Feuerwehreinsatz in Charlottenburg

Explosionsgefahr - Polizei räumt Schule

Explosionsalarm in Charlottenburg: Die Polizei musste die Herder-Oberschule räumen und auch mehrere Nachbargebäude, die Straßen wurden gesperrt - in der Schule war eine hochgefährliche Substanz entdeckt worden. Experten sprengten die Chemikalie auf dem Schulhof.

Gegen 14 Uhr hatte eine Lehrerin der Herder-Oberschule beim Aufräumen im zweiten Stockwerk fünf Ampullen mit Pikrinsäure entdeckt. Die Expertin bemerkte sofort, dass die Chemikalie – offenbar durch Überlagerung – kristallisiert und damit hochexplosiv geworden war. Die Pädagogin zog sich zurück und alarmierte die Feuerwehr. Glücklicherweise befanden sich zu diesem Zeitpunkt nur noch die Schach-AG und Mitarbeiter der Bibliothek in dem Schulgebäude, sie wurden ins Freie geführt.


Wenig später erschien ein auf solche Stoffe spezialisierter Feuerwehrmann vor Ort, er bestätigte die Vermutung und die Gefahr durch eine gewaltige Explosion und fordert Unterstützung an. Mehr als 50 Polizeibeamte und zehn Feuerwehrleute wurden eingesetzt, die Westendallee zwischen Preußenallee und Oldenburgallee gesperrt. Mieter aus insgesamt 18 Wohnungen aus anliegenden Mehrfamilienhäusern sowie die Familie eines Einfamilienhauses mussten evakuiert werden. „Pikrinsäure sollte bereits im ersten Weltkrieg zum Stopfen von Granaten benutzt werden, die Verantwortlichen verzichteten aber darauf, weil diese Substanz einfach zu unberechenbar war“, sagte ein Beamter vor Ort. „Dagegen ist TNT ein Dauerlutscher.“ Dennoch gehöre die Substanz zum Chemie-Unterricht.

„Der Aufmerksamkeit und der Bildung der Lehrerin ist es zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, sagte der Beamte weiter. „Jeder andere hätte die Flasche wahrscheinlich schlicht entsorgen wollen und sie weggeworfen, was zu der Detonation hätte führen können.“ Denn im flüssigen Zustand harmlos und für Experimente geeignet entwickelt sich Pikrin kristallisiert zu wahrem Sprengstoff.

Substanz könnte beim Transport detonieren

Laut Polizeisprecher Bernhard Schodrowski war ein Transport der Chemikalie zum Sprengplatz Grunewald wegen der Explosionsgefahr auch nicht mehr möglich. „Unsere Experten der Kriminaltechnik kamen deshalb zu dem Schluss, dass eine kontrollierte Sprengung vor Ort die sicherste Option wäre.“

Um 17 Uhr wurde die Zündung schließlich durchgeführt, die Aktion verlief erfolgreich und ohne Zwischenfälle. Anschließend wurden das Gebäude kontrolliert und die Sperrungen wieder aufgehoben. Durch diese war es zu nicht unerheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen gekommen.

Der Zwischenfall an der Oberschule wird laut jetzigem Erkenntnisstand keine Ermittlungen durch das Landeskriminalamt nach sich ziehen. „Hier hat niemand eine Straftat vorgehabt oder mutwillig und vorsätzlich eine Gefährdung für Leib und Leben anderer herbeiführen wollen“, sagte Bernhard Schodrowski. „Die Säure ist schlicht überlagert worden. Schulintern wird sicherlich darüber nachgedacht werden müssen, wie dies künftig vermieden werden kann.“