Wahl in den Bezirken

Treptow-Köpenick kämpft an allen Fronten

In Treptow-Köpenick engagieren sich die Jugendlichen für den Mellowpark. Andere wehren sich gegen die Flugrouten.

Foto: Sven Lambert

Sie wissen, dass Protest Erfolg haben kann. Madina (16) und Jeremy (15) haben für den Mellowpark gekämpft. Die Skateboard-Fahrerin und der junge Mann mit dem BMX-Rad wollten, dass der bekannte Jugendfreizeitpark erhalten bleibt. Zuerst haben sie sich für den alten Standort in Köpenick eingesetzt. Als sich das wegen eines Bauvorhabens als unmöglich erwies, forderten sie – zusammen mit vielen anderen Jugendlichen – einen neuen Standort. Vor mehr als einem Jahr bekamen sie ihn An der Wuhlheide 265. „Ich bin fast täglich nach der Schule hier“, sagt Madina. „Und am Wochenende.“ Sie fährt Skateboard, spielt Basketball und „chilled“, wie sie sagt. Außerdem baut sie mit anderen zusammen das neue Gelände auf. Auch Jeremy macht mit. „Jeder kennt hier jeden, “ erzählt der Kreuzberger. Sechs oder sieben Mal in der Woche komme er her. Madina und Jeremy vertreten den Park auch in Diskussionen und Projekten und versuchen, Mitstreiter zu finden. „Der Kampf ist noch nicht zu Ende“, sagt Madina.

Die Kandidaten für Treptow-Köpenick:

>>>Ines Feierabend (Die Linke)

>>>Oliver Igel (SPD)

Einen hoch engagierten Kampf gegen die Flugrouten führen viele andere Menschen in Treptow-Köpenick, die auf die Unterstützung der künftigen Bezirkspolitiker hoffen. Am 18. September wird die Bezirksverordnetenversammlung neu gewählt. Der Protest gegen die Flugrouten über dem Müggelsee hat eine Dimension erreicht, die es im Südosten noch nicht gab. Etwa 24000 Menschen sammelten sich Ende August, um eine Menschenkette um den See zu bilden. Mehrere Tausend beteiligen sich an den Montagsdemonstrationen in Friedrichshagen. Einer von ihnen ist Rüdiger Heide. Ihm gehe es nicht nur um den Motorenlärm von 120 Flugzeugen am Tag, der zu erwarten sei, sagt er. Rüdiger Heide spricht von Vertrauensbruch. „Ich bin Ende 2006 nach Friedrichshagen gezogen, weil es hieß, der Ortsteil ist nicht von den Flugrouten betroffen“, sagt der 41-Jährige. „Kurz vor Eröffnung des Großflughafens gilt das plötzlich nicht mehr.“ So könne man nicht mit Bürgern umgehen. Deshalb wird sich Heide weiter an den Demonstrationen beteiligen. „Ich fahre täglich zur Arbeit in die City“, erzählt er. Er möchte in der Nähe des Sees leben. Es gehe ihm um Lebensqualität in der Freizeit und Wochenende – auch für seine Tochter, die in Friedrichshagen zur Schule geht.

Der Protest gegen die Flugrouten ist nicht der einzige in Treptow-Köpenick. Auf Kritik stößt auch der geplante Weiterbau des Stadtrings A100 von Neukölln bis zum Treptower Park. Laut Senat wird die Autobahn eine Entlastung für die Stadtstraßen und die Wohnviertel sein. Doch die sechsspurige Strecke soll an der Elsenbrücke enden und könnte dort, wo sich Autokolonnen aus Treptow, Friedrichshain und Kreuzberg treffen, zu einer Verkehrsüberlastung führen. „Ich erwarte das große Gewühle und lange Staus“, sagt der Treptower Harald Moritz. Fußgänger und Radfahrer, so meint er, werden es künftig schwerer haben, zum S-Bahnhof zu kommen. Busse blieben im Stau stecken. Außerdem seien hohe Kohlendioxidwerte und starke Lärmbelästigung zu erwarten. Alte Platanen sollen dem Autobahnbau zum Opfer fallen, drei Gründerzeithäuser und etwa 350 Kleingärten abgerissen werden. Kritik gibt es auch an den Kosten. Geplant sei die teuerste Autobahn der Bundesrepublik, sagt Harald Moritz. Der Abschnitt ist nur 3,2 Kilometer lang, wird aber rund 440 Millionen Euro kosten. Geld, das man anderswo sinnvoller einsetzen könnte, meint der KFZ-Mechaniker. Er engagiert sich seit Anfang der 90er-Jahre in der Bürgerinitiative Stadtring Süd. Moritz setzt darauf, dass der Autobahnausbau verhindert werden kann. Die rot-rote Koalition hat beschlossen, bis zur Wahl nichts zu unternehmen. Zwei Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht haben einen Aufschub bewirkt, der Bau kann vorerst nicht beginnen. Erst muss die Hauptverhandlung stattfinden. „Das wird 2011 wohl nicht mehr passieren“, sagt Harald Moritz.

Die Kandidaten für Treptow-Köpenick:

>>>Ines Feierabend (Die Linke)

>>>Oliver Igel (SPD)

Eine Vorzeigeregion im Südostbezirk ist der Technologiepark Adlershof, wo sich vor einigen Jahren Fachbereiche der Humboldt-Universität angesiedelt haben. Institute und Hightech-Firmen sind stark vernetzt. Die Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft zahlt sich aus. Dieser Effekt soll jetzt nach Schöneweide exportiert werden, in das einstige Industrie- und Arbeiterviertel an der Spree. Die Macher aus Adlershof, die Wista-Management GmbH, sollen für drei Jahre das Regionalmanagement Schöneweide übernehmen, neue Unternehmen ansiedeln, Arbeitsplätze schaffen und das Image dieses Stadtteils verbessern. Denn dort gingen nach der Wende Zehntausende Arbeitsplätze verloren. Ganz erholt hat sich Schöneweide davon nicht, doch die Zukunft sieht besser aus. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft mit rund 10000 Studenten ist in die alten und gut sanierten Wilhelminenhöfe in Oberschöneweide gezogen. Das hat Aufschwung für Oberschöneweide gebracht, aber noch nicht für Niederschöneweide am anderen Spreeufer. Anita Engelmann lebt seit mehr als 20 Jahren dort. „Ich bin aus Marzahn hergezogen wegen der vielen kleinen Geschäfte und der Industrie, wegen der Mischung aus Wasser und Grün“, sagt die Architektin. Aber die kleinen Läden sind weg. Häuser wurden saniert, aber die Kaufkraft der Bewohner ist schwach. Noch gibt es eine große Brache an der Spree in Niederschöneweide, auf dem Gelände eines ehemaligen DDR-Betriebes. Wenn dort Wohnungen gebaut werden, dann komme wieder mehr Leben in den Ortsteil, hofft Anita Engelmann.

Ein anderes Thema, das auf das neue Bezirksamt zukommt, ist eines, das die Bewohner seit vielen Jahren beschäftigt: der Müggelturm. Das Grundstück wurde vor vier Jahren an einen Investor veräußert, doch es verfällt weiterhin. Und auch der Verkauf des hochverschuldeten Spreeparks im Plänterwald ist trotz jahrelanger Bemühungen von Bezirk und Liegenschaftsfonds bislang gescheitert. Es sieht nicht gut aus für die einstigen Ausflugsziele im Bezirk Treptow-Köpenick.