Prozess

Vater und Sohn misshandeln Nebenbuhler

Für den Richter handelte es sich um "einen Stoff für ein antikes Drama". Ein von seiner Lebensgefährtin verlassener Mann hatte den Sohn angestiftet, seinen Nachfolger anzugreifen und zu verletzen. Zwei Monate später soll der 18-Jährige seine Großeltern umgebracht haben und muss sich wegen Doppelmordes verantworten.

Ein von seiner Lebensgefährtin verlassener Mann ist am Montag vom Berliner Landgericht wegen Misshandlungen seines Nachfolgers zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Gegen den an dieser Tat beteiligten Sohn ist nach Angaben einer Justizsprecherin kürzlich Anklage wegen Doppelmordes erhoben worden. Der 18-Jährige hatte zwei Monate später seine Großeltern mütterlicherseits in deren Wohnung in Rudow umgebracht. Im Prozess gegen den aus der Türkei stammenden Vater sprach der Vorsitzende Richter angesichts der Familientragödie von „einem Stoff für ein antikes Drama“.

Der 43-jährige Angeklagte muss dem neuen Freund seiner deutschen Ex-Frau 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Er hatte eigene Handgreiflichkeiten bestritten und den Sohn für den Angriff in der Neuköllner Wohnung seines Nachfolgers allein verantwortlich gemacht. Das Gericht bewertete die Beweislage anders.

Zunächst hatte der Sohn dem 33-jährigen Freund und Kollegen seiner Mutter eine 12,5 Kilogramm schwere Hantel von hinten auf den Kopf geschlagen. Danach hatte er mit einem Messer fünf Mal zugestochen. Der Vater habe ihn dazu aufgefordert, Richtung Bauch zu stechen, hieß es im Urteil. Anschließend habe der zuletzt arbeitslose Angeklagte dem bereits schwer Verletzten eine Vase auf den Kopf zerschlagen. Das Opfer musste in einer Klinik operiert werden.

Nach Überzeugung des Gerichts konnte der Angeklagte nicht verwinden, dass sich seine Frau – die Mutter von vier gemeinsamen Kindern – trennte und eine neue Beziehung einging. Der Angeklagte wollte seine Frau zurückholen. Bei einem Gespräch in der Wohnung seines Nachfolgers sei es zunächst zu einem Streit gekommen. Danach hätten beide Männer an der Frau gezerrt. Spätestens nach dem Angriff mit der Hantel hätten Vater und Sohn gemeinsam weitere Misshandlungen beschlossen, argumentierte die Strafkammer.

Der Sohn sitzt nach dem Mord an den Großeltern in Untersuchungshaft. Ein Termin für seinen Prozess ist noch nicht anberaumt. Als Zeuge hatte er seinen Vater in Schutz genommen. Die Ex-Frau und ihr Freund hatten den Angeklagten belastet. Das Paar lebt unter Personenschutz an einem geheim gehaltenen Ort.