Wilmersdorf

Polizei evakuiert Tausende nach Bombenfund

Nach dem Fund einer rund 500 Kilogramm schweren Fliegerbombe in Wilmersdorf hat die Polizei den Fundort weiträumig abgesperrt. Spezialisten wollten die Bombe kontrolliert sprengen – der Ausgang war auch tief in der Nacht noch ungewiss. Denn die Evakuierung war zu dieser Zeit noch in vollem Gange.

Der Fund einer 500-Kilo-Fliegerbombe an der Mecklenburgischen Straße in Wilmersdorf verlangt mehreren Hundert Polizisten, Feuerwehrleute und Angehörige des Roten Kreuzes einen stundenlangen Großeinsatz ab. Aufgrund umfangreicher Evakuierungsmaßnahmen und der Unberechenbarkeit des chemischen Zeitzünders konnte die britische Bombe zunächst nicht entschärft werden.

Etwa 5000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, ursprünglich sollten es sogar 12.000 sein. Die Polizei sperrte den Fundort zunächst in einem Radius von bis zu 600 Metern ab. Wenig später beschloss die Einsatzleitung, den Sperrkreis zu reduzieren.Ein Krisenstab koordinierte den Einsatz. Aufgrund der aufwendigen Vorbereitungen konnte die Räumung des Sperrgebietes erst nach 22 Uhr beginnen. Per Lautsprecherwagen wurden die Anwohner zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert. Auch nach Mitternacht waren noch längst nicht alle raus aus dem Sperrkreis.

Die mit einem chemischen Langzeitzünder versehene Bombe sollte mit einem Radlader in den nahe gelegen Volkspark Wilmersdorf transportiert werden. Dort sollte der Blindgänger in einer eigens dafür ausgehobenen Grube kontrolliert gezündet werden.

Kriminaloberrat Jürgen Thiele, Leiter des Entschärfungsteams, erläuterte die vorgesehene Prozedur: „Der Sprengkörper wird zunächst an Ort und Stelle angebohrt, um eine Probe des Sprengstoffes zu entnehmen. Die chemische Zusammensetzung der Probe wird dann in einem Speziallabor der Polizei am Platz der Luftbrücke analysiert. Erst wenn die Gefährlichkeit der Sprengladung bekannt ist, wird entschieden, auf welche Art die Sprengung erfolgen kann.“

Die Fliegerbombe war gegen 15.10 Uhr in kaum einem Meter Tiefe in einem Vorgarten an der Mecklenburgischen Straße 92 entdeckt worden. Ein Kleinbagger war bei Sanierungsarbeiten auf dem Grundstück auf den Blindgänger gestoßen. Umgehend wurde der Fundort weiträumig abgesperrt. Die Gasag kappte Gas-, die Berliner Wasserbetriebe mehrere Wasserleitungen. Zwei Tankstellen mussten geräumt und ihr Stromanschluss unterbrochen werden. Zunächst war erwogen worden, auch das Sankt Gertrauden-Krankenhaus an der Paretzer Straße 12 zu räumen. Damit wäre die Verlegung von knapp 400 Patienten in andere Kliniken notwendig geworden. Erst am Abend hatte sich die Einsatzleitung entschlossen, den Blindgänger in den nahe gelegenen Volkspark zu bringen. Damit konnte die Evakuierung des Gertrauden-Krankenhauses abgesagt werden.

Die Polizei hatte insgesamt 200 Beamte eingesetzt. Die Berufsfeuerwehr war mit 40 Rettungskräften präsent; zweier Drehleiterwagen sollten gegebenenfalls bei schwierigen Evakuierungsfällen Unterstützung leisten. Zudem hatte das DRK acht schnelle Einsatzgruppen mit 160 Helfern aufgeboten. Etwa die Hälfte der DRK-Helfer betreute an vier Sammelpunkten Anwohner, die nicht bei Freunden und Bekannten unterkamen. Diese Sammelpunkte wurden gleichmäßig über den Sperrkreis verteilt in drei Schulen und in der Horst-Kessler-Halle an der Fritz-Wildung-Straße eingerichtet. Dort wurden provisorische Nachtlager mit Liegen und Decken bereitgestellt und Getränke angeboten. Die Rot-Kreuz-Helfer betreuten die Evakuierten in der Grundschule am Rüdesheimer Platz, in der Rudolf-Diesel-Oberschule an der Prinzregentenstraße 33 sowie dem Goethe-Gymnasium in der Gasteiner Straße 23. Fünf Notarztwagen-Besatzungen des DRK unterstützen den Transport von Kranken in die Sammelstellen.