BVG-Linie

Auf der Wannsee-Fähre wird um jeden Platz gekämpft

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Brigitte Schmiemann

Biergärten, Strandbars und Ausflugsdampfer waren am Wochenende gut besucht. Auch auf der BVG-Fähre zwischen Wannsee und Kladow waren die 300 Plätze vor allem nachmittags bei jeder Tour so gut wie ausgebucht. Passagiere mussten gar abgewiesen werden. Das wollen sich die Kladower nicht länger gefallen lassen.

Die Fähre zwischen Wannsee und Kladow am Sonntagnachmittag: Beim Anbordgehen um 14 Uhr in Wannsee musste der Bootsfahrer bereits nach etwa der Hälfte der wartenden Passagiere ausrufen: "Keine Radfahrer mehr!" Maggie Schneider (44), die mit ihren Kindern eine halbe Stunde bei sengender Hitze um die 30 Grad in der Schlange angestanden hatte, fand vor Ärger kaum Worte: "Und wie sollen wir jetzt mit dem Fahrrad zum Sacrower See kommen?"

Vor allem an den Sommer-Wochenenden sind die stündlich ab Wannsee Richtung Kladow verkehrenden BVG-Fähren, die von der Stern und Kreisschifffahrt betrieben werden, überfüllt. Extrem wird es, wenn die Schlange an Brücke B schon bis zu den Treppen an der Ronnebypromenade reicht.

In Gegenrichtung wird es dann für die Passagiere zum Abend hin riskant, in den ab Kladow immer zur halben Stunde verkehrenden Fähren noch einen Platz zu ergattern. Um 17.30 Uhr am Sonntag musste der Bootsmann 40 Radfahrer abweisen. Sie nutzen ihre Räder daraufhin als Platzhalter auf dem Steg und wollten die einstündige Wartezeit mit einem kühlen Getränk verkürzen. Dadurch kam es zu Streit mit den Fußgängern, die in der Sonne auf ihre Abfahrt warteten.

Kladower haben eine Initiative gestartet

Otto Eigen findet diese Zustände "entwürdigend und kundenunfreundlich". Der Kladower will sie nicht länger hinnehmen und hat eine Initiative gestartet. Zusammen mit Alexander Porrmann, Chef von Maisel's Biergarten, sammelt er am Lokal an der Imchenallee direkt vor der Anlegestelle Kladow Unterschriften. Am ersten Tag kamen 170 zusammen. Die Forderungen: Die BVG soll in den Stoßzeiten eine zweite Fähre auf der viereinhalb Kilometer langen Strecke zwischen Wannsee und Kladow einsetzen. Eine könne in Kladow losfahren, die andere gleichzeitig in Wannsee, so gäbe es einen Halbstunden-Takt. Außerdem sollten die Fähren abends länger fahren. Die letzte Fähre verlässt Kladow im Sommer um 19.30 Uhr. "Etliche Ausflügler möchten aber gern länger bleiben. Außerdem ist es schade, wenn die Gäste Kladow in schlechter Erinnerung behalten, weil die Fähre sie abends wegen Überfüllung nicht mehr mitnehmen kann", so Eigen.

Dass das gar nicht so selten passiert, weiß Wirt Porrmann: "Bei schönem Wetter kommt das immer wieder vor. Die Leute müssen dann mit dem Bus X 34 zum Zoo fahren. Das dauert eine gute Dreiviertelstunde. Die Fähre braucht nur 20 Minuten, dann ist man am S-Bahnhof Wannsee." Er empfiehlt seinen Bekannten dennoch immer wieder den Tagesausflug ins Grüne mit der BVG-Fähre: "Auch für Familien mit Kindern bleiben die Kosten so im Rahmen. Der Preis für das Schiff ist ja im BVG-Ticket bereits enthalten."

Das Schiff wird auch von vielen Touristen genutzt

Mireia aus Barcelona, Tomoko aus Japan und Anselmo von der Kanareninsel Teneriffa, die alle in Berlin leben, um Deutsch zu studieren, haben bei ihrem Ausflug mit der Fähre nach Kladow Glück gehabt. Sie mussten zwar 20 Minuten warten, sind aber gleich mitgekommen. Dass sie die Fähre mit ihrem normalen BVG-Ticket benutzen können, finden sie prima.

Skeptisch allerdings, ob sich ein zweites Schiff als Fähreinsatz rentieren könnte, sind hingegen die Schöneberger Ella Hinscher (55) und Peter Schröder (65), die gestern ebenfalls einen Ausflug nach Kladow unternahmen. Christian Lukas (74), der mit seinem Enkel Julian (5) unterwegs war, würde sich schon freuen, wenn die Fähre wenigstens eine Stunde länger abends verkehren würde.

Der BVG ist das Problem bekannt

Bei der BVG ist das Problem bekannt. Doch die Fähren habe das Land Berlin so bestellt. "Alles darüber hinaus muss das Land entscheiden und auch bezahlen", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz auf Anfrage. Eine Verdichtung des Zeittaktes bei der Fährlinie F 10 würde nur mit dem Einsatz mehrerer Schiffe realisierbar sein, das Mehrangebot müsse zudem auch wirtschaftlich vertretbar sein.

Die "Lichterfelde", so der Name des Fährschiffes, beförderte am Sonntag rund 3800 Passagiere auf 20 Fahrten. "Dieses Aufkommen muss doch Grund genug sein, endlich einen besseren Service in den Stoßzeiten anzubieten", appelliert Otto Eigen an die Verantwortlichen.