. "Doch ich muss sagen, ich hatte so etwas befürchtet. Die Menschen lernen offenbar nicht dazu, sie sind leider viel zu dumm dazu. Weil sie es nicht akzeptieren wollen, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie."

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