Wahl zum Abgeordnetenhaus

Berlin-Wahl: 15 Fakten, die Sie kennen sollten

Berlin hat gewählt. Was Sie jetzt wissen müssen, damit Sie mitreden können.

Das müssen Sie zur Berlin-Wahl wissen

Das müssen Sie zur Berlin-Wahl wissen

Foto: Jörg Carstensen / dpa

1. Kleinster Wahlsieger aller Zeiten
Die SPD hat bei der Abgeordnetenhauswahl eine schwere Schlappe hinnehmen müssen. Sie verlor stark und fuhr in Berlin ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten ein, bleibt aber mit 21,6 Prozent dennoch stärkste Kraft (CDU 17,6 / Linke 15,6 / Grüne 15,2 / AfD 14,2 / FDP 6,7). Man kann sogar sagen, die SPD ist der kleinste Wahlsieger aller Zeiten, denn noch nie ging deutschlandweit eine Partei bei Landtagswahlen bzw. Abgeordnetenhaus- oder Bürgerschaftswahlen mit so wenig Prozenten als Sieger hervor.

2. Dämpfer für die Große Koalition bzw. die beiden "großen" Volksparteien
Nicht nur die SPD verlor massiv, sondern auch die CDU. Bei der Wahl 2011 kamen beide Parteien zusammen noch auf über 50 Prozent der Stimmen (28,3 Prozent SPD und 23,3 Prozent CDU). Jetzt reicht es nicht mal mehr für 40 Prozent. Die rot-schwarze Koalition ist damit Geschichte. Eine Koalition von SPD, Linker und Grünen ist nun am wahrscheinlichsten. Es wäre bundesweit die erste von der SPD geführte Koalition in dieser Konstellation.

3. Wählerwanderung
Die Verluste der CDU und SPD sind die Gewinne der AfD. Die Partei zieht auf Anhieb mit einem zweistelligen Ergebnis in das Berliner Abgeordnetenhaus ein. Die Analyse der Wählerwanderung zeigt, dass neben Nichtwählern vor allem SPD, CDU und Wähler anderer Parteien zur AfD übergelaufen sind.

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4. AfD besonders im Osten stark
Die AfD hat in einigen Wahlkreisen richtig abgeräumt - vor allem in den östlichen. In Pankow 1 beispielsweise ist sie die stärkste Kraft. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist sie so stark wie die Linke. Auch in Treptow-Köpenick haben viele die AfD gewählt. Die AfD wird entsprechend dem Anteil ihrer Zweitstimmen nicht nur mit 25 Abgeordneten ins Abgeordnetenhaus einziehen. In fünf Wahlkreisen im Osten der Stadt konnten ihre Kandidaten auch Direktmandate erringen. In nur 33 von 653 Wahlkiezen wurde sie abgelehnt – mit einem Ergebnis unter fünf Prozent. Mit 30,7 Prozent wurde im Wahlkiez 3G in der Nähe des U-Bahnhofs Hellersdorf der höchste Wert erzielt. Dagegen hatte die AfD in Wahlkiez 2F keine Chance: Hier in Kreuzberg – nördlich des Görlitzer Parks - bekam sie lediglich 2,5 Prozent der Stimmen (niedrigster Wert auf Briefwahlbezirksebene).

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5. FDP ist wieder drin
Die FDP sitzt wieder mit im Abgeordnetenhaus. Sie konnte vor allem Wähler der CDU locken, aber auch Nichtwähler aktivieren. Besonders ihr Wahlpunkt, den Flughafen Tegel offen zu halten, dürfte für viele Sympathien gesorgt haben. Innerhalb der Einflugschneise des Flughafens kommt die FDP auf 5,3 Prozent gegenüber einem berlinweiten Wert von 6,7 Prozent.

6. Die Tierschutzpartei
Die Tierschutzpartei kommt vor allem bei jungen Wählern gut an. Bei der symbolischen "U18-Wahl" hätte sie es mit 8,6 Prozent ins Parlament geschafft. Auch unter den "Sonstigen" ist sie die stärkste Kraft (1,9%) neben "Die Partei" (2%). Die Piraten kamen nur auf 1,7 Prozent.

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7. Zugezogene
Die Zugezogenen verändern Berlin - offensichtlich auch durch ihr Wahlverhalten. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten die Grünen die Wahl deutlich gewonnen. Darauf lassen zumindest die Ergebnisse in den 74 Wahlkiezen schließen, in denen die Zugezogenen gegenüber gebürtigen Berlinern in der Zweidrittelmehrheit sind. Insgesamt kommen die Grünen dort auf 27,2 Prozent, vor den Linken (20 Prozent), der SPD (18,9 Prozent) und der CDU (10,7 Prozent). Doch auch die AfD wäre mit 7 Prozent im Parlament, wie auch die FDP (6,7 Prozent).

