Berliner Tradition wiederbelebt

Die Gemüseschlacht von Kreuzberg und Friedrichshain

Sehen Sie, das ist Berlin! Es gibt in dieser Stadt Dinge, die so wohl nirgends vorstellbar wären. Eine Gemüseschlacht zum Beispiel. Auf offener Straße, besser gesagt: Brücke. Zwischen Friedrichshain und Kreuzberg.

Die Schlacht, die natürlich lustig gemeint ist, wirkt wie eine Mischung aus mittelalterlichem Krieg, Kindergeburtstag und 1.-Mai-Krawallen, wie sie Berlin seit Jahrzehnten kennt. Einmal im Jahr, immer im Sommer, treffen sich Friedrichshainer und Kreuzberger Alternative auf der Oberbaumbrücke, um sich mit faulem Gemüse zu bewerfen und mit Wasser zu bespritzen. Heute nahmen 800 Menschen teil.

Die als Demonstration angemeldete Schlacht zwischen den Berliner Stadtteilen Friedrichshain und Kreuzberg geht auf die Berliner Bezirksgebietsreform Ende der 90er-Jahren zurück. Damals wurden Friedrichshain und Kreuzberg im Rahmen einer Verwaltungsreform 2001 zu einem Bezirk zusammengefasst. Seinerzeit gab es auf der politischen Ebene Auseinandersetzung wegen der Zusammenführung des Ost- und mit dem Westbezirk. Die Oberbaumbrücke verbindet beide Stadtteile.

Zuletzt fand die Schlacht 2005 statt. Die Teilnehmer treten in zwei Lagern gegeneinander an: Die Mitglieder der Wasserarmee Friedrichshain (WAF) und des Freien Kreuzberger Heimatschutzes trafen mit Glibber, altem Obst und Gemüse, Schild, Mehl und Schaumstoffschläger aufeinander.

Von der Schlesischen Straße aus rückten die Kreuzberger sogar mit einem fahrbaren Gerüst aus, von dem aus sie die „Gegner“ mit ihrer fauligen Munition ins Visier nahmen. Ein Polizeisprecher sagte dennoch, es sei eine „völlig friedliche Veranstaltung“ gewesen. Den Sieg trugen nach Polizeiangaben die Friedrichshainer davon. Die Fahrgäste der vorbeifahrenden U-Bahn werden sich gewundert haben. Und nicht nur die.

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