Starkes Berlin

Keine Drehgenehmigung? Ärger um Wahlvideo der Berliner CDU

Ein Musikvideo der Berliner CDU löst im Wahlkampf Ärger aus: Neben der Musikrichtung sorgt auch ein Drehort für Unmut.

CDU-Wahlkampfwerbung - gedreht wurde auch im Klunkerkranich

CDU-Wahlkampfwerbung - gedreht wurde auch im Klunkerkranich

Foto: Screenshot/Youtube

Als Partei steht man vor einer Wahl besonders im Fokus. Da wird jedes Plakat ganz genau analysiert, jedes Video auf Fehlverhalten untersucht, und jede Personalie hinterfragt. Am Dienstag steht nun die Berliner CDU unfreiwillig im Rampenlicht der sozialen Netzwerke. Was ist passiert?

Am Freitag hatte die Partei auf Facebook und Youtube ihr "offizielles Musikvideo zum Wahlkampfsong Zeit für ein starkes Berlin" auf Facebook und Youtube veröffentlicht. Dafür wurden Szenen aus dem Programmfilm der CDU vom Berliner Schlager-Sänger Tobias de Borg vertont. Zu Bildern von Spree und Fernsehturm heißt es da unter anderem "Du brauchst viel mehr Leidenschaft, Sicherheit Tag und Nacht, Zeit für ein starkes Berlin." Ein Song mit Ohrwurmpotenzial, obgleich es kurz nach der Veröffentlichung bereits einen kleinen Shitstorm ob des Schlager-Formats gab.

Nur gibt es da einen kleinen Schönheitsfehler.

Kurz vor dem Ende - nachdem sowohl Sänger de Borg als auch CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel ihre Auftritte im Video hatten - ist eine bei Berlinern sehr bekannte Perspektive auf Fernsehturm und Co zu sehen. Der CDU-Wahlkampfslogan "Starkes Berlin" in einem Blumenkasten - aufgenommen im Klunkerkranich in Neukölln. Problem: Der Betreiber der bekannten Rooftop-Bar wusste offenbar gar nichts von dem Video-Dreh.

Am Dienstag - nachdem das Video in den sozialen Netzwerken bereits die Runde gemacht hatte - kommentierte Inhaber Robin Schellenberg den Clip auf der CDU-Fanpage mit den Worten "Liebe CDU. Ihr habt keine Drehgenehmigung vom Klunkerkranich erhalten. Ich empfehle euch den Spot schnellstmöglich zu entfernen, denn ohne Genehmigung: keine Verwendung! Ihr habt keine Anfrage bei uns gestellt sondern schwarz-gedreht und das in euren offiziellen Spot mit aufgenommen. Das geht nicht!"

Anfragen beim Klunkerkranich und bei der Berliner CDU blieben zunächst unbeantwortet. Erst am Dienstagabend meldeten sich dann beide Seiten zu Wort. Der Inhaber des Klunkerkranichs teilte eine Stellungnahme auf Facebook. Mittlerweile hatte man herausgefunden, dass der kurze Ausschnitt im Musikvideo noch nicht alles war. "Nachdem wir uns jetzt den halben Tag unsinnigerweise damit beschäftigen mussten, haben wir festgestellt: wir sind sogar im Hauptfilm drin, und das sogar mit 6 Szenen! Wer auch immer diesen Film produziert hat: Unsere Lichterketten, unsere Wimpel, der Blick vom Dach und unsere Blumenkästen! Mitten drin im Film! (...) Das müssten Sie doch besser wissen, dass man das nicht einfach so medial verwerten darf."

Mit dem Hauptfilm ist das knapp 34 Minuten lange Regierungsprogramm der CDU gemeint, das bereits im Juli veröffentlicht wurde. Auf der Facebook-Seite des Klunkerkranichs heißt es weiter: "Wir distanzieren uns hiermit von sämtlichen Inhalten und Kontexten, die rund um unsere Bilder vom Klunkerkranich geschnitten sind. Wir haben keine Drehgenehmigung erteilt, wir haben nicht mal eine Anfrage hierzu von der Agentur & oder der CDU erhalten! Wir wussten absolut nichts davon! Solche Anfragen werden von unserem Kernteam kategorisch abgelehnt."

Am Abend meldete sich dann auch noch die Berliner CDU zu Wort. Eine Sprecherin teilte der Berliner Morgenpost mit, dass der Landesverband den Sachverhalt prüfe.