Wahlergebnisse Berlin

Ergebnis: SPD gewinnt, CDU verliert, AfD bei 14,2 Prozent

Die SPD gewinnt die Wahl in Berlin, verliert aber stark. Auch die CDU muss herbe Verluste hinnehmen.

Michael Müller und seine Frau am Wahlabend

Michael Müller und seine Frau am Wahlabend

Foto: Carsten Koall / Getty Images

Vorläufiges Endergebnis: Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ist die SPD als Wahlsieger hervorgegangen. Allerdings wuchsen die Verluste der Sozialdemokraten von Hochrechnung zu Hochrechnung. Nach Auszählung aller Stimmen erzielte die SPD schließlich 21,6 Prozent. Die CDU fiel auf 17,6 Prozent und zieht als zweistärkste Kraft ins Parlament. An dritter Stelle liegt die Linke mit 15,6 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 15,2, der AfD mit 14,2 Prozent und der FDP mit 6,7 Prozent. Für die SPD und CDU wäre das das schlechteste Ergebnis, das sie jemals in Berlin erzielt hätten.

Sitze und Fraktionen: Im neu gewählten Abgeordnetenhaus gibt es nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 160 Sitze. Das sind 11 mehr als bislang. Die SPD bekommt als größte Fraktion 38, die CDU kommt auf 31. Die Grünen und die Linke erhalten beide 27 Sitze. Die FDP, die nach fünf Jahren Pause wieder einzieht, bekommt 12 Sitze. Die AfD erhält auf Anhieb 25. Bei der Wahl 2011 hatte die SPD 47 Sitze errungen, die CDU 39, die Grünen 29, die Linke 19 und die Piraten 15.

Wahlbeteiligung: Die Wahlbeteiligung war mit 66,9 Prozent deutlich höher als 2011 (60,2 Prozent). Der Trend hatte sich bereits am Mittag abgezeichnet. Bis 12 Uhr hatten laut der Landeswahlleitung 25,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, ein Plus von 6,0 Prozentpunkten im Vergleich zu 2011. Um 16 Uhr lag sie bereits bei 53,1 Prozent, wie die Landeswahlleiterin mitteilte.

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Reaktionen:

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte: „Wir haben unser Ziel erreicht. Wir sind die stärkste Kraft in dieser Stadt geblieben und haben einen Regierungsauftrag.“

„Das Ergebnis ist absolut unbefriedigend", sagte dagegen CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel. "Es ist unbefriedigend, weil wir in der Koalition viel erreicht haben. Wir werden das Ergebnis auswerten und das morgen in den Gremien intensiv tun“, sagte Henkel, bevor er allen Wahlkampfhelfern, Partei- sowie Fraktionsmitgliedern dankte.

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SPD-Fraktionschef Raed Saleh nannte die Ergebnisse in einer ersten Reaktion "sehr bitter". Man müsse jetzt die Fehler analysieren. Allerdings habe die SPD auch klar den Regierungsauftrag erhalten und werde jetzt mit allen demokratischen Parteien reden.

Monika Grütters, CDU-Kulturstaatsministerin bezeichnete die Verluste als "traurigen Tag für die Volksparteien". Immerhin hätten in Berlin 25 Prozent der Wähler am linken oder rechten Rand gewählt. Die Arbeit der Koalition in Berlin sei im vergangenen Jahr von Streitereiene geprägt gewesen. Jetzt müsse sich Michael Müller entscheiden, ob er ein Linksaußenbündnis haben wolle oder eines der stabilen Mitte.

Katrin Lompscher von der Linken freute sich besonders darüber, dass man die Gewinne der Linken mit einer Aussage für Toleranz und Weltoffenheit erzielt habe. In die Gespräche der SPD gehe man auf Augenhöhe, das müsse auch die Messlatte sein.

Sehr zufrieden war auch Beatrix von Storch, Landesvorsitzende der AfD in Berlin, deren Partei aus dem Stand zu einem zweistelligen Ergebnis kam. "Wir sind sehr zufrieden", sagte von Storch. Das sei ein riesiges Ergebnis. Man sei in der Hauptstadt angekommen, mehr hätten die Grünen damals auch nicht geschafft. Von Storch sagte, sie sehe eine deutliche Tendenz: "Absteigen tut die CDU", aufsteigen die AfD.

Einen Erfolg konnte auch die FDP verzeichnen, die klar wieder in das Abgeordnetenhaus einziehen wird. Die FDP hatte im Wahlkampf vor allem mit der Forderung nach der Offenhaltung des Flughafens Tegel gepunktet. Sibylle Meister, Berliner Landesvorsitzende, sagte, man habe auch andere Themen gehabt, aber offenbar habe die Offenhaltung Tegels viele Bürgerinnen und Bürger bewegt.

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Schlangestehen am Wahllokal: Die Folge des höheren Interesses war am Wahltag unmittelbar zu beobachten. Vor vielen Wahllokalen gab es Schlangen. Teilweise mussten die Menschen bis zu einer Stunde warten. Viele Menschen schickten Tweets, die zeigten, wie die Menschen vor den Lokalen anstanden. Besondere Vorkommnisse gab es aber zunächst nicht.

Schon im Vorfeld rechnete die Landeswahlleitung mit einer hohen Wahlbeteiligung. Indiz: Der Rekord bei den Anträgen auf Briefwahl. 21,1 Prozent der Wähler wollten diesmal per Post abstimmen.

Spitzenkandidaten: Regierungschef Michael Müller (SPD) gab seine Stimme in Tempelhof ab. Auch Spitzenkandidaten wie Frank Henkel (CDU), Sebastian Czaja (FDP), AfD-Mann Georg Pazderski oder die Grünen-Bewerberin Antje Kapek wählten bis zum frühen Nachmittag.

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