8. Nichtwähler
105.000 Menschen, die sich zuletzt nicht mehr politisch beteiligten, gingen am Sonntag an die Urne. Nicht nur die AfD konnte bisherige Nichtwähler (64.000) aktivieren. Auch die Linke (18.000) brachte viele Menschen dazu, wieder ihre Stimme anzugeben. Gleiches gilt für die FDP (13.000). Der Anteil bei SPD-Wählern lag bei 8000, der CDU bei 2000. In 578 der 653 Wahlkieze sind die Nichtwähler mit 34,3 Prozent erneut stärkste Kraft sind geworden – wenn man sie als eine Partei betrachtet. Der berlinweite Wahlsieger SPD ist eigentlich nur von 14 Prozent aller Berliner Wahlberechtigten gekürt worden – gefolgt von der CDU mit 10,7 Prozent, der Linken (10,6 Prozent) und den Grünen (9,7 Prozent). Die AfD wäre nach dieser Rechnung mit 9,3 Prozent auch im Parlament

9. Die Hochburgen aller Parteien
Die SPD erzielte ihr bestes Wahlergebnis im Wahlkiez 3E in Neukölln mit 34,6 Prozent der Stimmen. Hochburg der CDU ist der Wahlkiez 5D in Marzahn-Hellersdorf mit 41,5 Prozent. Die Linke erringt mit 39,3 Prozent der Stimmen im Wahlkiez 4B in Friedrichshain-Kreuzberg ihr bestes Ergebnis, die Grünen mit 41,1 Prozent der Stimmen im Wahlkiez 1F, ebenfalls in Friedrichshain-Kreuzberg. Rund um den U-Bahnhof Hellersdorf kommt die AfD mit 30,7 Prozent auf ihr bestes Ergebnis, die FDP punktet im Wahllokal 501 in Grunewald mit 24,1 Prozent.

10. Flüchtlinge
Die Unterbringung der Flüchtlinge in der Stadt hat das Wahlverhalten der Berliner beeinflusst - in den am stärksten betroffenen Kiezen aber sehr uneinheitlich. In den 19 Gegenden, in denen aktuell mindestens jeder zehnte ein Flüchtling ist, stimmten insgesamt 16,8 Prozent der dort lebenden Wähler für die AfD - 2,6 Prozentpunkte mehr als berlinweit. Doch die Werte klaffen weit auseinander: Rund um das Tempelhofer Feld konnte die AfD mit 7,6 Prozent nur unterdurchschnittlich punkten. In zwei Wahlkiezen in Pankow (1 C) und Marzahn-Hellersdorf (1H) wurde sie dagegen stärkste Kraft. Anfang September lebten noch rund 38.000 Menschen berlinweit in Flüchtlingsunterkünften – also nur 0,1 Prozent der Einwohner Berlins.

11. Wechselwähler
In 250 der 653 Wahlkieze haben die Wähler für einen Wechsel gestimmt: Dort wurde eine andere Partei stärkste Kraft als bei der letzten Abgeordnetenhauswahl im Jahr 2011. Auf der Überholspur waren besonders die Linken – und die AfD. Insbesondere in östlichen Kiezen der Stadt verdrängte sie CDU - und auch die Linke, die dort wiederum oft die SPD überholte. Im Westteil konnte vielerorts die SPD die CDU überholen.

12. Mieten
In 90 Wahlkiezen (meist in der Innenstadt) lagen die Angebotsmieten innerhalb der letzten eineinhalb Jahre bei mehr als 10 Euro kalt. Offensichtlich können sich dies die Wähler der Grünen am ehesten leisten. Insgesamt kamen sie in diesen Gegenden auf 25,2 Prozent (SPD: 19,2 Prozent, Linke: 18 Prozent, CDU: 13,3 Prozent, FDP: 8,2 Prozent). Die AfD scheint keine City-Partei zu sein – und kommt auf unterdurchschnittliche 7,7 Prozent, kann auch keinen einzigen dieser Wahlkieze holen.

13. Hartz IV
In den 59 Kiezen mit den meisten Langzeitarbeitslosen ist die SPD der Wahlsieger (23,3 Prozent), vor AfD (16,7) und Linken (15,7). Die FDP mit 4,5 Prozent fällt durch. Dort bezieht mindestens jeder Dritte unter 65 Hartz-IV-Leistungen.

14. Gewinner und Verlierer
Unter den Verlierern sind der bisherige Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) und der ehemalige SPD-Landeschef Jan Stöß. Beide verpassten den direkten Einzug ins Landesparlament.

Unter den Gewinnern: Ex-Piratenchef Bernd Schlömer, der künftig für die FDP im Abgeordnetenhaus sitzt. Der Grünen-Politiker Stephan von Dassel wird wohl der neue Bezirksbürgermeister von Mitte.

15. Schnellstes und langsamstes Wahllokal
Die erste Meldung bekam das Berliner Landeswahlamt um 18.27 Uhr vom Seniorenstift in Prenzlauer Berg. Schlusslicht war um 00.51 Uhr das Rathaus Köpenick. In Treptow-Köpenick wurden zwei Briefwahlbezirke nachgezählt, weil das erste Ergebnis nicht schlüssig war.

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