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Google-Spione fotografieren Berlins Straßen

Google fotografiert Berlin: Der US-Konzern lässt derzeit Kamerawagen durch die Stadt fahren. Die Besatzung der Google-Autos nimmt mit Spezialkameras ganze Straßenzüge auf. Aus den Fotoserien lassen sich mit dem Google-Dienst Streetview virtuell begehbare Straßenansichten herstellen. Die sind sehr detailliert - und das ist für manche ein Problem.

Foto: Google

Ein unbekanntes Fahrobjekt wurde gesichtet in Berlin. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein aufgetauchtes U-Boot. Doch das Periskop, das auf dem Dach des schwarzen Opel-Astra thront, ist eine hochauflösende Kamera. Eine Kamera, deren Bilder sich schon bald weltweit im Internet abrufen lassen und Tausenden Nutzern die Orientierung in der deutschen Hauptstadt erleichtern sollen. Der Wagen ist im Auftrag von Google unterwegs. Das Ziel: Die Straßen Berlins so abzufotografieren, dass sich eine dreidimensionale Karte ergibt.

Die neue Anwendung der Tüftler aus Kalifornien ist eine Weiterentwicklung von Google-Maps, die den Betrachter auf Augenhöhe mit den Bewohnern der Stadt bringen soll. "Street View" heißt das Angebot, dass Großstädte aus der Perspektive des Autofahrers zeigt. Tausende Kilometer sind die Spione des Suchmaschinen-Betreibers mit dem Kamerawagen schon abgefahren. Die elf Linsen schießen alle zwei Sekunden ein Bild und ermöglichen einen 360-Grad-Blick. So entstehen Hunderttausende Schnappschüsse, die sich später zu einem realistischen Stadtbild zusammenfügen. San Francisco, LasVegas oder New York City: Die Metropolen der USA sind längst im Kasten und lassen sich im Internet virtuell abfahren. Mit der Zoomfunktion sind sogar die Straßenschilder zu lesen.

Datenschützer sehen die neue Anwendung allerdings skeptisch. Schließlich werden auch Menschen auf den Bildern festgehalten. Und die sind nicht immer begeistert, wenn sie beim Verlassen eines Bordells oder beim Pinkeln an einen Gartenzaun gefilmt werden. Google verspricht, anstößige Bilder bei Beschwerden aus dem Netz zu nehmen. So etwa das Foto einer Frau, die beim Einsteigen in Auto ihre Unterhose zeigte. Doch bevor die Verantwortlichen das Foto zensieren konnten, hatte es längst in Internetblogs die Runde gemacht und war bei Spannern zum beliebten Tauschobjekt geworden.

Die Google-Kartierung hat noch einen weiteren Nachteil. Denn sie zeigt eine tote Stadt. Menschen stehen wie eingefroren an der Straße und Blätter, die von den Bäumen fallen, scheinen in der Luft festgenagelt zu sein. Die Fotos werden nicht ständig aktualisiert. Allerdings werden sie inzwischen so nachbehandelt, dass es schwieriger ist, Menschen darauf zu erkennen. Gesichter von Passanten etwa werden gepixelt, also mit einem groben Bildpunkte-Raster unkenntlich gemacht. Gleiches geschieht mit Nummernschildern von Autos, die auf den Bildern zu sehen sind.

Nach den Straßen der USA steht nun also Europa auf dem Plan der Google-Filmer. Zurzeit sind die Wagen außer in Berlin auch in Frankfurt und München unterwegs. Italiens Großstädte sind schon im Internet verfügbar. Es sind die blauumrandeten Straßenzüge, die sich die Nutzer von Google-Maps genauer anschauen können. In Frankreich hat Google eine Reihe von Städten entlang der Strecke der Tour de France für Streetview erfasst.

In den nächsten Tagen sollten die Bewohner deutscher Städte also aufmerksam sein, ob sie den mysteriösen schwarzen Wagen sichten können. Doch Vorsicht: Wer sich im Angesicht der Periskop-Kamera daneben benimmt, wird seinen schlechten Ruf so schnell nicht los.