Besuch in Berlin

Deutsch-Afrikaner hoffen auf Barack Obama

Am Donnerstag kommt Barack Obama nach Berlin - und Patrice Kissasse ist begeistert: Der Deutsch-Afrikaner aus Berlin setzt große Hoffnungen in den farbigen US-Präsidentschaftsbewerber. Das tun viele Deutsche mit familiären Wurzeln in Afrika, sagt Roland Prejawa vom Berliner Verein Pro Afrika.

Ein Hoffnungsträger im wahrsten Sinne des Wortes – das ist Barack Obama für viele Schwarze in Deutschland. "Wir identifizieren uns sehr stark mit Obama. Fast alle, die afrikanische Wurzeln haben, sind begeistert", sagt Patrice Kissasse. Mit Freunden und Bekannten will der aus dem Kongo stammende Berliner am Donnerstag zur Siegessäule gehen, um den US-Präsidentschaftsanwerber mit kenianischen Wurzeln zu erleben: "Wir müssen einfach dabei sein", sagt Kissasse.

Die mit Obama verknüpften Erwartungen sind groß: "Er könnte Afrika endlich mehr Gewicht in der Welt verleihen." Und er müsse dafür sorgen, dass sich Diktatoren wie Robert Mugabe in Simbabwe nicht mehr halten könnten. "Dass wäre das Wichtigste für diesen Kontinent." Klar sei aber, dass er die hochgesteckten Hoffnungen höchstens zum Teil erfüllen könne: "Selbst der mächtigste Mann der Welt kann ja schließlich nichts allein entscheiden."

Überall in der deutsch-afrikanischen Gemeinschaft wird derzeit über Obama diskutiert, berichtet Kissasse berichtet. Allein, dass ein Schwarzer drauf und dran sei, Präsident der USA zu werden, findet er "einfach wunderbar". Migranten, aber auch in Deutschland geborene Mischlingskinder fühlten sich aufgewertet und motiviert.

Der Deutsch-Kongolese tritt aber auch auf die Euphorie-Bremse: "Ich rechne ehrlich gesagt nicht damit, dass Obama die Wahl gewinnt. Leider würden die Amerikaner wohl eher eine weiße Frau als einen schwarzen Mann zum Präsidenten machen."

"Barack Obama hat höchstes Ansehen unter den Deutsch-Afrikanern", berichtet auch Roland Prejawa. Er ist Vorsitzender des Berliner Vereins Pro Afrika e.V., in dem viele Ghanaer, Senegalesen, Nigerianer, Kameruner oder Kongolesen mitarbeiten. "Viele hoffen, dass ein schwarzer Präsident Afrika dabei helfen kann, emanzipierter zu werden."

Nach seiner Beobachtung gibt es zwar große Begeisterung, aber keine grenzenlose Euphorie: "Denn alle wissen, dass sich ein amerikanischer Präsident mit dem Establishment arrangieren muss, und deshalb nicht die Welt verändern kann." Außerdem gebe es die Sorge, dass Obama die USA schließlich doch "mit weißen Handschuhen regieren" könne. Deshalb werde es auch keinen Pilgerzug zur Siegessäule geben: "Die Deutsch-Afrikaner betrachten Obama nicht als ihren Messias. Sie werden ihn freundlich empfangen und sich dann kritisch anhören, was er zu sagen hat."

Auch bei der deutsch-senegalesischen Familie Amberg-Gueye im bayerischen Alzenau wird der Auftritt Obamas gespannt verfolgt. "Als Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters könnte Obama alle Menschen zusammenbringen – das wäre einfach großartig", sagt Amadou Gueye. Gemeinsam mit seiner Frau Alice Amberg plante er sogar, den zwölfjährigen Sohn Samba aus dem Ferienlager zu holen und mit ihm zu Obama nach Berlin zu fahren. "Mein Sohn wollte unbedingt. Aber leider kam eine Fortbildung dazwischen, sonst hätten wir in der ersten Reihe gestanden", sagt Amadou Gueye.

Gerührt verfolgte die Familie im Frühjahr Obamas berühmt gewordene Wahlkampf-Rede, in der er dazu aufrief, den "seit Jahren andauernden Stillstand in Rassenfragen" zu überwinden. "Unsere Kinder haben die deutsche Übersetzung gelesen und waren hellauf begeistert. Und auch mich hat dieses vielstimmige ,Yes we can' sehr gerührt", sagt Alice Amberg.

Zudem gebe es endlich wieder einen Schwarzen, der als Intellektueller von sich reden mache – und nicht als Sportler, Musiker oder einfach als Sex-Symbol. "Dass das Schwarzsein sonst vor allem mit gewaltiger Kraft und Potenz verbunden wird, ist ja auch eine Form von Diskriminierung", sagt Amberg.

Und Diskriminierung sei für ihre beiden Kinder Samba und Amina leider Teil ihres Lebens: "Es begann damit, dass ich auf dem Spielplatz als ihre Adoptivmutter bezeichnet wurde. Und es setzte sich fort bei der Wohnungssuche mit zwei schwarzen Kindern und den rassistischen Sprüchen, die sie sich jetzt auf dem Schulhof anhören müssen." Da bleibe den Kindern nur, sich ein Leben lang in Selbstbehauptung zu üben. "Und da ist es wirklich ein Gewinn, dass es jetzt einen schwarzen Präsidentschaftskandidaten gibt."

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.