Obama in Berlin

Autofahrer durchbricht Absperrung an Siegessäule

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Michael Behrendt und Axel Lier

Ein Mann hat mit seinem Auto den Sicherheitszaun um die Siegessäule gerammt. Hier soll am Donnerstag Barack Obama auftreten. Der Täter wurde festgenommen - und dann gingen Bombenexperten ans Werk.

Brisanter Zwischenfall an der Berliner Siegessäule: Einen Tag vor dem öffentlichen Auftritt des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama hat ein Autofahrer die Absperrungen durchbrochen und literweise Farbe im Bereich des Veranstaltungsraumes verschüttet. Der 40 Jahre alte Mann wurde von Sicherheitsmännern überwältigt und anschließend der Polizei übergeben. Verletzt wurde niemand, die Motivlage ist noch unklar. Möglicherweise hat er krankhaft Aufmerksamkeit gesucht. Für den Auftritt Obamas wird der Zwischenfall keine Auswirkungen haben, die Farbe soll rechtzeitig beseitigt werden.

Gegen 15.50 Uhr fuhr Andreas Sch. aus dem 12.000-Einwohnerdorf Bad Hemsbach bei Heidelberg mit seinem schwarzen Daihatsu von der Hofjägerallee kommend in den Kreisverkehr ein. Zeugen beobachteten, dass dabei rote Farbe aus seinem Wagen lief. Mitarbeiter des eingesetzten Sicherheitsdienstes wurden auf den Zwischenfall aufmerksam und versuchten, den Wagen zu stoppen, indem sie mit Eisenstagen auf ihn einschlugen. Dies gelang wenig später im Bereich Großer Stern/Straße des 17. Juni. Die Security-Mitarbeiter konnten den Täter festhalten und wenig später den alarmierten Beamten des Abschnitts 34 übergeben. Dabei leistete er keinen Widerstand.

Möglichweise suchte der Mann Aufmerksamkeit

Wenig später spitzte sich die Situation zu: Verdächtige Gegenstände im Innenbereich des Wagens sorgten schließlich für einen Einsatz der Bombenexperten der Kriminaltechnik. Die Spezialisten untersuchten den Daihatsu, wenig später konnten sie Entwarnung geben. Die Polizei betonte, dass zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Öffentlichkeit bestanden habe. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Zunächst muss geklärt werden, was den 40-Jährigen zu seiner Tat trieb. „Möglicherweise hat er darin die größte Chance gesehen, Beachtung zu finden“, so ein Beamter. „Der Mann kommt aus einer Kleinstadt, wenn er dann einen Tag vor der Rede des eventuellen künftigen US-Präsidenten in der Hauptstadt zum Medienthema wird, macht er schon von sich reden.“

Während seiner Fahrt hatte Andreas Sch. den Fotografen und dem Sicherheitspersonal mehrmals Luftküsse zugeworfen. Gegen ihn wird nun aller Voraussicht nach ein Verfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet werden.

Besucher der Siegessäule waren am frühen Abend entsetzt über die Situation am Großen Stern. „Wie kann dieser Autofahrer einfach die Absperrungen durchbrechen?“, fragte Birgit Bämmle aus Köln. Ungläubig beobachtete sie die Bomben-Entschärfer der Polizei. „Durch solche Bilder ist die Terrorgefahr deutlich zu spüren“, sagte ihr Ehemann Klaus.

Barack Obama wird während seines Aufenthalts in der Hauptstadt im Berliner Hotel Adlon residieren. Mehr als 1000 Polizisten, darunter Angehörige des Spezialeinsatzkommandos (SEK) und des Präzisionsschützenkommandos (PSK), sorgen für die Sicherheit des Amerikaners. Anlass zur Sorge gibt es bislang nicht – Demonstrationen gegen den Auftritt des Demokraten sind nicht angemeldet worden, laut einer Gefahrenanalyse gibt es zum derzeitigen Zeitpunkt keine Bedrohung für den Politiker.

Ähnlicher Fall zur WM 2006

Ein ähnlicher, aber deutlich gravierenderer Fall hatte sich bei der Fußball-WM 2006 zugetragen. Am 2. Juli 2006 war Rahmat S. mit einem Auto auf die Fanmeile gefahren und hatte mehrere Personen verletzt. Der 34-jährige Deutsch-Inder durchbrach am Tattag mit dem VW Polo seines Vaters unvermittelt eine Barriere vor der Fanmeile am Brandenburger Tor, fuhr mit etwa 40 Stundenkilometern in eine Menschengruppe und prallte mit dem Wagen schließlich gegen einen Poller.

Bei dieser Amokfahrt verletzte er mindestens 20 Personen. Ein Polizist wurde direkt vom Wagen erfasst. Andere Personen wurden von Gitterteilen und an den Gittern befestigten Fahrrädern getroffen oder stürzten bei ihrer panischen Flucht. Das Schwurgericht, das den Fall später verhandelte, wertete die Tat als "versuchten Mord mit gemeingefährlichen Mitteln in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung". S. wurde in die Gefängnispsychiatrie eingewiesen. Richter Peter Faust sagte bei seiner Begründung, der Beschuldigte habe am 2. Juli "ganz offensichtlich im Zustand einer Geisteskrankheit agiert".