Urteil

Messerstecherin kommt in die Psychiatrie

Die 23-Jährige hatte es auf die Handtasche einer Studentin abgesehen. Als das Opfer sich wehrte, wurde es mit einem Messer bedroht und mit einem Schlagstock angegriffen. Die Täterin muss dafür allerdings nicht ins Gefängnis, sondern in die Psychiatrie. Sie hört "Stimmen", die sie kontrollieren.

Nach dem Angriff auf mehrere Fahrgäste in der S-Bahn hat das Landgericht Berlin eine 23-jährige Frau in die Psychiatrie eingewiesen. Nach Gerichtsangaben war die unter einer Psychose leidende Angeklagte zur Tatzeit krankheitsbedingt schuldunfähig. Sie wurde daher vom Vorwurf des versuchten Raubes und der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen.

Dem Urteil zufolge leidet die 23-Jährige unter Verfolgungsängsten und hört „unablässig quälende Stimmen“. Aus „Angst vor den Stimmen“ habe sie sich mit etwas „Spektakulären“ Erleichterung verschaffen wollen, hieß es. Daher sei sie an dem Tag auch „hochgerüstet mit Waffen unterwegs“ gewesen. Ihre Unterbringung in der Psychiatrie sei anzuordnen, weil sie unbehandelt eine Gefahr für die Allgemeinheit sei.

Die Gelegenheitskellnerin war angeklagt, im März dieses Jahres in der S-Bahnlinie 7 eine Studentin mit dem Messer angegriffen zu haben, um deren Handtasche zu rauben. Ferner hatte sie zwei Freundinnen der Studentin mit dem Schlagstock attackiert und dabei leicht verletzt. Der Handtaschenraub scheiterte, weil die Studentin die Tasche festhielt und deren Freundinnen sowie andere Fahrgäste zur Hilfe kamen. Die 21-jährige Studentin erlitt neben Blutergüssen am Bein Schnittwunden im Gesicht und am Finger. Auf dem Bahnhof Friedrichstraße wurde die Angreiferin dann festgenommen.

Vor Gericht äußerte sich die Angeklagte nur über ihre Verteidigerin zu den Vorwürfen. Sie räumte sie den Übergriff ein, betonte aber, kaum Erinnerungen daran zu haben. Sie höre seit einiger Zeit „Stimmen“ und fühle sich von ihnen bedroht und kontrolliert, hieß es. Sie habe sich von den „Mädchen“ beobachtet und angegriffen gefühlt. Die Handtasche habe sie gar nicht gewollt.

Nach Aussage der Studentin war die Angeklagte, die neben ihr saß, plötzlich aufgestanden, hatte nach der Tasche gegriffen und ihr das Messer an die Wange gehalten. Weil sie die Tasche nicht losgelassen habe, sei die Angeklagte mit dem Schlagstock auf sie und ihre Freundinnen losgegangen. „Ich habe das Meiste abbekommen, weil sie die Tasche wollte“, sagte die 21-Jährige.