Jugendschutz

Senat geht gegen Alkoholwerbung vor

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Florentine Anders

Ein Rum, der karibisches Flair vermittelt? Derartige Werbung soll es, wenn es nach dem Berliner Senat geht, bald nicht mehr geben. Im Bundesrat will sich die Gesundheitssenatorin für eine entsprechende Selbstverpflichtung der Werbewirtschaft einsetzen. Der Senat hat dem Alkoholkonsum Jugendlicher den Kampf angesagt. Unter anderem will er mehr Sozialarbeiter an Krankenbetten schicken.

Berlin will stärker gegen den Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen vorgehen. Das hat der Senat in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen. Anlass sind die ständig steigenden Zahlen von Alkoholvergiftungen bei den unter 20-Jährigen. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Krankenhausbehandlungen von Jugendlichen wegen Alkoholvergiftungen nahezu verdoppelt. Im Jahr 2006 wurden insgesamt in den Berliner Krankenhäusern 156 Fälle gezählt, davon waren 69 der jungen Patienten sogar unter 15 Jahren. Besonders bei den Jüngeren nimmt der Anteil der Mädchen zu, die sich bis zur Bewusstlosigkeit betrinken.

Die Zahlen für 2007 liegen erst im Herbst vor. Allerdings gebe es nach Angaben der Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) keinen Anlass zur Entwarnung. In den ersten vier Monaten diesen Jahres habe allein das Projekt „NachHaLT“ 70 Kinder und Jugendliche betreut, die stationär behandelt werden mussten, weil sie zu viel getrunken hatten.

Das Projekt arbeitet mit elf Krankenhäusern zusammen und soll jetzt auf ganz Berlin ausgeweitet werden. Die Jugendlichen erhalten dadurch schon am Krankenbett eine Betreuung durch die Sozialarbeiter, um einen erneuten Absturz oder eine Abhängigkeit vom Alkohol zu verhindern.

Bußgelder für Flatratepartys sind geplant

Zudem lässt die Gesundheitssenatorin ein generelles Alkoholverbot auf Spielplätzen prüfen. Weiterhin ist im Gaststättengesetz eine neue Regelung vorgesehen, die es erlaubt, Bußgelder bei Flatratepartys zu verhängen. Bisher können solche Veranstaltungen von den Bezirken zwar verboten, nicht aber geahndet werden. Der Bezirk Lichtenberg hat die Flatratepartys, bei denen die Jugendlichen für einen Festbetrag ohne Limit saufen können, bereits untersagt. Lompscher ruft die anderen Bezirke auf, dem Lichtenberger Beispiel zu folgen.

Die bezirklichen Ordnungsämter werden personell verstärkt, damit sie in der Gastronomie und im Handel die Einhaltung des Jugendschutzes stärker kontrollieren können. Allerdings klagen die Ämter schon jetzt, dass sie den neuen Aufgaben kaum gerecht werden können. Schließlich müssen auch der Nichtraucherschutz und die Umweltzone von den Ordnungskräften kontrolliert werden. Von den versprochenen 88 zusätzlichen Mitarbeitern ist aber bisher erst die Hälft in den Ämtern angekommen. Die zweite Hälfte werden bis zum Herbst vor Ort sein, versprach die Senatorin Lompscher gestern. Bis dahin seien die Schulungen und Außeneinstellungen abgeschlossen.

Auf der am Mittwoch stattfindenden Konferenz der Gesundheitsminister der Länder will die Senatorin einen Antrag einbringen für eine Selbstverpflichtung der Werbewirtschaft, auf Imagewerbung bei Alkohol zu verzichten. Demnach soll Alkohol nicht mit einem besonderen Lebensgefühl und mit Coolness in Verbindung gebracht werden, so Lompscher. Stattdessen sollten sich die Unternehmen auf die reine Produktwerbung beschränken. Unterstützt werde die Berliner Initiative von den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Widerstand komme vor allem von den CDU-regierten Bundesländern.