Berlin-Besuch

Obama erwägt jetzt Rede am Gendarmenmarkt

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Martin Lutz

Der Auftritt von Barack Obama am Brandenburger Tor in Berlin ist zum Streitthema geworden und entzweit gar die Regierung. Jetzt werden im Stab des US-Präsidentschaftskandidaten Alternativen durchgespielt. Eine: der Gendarmenmarkt.

Das Brandenburger Tor in Berlin ist ein weltweit bekanntes Wahrzeichen. Bis zu 150 politische Veranstaltungen finden dort jährlich statt. Hunderttausende nehmen an den Fanmeilen, Marathonläufen und Silvesterpartys teil. Auch der amerikanische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama würde mit einem Auftritt an dem Tor wahrscheinlich zehntausende Menschen anziehen. Doch ob der Präsidentschaftsbewerber der Demokraten dort tatsächlich reden wird, ist angesichts der damit verbundenen Symbolkraft unklar.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Tor als ungeeignet für Wahlkampfauftritte ansieht, symbolisiert es für Außenminister Frank-Walter Steinmeier(SPD) im kollektiven Gedächtnis der Deutschen und Amerikaner deren Verbundenheit. Die Auseinandersetzung hat Obama in eine schwierige Lage gebracht, weil er sich gegen die Kanzlerin durchsetzen müsste. Deshalb versucht er nun einen Ausweichstandort für seine Hauptstadt-Visite am 24. Juli zu finden.

Nach Informationen von Morgenpost Online steht dafür der Berliner Gendarmenmarkt ganz oben auf der Liste. Das bestätigt Gert Weisskirchen, der außenpolitsche Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. „Ein Berater von Barack Obama hat mir erzählt, dass sich dieser den Gendarmenmarkt vorstellen kann“, sagte Weisskirchen Morgenpost Online.

Alternativ schlägt er selbst das Sony-Center als Auftrittsort vor, weil er das neue Berlin symbolisiere. „Aber warum nicht das Brandenburger Tor? Über den Ort müssen Obama und der zuständige Berliner Senat entscheiden. Alles andere ist kleinkariert“, sagte die Weisskirchen. Niemand sonst, auch nicht die Kanzlerin, habe das Recht „da hereinzureden“. Obama habe den historischen Symbolwert des Brandenburger Tores als Wahrzeichen der Freiheit richtig erkannt: „Wenn das jemand tut, der amerikanischer Präsident werden kann, dann sollte Deutschland ihm einem Auftritt vor dem Brandenburger Tor nicht verwehren.“ Dies sollte auch für Obamas republikanischen Rivalen John McCain gelten, falls er den gleichen Wunsch äußern würde.

Obamas Sprecher Bill Burton sagte in Washington, der Senator freue sich auf seinen Besuch und auf ein Treffen mit der Kanzlerin. Dabei legte er sich nicht auf einen konkreten Ort fest. Obama habe „verschiedene Orte“ für eine mögliche Rede in Erwägung gezogen. Er werde einen auswählen, der für ihn und seine Gastgeber am sinnvollsten ist. „Das Brandenburger Tor ist noch nicht vom Tisch“, sagte Berlins Senatssprecher Richard Meng Morgenpost Online. Man könne sich durchaus vorstellen, dass Obama auf einem großen Platz wie dem Gendarmenmarkt oder vor dem Roten Rathaus auftrete. Zugleich betonte er, dass „noch alles offen ist“. Meng rechnet aber damit, dass der Konflikt in den nächsten Tagen gelöst wird.