Wahl in Berlin

Diese Folgen hat die Wahl in den Berliner Bezirken

Nicht überall ist nach der Wahl alles klar. FDP und AfD rütteln die Parteienlandschaft in Berlin durcheinander.

Die Stimmung ist am Morgen nach der Wahl von Katzenjammer geprägt. In vielen Bezirken lassen sich die alten Konstellationen nicht mehr zusammenfügen. Das Erstarken der AfD und die Rückkehr der FDP lassen einige Zählgemeinschaften nicht mehr zu. Das große Pokern hat begonnen.

Charlottenburg-Wilmersdorf Die Sache scheint klar. Die SPD ist stärkste Fraktion. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann will Rathauschef, sein Genosse Marc Schulte Baustadtrat bleiben. Doch mit den Grünen, die auch wieder einen Stadtrat stellen, kommt er nur auf 27 der erforderlichen 28 Stimmen. Auch die CDU stellt wieder zwei Stadträte. Herausforderer Carsten Engelmann sieht noch Chancen für die CDU: "Wir wollen sehen, was bei Verhandlungen noch geht."

Friedrichshain-Kreuzberg Die Stellung von Monika Herrmann ist unangefochten. Die Grünen sind mit 20 Mandaten stärkste Fraktion und stellen neben der Bezirksbürgermeisterin noch zwei Stadträte. SPD und Linke bekommen je einen Dezernenten-Posten. "Wir warten ab, welche Ressorts wir bekommen", so der bisherige Grünen-Fraktionschef Jonas Schemmel.

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Lichtenberg Eine Stimme fehlt Rathauschefin Birgit Monteiro (SPD) zum Bürgermeisterglück. Ihre bisherige Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Grünen kommt nur noch auf 27 Stimmen. Stärkste Partei ist die Linke mit 18 Sitzen und Evrim Sommer will selbst auf den Rathaussessel. Die AfD kommt in Lichtenberg auf zwölf Sitze und ein Bezirksamtsmandat. Je eines gibt es für SPD und CDU, die Linke stellt zwei Stadräte.

Marzahn-Hellersdorf Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) gibt seine Niederlage offen zu: "Die Linke ist stärkste Kraft geworden und hat Anspruch auf den nächsten Bezirksbürgermeister." Er selbst steht als Stadtrat nicht mehr zur Verfügung. Die Linke kann zwei Dezernenten stellen und ist mit 16 Mandaten stärkste Kraft, direkt gefolgt von der AfD mit 15 Sitzen und einem Stadtratsposten. Jeweils einer entfällt dann noch auf CDU und SPD.

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Mitte Mit 0,4 Prozent konnte Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) einen hauchdünnen Vorsprung gegenüber Bezirksbürgermeister Christian Hanke von der SPD herausarbeiten. Die Grünen sind jetzt stärkste Kraft in Mitte und könnten den Bürgermeister stellen. Sie stellen auch weiterhin zwei Stadträte, während die SPD einen Posten an die Linken abgeben muss. Da es für ein rot-grünes Bündnis nicht reicht, könnte es wie auf Landesebene zu Rot-Rot-Grün kommen.

Neukölln Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) kann im Amt bleiben. Ihre Partei hat aber nur noch zwei statt bisher drei Posten im Bezirksamt. Grüne, CDU und AfD sind mit je einem Stadtrat vertreten. In der BVV hat die bisherige Zählgemeinschaft von SPD und CDU eine Mehrheit. Eine Zusammenarbeit von SPD und Grünen wäre rechnerisch allerdings auch möglich.

Pankow Das Regieren in Pankow wird schwierig. Hier sitzen gleich fünf Parteien im Bezirksamt. Auch die AfD stellt einen Stadtrat. Das bisherige Bündnis von SPD und Grünen reicht nicht mehr aus. Die Linke als stärkste Fraktion werde zu Gesprächen einladen, sagte ihr Fraktionschef Michael van der Meer. "Wir wollen einen breiten Konsens." Rechnerisch ist ein Bündnis von SPD, Grünen und CDU möglich. Dadurch könnte der bisherige Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) Bezirksbürgermeister werden.

Reinickendorf Trotz Verlusten ist die CDU der Sieger. Mit 35,6 Prozent holte Bezirksbürgermeister Frank Balzer eines der besten Ergebnisse für seine Partei. Ob er die schwarz-grüne Zählgemeinschaft fortsetze, sei noch nicht sicher. Balzer will jetzt Gespräche mit den Grünen und der SPD aufnehmen. Mit drei Stadtratsposten kann die CDU wieder komfortabel arbeiten. Die SPD hat einen Posten an die AfD verloren.

Spandau Helmut Kleebank sieht im Ergebnis der SPD einen eindeutigen Wählerauftrag, wieder Rathauschef zu werden. Eine Mehrheit hat er mit seiner Zählgemeinschaft von 2011 mit Grünen, Piraten und Linken nicht mehr. Über die Verteilung der Ressorts will er deshalb nun mit allen Fraktionen sprechen. In Spandau stellt neben SPD (2) und CDU (2) auch die AfD einen Stadtrat.


Steglitz-Zehlendorf Cerstin Richter-Kotowski wird trotz des "herben Verlustes der CDU", wie sie es selbst nennt, mit großer Wahrscheinlichkeit Bezirksbürgermeisterin. "Die Arbeit wird sich ändern", sagt sie. Statt vier sitzen jetzt sechs Fraktionen in der BVV. Dazu hat die CDU nur noch zwei Stadtratposten. Einen musste sie an die SPD abgeben, die jetzt auch zwei Stadträte stellt. Richter-Kotowski will Gespräche mit den Grünen führen, um die schwarz-grüne Zusammenarbeit fortzusetzen.

Tempelhof-Schöneberg Es müsste schon viel schiefgehen, damit Angelika Schöttler nicht Rathauschefin bleibt. Ihre SPD ist stärkste Fraktion (15) und gemeinsam mit den Grünen (13) reicht es zu einer Mehrheit für die Bezirksbürgermeisterin. Die Grünen in Tempelhof-Schöneberg haben die CDU bei der Zahl der Stadträte überholt und stellen nun zwei Bezirksamtsmitglieder. Für die CDU bleibt nur noch ein Posten.

Treptow-Köpenick Oliver Igel bleibt voraussichtlich Bürgermeister, auch Baustadtrat Rainer Hölmer kann weitermachen. Ihre SPD ist mit 15 Mandaten stärkste Fraktion. Linke, CDU und AfD sind mit je einem Stadtrat vertreten. Die bisherige Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Grünen reicht nicht mehr für eine Mehrheit aus. Die FDP (zwei Sitze) könnte Igel nur eine knappe Mehrheit sichern.

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