Millionen-Investition

Leuchtreklame am Gasometer schockt Anwohner

Der weithin sichtbare Schöneberger Gasometer lässt Anwohner nicht zur Ruhe kommen. Schon jetzt stören sich Nachbarn an dem nächtlichen rhythmischen Blinken der neongelben Vierecke oben am Turm. Dabei handelt es sich um die Vorbereitung für die Leuchtwerbung. Die soll die Sanierung des Denkmals finanzieren.

Foto: KONZEPTplus

Reinhard Müller - Chef der Remtec, Gesellschaft für Projektentwicklung und Denkmalschutz und neben Klaus Groth Vorstandsmitglied der Euref AG - will das alte Gasag-Gelände an der Torgauer Straße zum "Europäischen Energie Forum" ( www.euref.de ) ausbauen. Rund 500 Millionen Euro sollen investiert werden. Auch der fast 80 Meter hohe Gasometer soll als Symbol für Energie innen verglast zu einem modernen Gebäude ausgebaut werden.

Die Bürgerinitiative, die sich gegen den Ausbau des Gasag-Areals mit bis zu 65 Meter hohen Neubauten zusammengeschlossen hat, traf sich jetzt im Rathaus Schöneberg. Dort erfuhr sie von dem ehemaligen Schöneberger SPD-Bezirksbürgermeister Uwe Saager - er berät als Rechtsanwalt den Investor baurechtlich -, dass es für die Werbung am Gasometer einen Vertrag mit dem Bauamt gibt. Er sehe vor, dass alle Werbeeinnahmen in die Sanierung des Gasometers fließen. Mit der Sanierung müsse spätestens neun Monate nach Werbestart begonnen werden.

Der Justiziar der Bauverwaltung, Joachim Wenz, bestätigte gestern, dass der Vertrag Voraussetzung für die Werbegenehmigung sei. Fünf Jahre lang dürfe geworben werden, die Einnahmen müssten in die Sanierung des Gasometers fließen. Deren Kosten werden auf drei Millionen Euro geschätzt. Die Genehmigung könne widerrufen werden, wenn die Arbeiten nicht spätestens drei Monate nach Ablauf der Neunmonatsfrist begonnen hätten oder sie nach Beginn mehr als sechs Monate unterbrochen würden. Außerdem müssten sie innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein.

Um die Vereinbarungen zu kontrollieren, dürfe die Behörde Einsicht in die Kostenabrechnungen nehmen. Die Vertragskonstellation sei im Rahmen der Gesetze, so Wenz. Vorbild sei die Stiftung Denkmalschutz, die in anderen Bezirken ebenfalls bereits durch Werbeeinnahmen Denkmale saniert habe. Ein Problem, dass die Sanierung im Schöneberger Fall erst neun Monate nach Beginn der Werbung einsetzt, bestehe nicht: "Nirgendwo steht, dass Werbung und Sanierung gleichzeitig begonnen werden müssen", so Wenz.

Die Bürgerinitiative will sich damit nicht zufriedengeben. Sie fordert vom Bezirksamt für die ab Herbst zu erwartende Leuchtwerbung eine Prüfung. Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne), die gestern CDU-Baustadtrat Bernd Krömer vertrat, will sich dafür einsetzen, dass auch der Vertrag noch einmal angeschaut wird: "Angesichts der zunehmenden Plakatierung in der Stadt müssen auch hier alle gesetzlichen Vorschriften berücksichtigt werden." Die ehemalige Stadträtin für Stadtentwicklung, Elisabeth Ziemer (Grüne), findet es angesichts der großen Investition "merkwürdig, dass der Investor erst einmal durch Werbung Geld einsammeln muss, damit er die Sanierung beginnen kann". Außerdem ist es ihrer Meinung nach nicht zulässig zu werben, wenn keinerlei Bauaktivitäten stattfinden.