Sanierungspläne

Sprachschule will Stadtbad Oderberger Straße kaufen

Im Streit um die Sanierung des Stadtbades an der Oderberger Straße hat sich überraschend eine ganz neue Perspektive für das seit 22 Jahren geschlossene Bad aufgetan. Die benachbarte German Language School könnte es erwerben. Dann würden zum Beispiel aus der Wannenabteilung Studios und Seminarräume.

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Die benachbarte German Language School (GLS) will das denkmalgeschützte Anwesen erwerben, um es in den Campus an der Kastanienallee 82 zu integrieren. Schulgründerin und Geschäftsführerin Barbara Jaeschke plant, das Schwimmbad für Kursteilnehmer und Anwohner zu öffnen. Im Seitenflügel sollen Seminarräume und Studio-Apartments für die Sprachschüler entstehen.

Noch gehört das Stadtbad Oderberger Straße der Stiftung Denkmalschutz Berlin. Weil der Senat seine Zusage über eine Fördersumme von 2,5 Millionen Euro für die Sanierung des Bades zurückgezogen hatte, denkt die Stiftung darüber nach, das Bad an den Liegenschaftsfonds zurückzugeben. „Wir werden am Jahresende entscheiden, was wir ernsthaft machen“, sagt Volker Härtig, Geschäftsführer der Stiftung Denkmalschutz Berlin. Zwischen 15 und 18 Millionen Euro koste die Sanierung. Das sei ohne Zuschuss nicht zu finanzieren, sagt Härtig. Es bleibe auf jeden Fall eine Deckungslücke, für die die Stiftung jetzt andere Fördertöpfe brauche. „Wir versuchen die Finanzierung für unser Konzept mit Badebetrieb, Wellness und Hotel noch hinzukriegen“, erklärt der Geschäftsführer.

Barbara Jaeschke weiß, dass sie erst die Entscheidung der Stiftung abwarten muss. Sie hat die GLS – Sprachschule und Sprachreisenveranstalter zugleich – 1983 gegründet und ist vor drei Jahren an die Kastanienallee in Prenzlauer Berg gezogen. Von ihrem Büro aus sieht sie jeden Tag auf das Gelände des 1902 fertig gestellten Stadtbades. Sie sei von Bezirkspolitikern angesprochen worden, ob sie das Bad übernehmen wolle, erzählt sie. Jetzt sei diese Idee ihre Vision geworden.

Die Schule mit 40 Klassenzimmern und 50 Studio-Apartments platzt aus allen Nähten. 435 Schüler, meist zwischen 20 und 35 Jahren, sind im Moment eingeschrieben. Mehr geht nicht. Für zwei Wochen sei ein Buchungsstopp verhängt worden, sagt Mitarbeiterin Dorothee Robrecht. Eine Vergrößerung des Campus um das Stadtbadgelände käme gerade recht. Etwa 100 Studios könnten in der alten Wannenbadabteilung entstehen, sagt Frau Jaeschke, dazu noch einige Seminarräume. Das Bad soll den Freizeitbereich erweitern, aber auch zu bestimmten Zeiten der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Zwischen 15 und 20 Millionen müssten in Sanierung und Umbau investiert werden, schätzt die Schulleiterin. Diese Summe würde sie ausgeben, wenn der Kaufpreis sich im Rahmen halte.

Erst vor vier Jahren hat der Liegenschaftsfonds das Stadtbad Steglitz an der Bergstraße für einen symbolischen Euro an Gabriele Berger verkauft. Die private Investorin musste sich verpflichten, dass Bad für sechs Millionen Euro zu sanieren. Die Sanierung kommt nur in kleinen Etappen voran.

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