Wahl Berlin 2011

TV-Duell - Wowereit und Henkel lassen es krachen

Es ging hart zur Sache im TV-Duell des RBB: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und sein CDU-Herausforderer Frank Henkel schenkten sich nichts. Während des 45-minütigen Schlagabtausches gingen sich die beiden Kontrahenten nicht zuletzt beim Thema Autobrände rauflustig an.

Foto: dpa / dpa/DPA

Es war ein rauflustiger Auftakt, der kennzeichnend sein sollte für das gesamte Rededuell der Spitzenkandidaten. „Da fangen wir schon jetzt an zu holzen“, sagte CDU-Chef Frank Henkel nach der ersten Fragerunde. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte die CDU als reine West-Partei dargestellt. Henkel wollte das so nicht stehen lassen. Das Holzen sollte weitergehen – nicht nur bei diesem Thema. Es war ein Fernsehduell, das seinen Namen alle Ehre machte. Politiker gegen Politiker – hart in der Sache, hart in der Auseinandersetzung im Kampf um die Stimmen der Wähler.

Der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) hatte die beiden Spitzen von SPD und CDU ins Fernsehstudio geladen. Ohne Publikum, dafür mit einer Gesamtredezeit von 45 Minuten. Da traf das Ich-Konzept – ich, Klaus Wowereit – auf den Herausforderer von der CDU. Wowereits Wahlkampf war bisher bestimmt von Emotionen um seine eigene Person, Inhalte spielten kaum eine Rolle. Das wollte der Spitzenkandidat der CDU nun beim Fernsehduell ändern – und Streit um Inhalte sollte es wahrlich geben.

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In bester Tradition des Herausforderers im Boxring, der attackieren muss, um die Ringrichter zu beeindrucken, griff Henkel immer wieder den Amtsinhaber direkt an. Nicht die SPD, selten den rot-roten Senat, sondern immer Wowereit persönlich. In der Wirtschaftspolitik gehe der Regierende Bürgermeister „schnodderig“ mit Investoren um. Es fehle der Wille, etwas zu unternehmen in dieser Stadt. Henkel agierte auch mit Zahlen: Wowereit trage die Verantwortung für 50 Prozent höhere Schulden, für steigende Mieten von 27 Prozent. In der Bildungspolitik gebe es Stundenausfall, die Schulen seien nach den Bildungsreformen „Orte der Unruhe“ geworden.

Wowereit konterte und ging selbst immer wieder in die argumentative Offensive gegen Henkel. Er versprach zur Mietendämpfung 30.000 neue Wohnungen, die nicht von Privaten, sondern von den Wohnungsbaugesellschaften des Landes und Wohnungsgenossenschaften gebaut werden sollen. Das am Vortag vorgestellte Konzept der CDU, das auf private Investoren setzt, lehnte er ab. Wowereit malte das Schreckgespenst des Investors an die Wand, der kein Interesse an geringen Mieten hat. Er warnte vor weiteren Privatisierungen. Henkel versuchte hier mit dem Einspruch, „Sie haben die GSW verkauft“, zu punkten. Die Wohnungsbaugesellschaft war unter Rot-Rot privatisiert worden.

Wowereit warf Henkel im Gegenzug Verantwortungslosigkeit vor, wenn er das Quartiermanagement in den sozialen Brennpunkten streichen wolle. Der SPD-Politiker nutzte die Stadtentwicklungspolitik und die Mieten, um auf Mitverantwortung der Bundesregierung an den Entwicklungen in der Hauptstadt zu verweisen. „Sie sprechen über den Bund, um über die Berliner Probleme nicht zu sprechen will“, attackierte Henkel den Regierenden Bürgermeister. Auch die Moderatoren, RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein und Programmdirektorin Claudia Nothelle mahnten an, doch in der Berliner Landespolitik zu bleiben. Wowereit wollte sich das so nicht bieten lassen: Das hänge doch zusammen.

In der Bildungspolitik verteidigte Wowereit die Reformen der vergangenen Jahre – und bedankte sich bei Henkel, dass er nun viele Ideen und Vorhaben nun auch unterstütze. 860 Millionen Euro habe man in den letzten Jahren in die Bildung investiert, die Kita sei kostenfrei. Er versprach neue Kitaplätze. Wowereit kämpfte, das Gesicht meist ernst, die Augenbrauen zusammengezogen. Das Lächeln des wohlwollenden Landesvaters aus der Sendung am vergangenen Dienstag, als die Spitzenkandidaten aller Parteien beim ersten Fernsehauftritt nur sieben Minuten reden durften – ganz ohne Diskussion – war verschwunden. Die Duellsituation – das ist es, was Wowereit liebt.

Henkel versuchte mit direkten Ansprachen an den Amtsinhaber, mit Augenkontakt und fester Stimme zu kontern. Immer auf der Suche nach Schwachpunkten der rot-roten Koalition. Beim Boxen würden die Punktrichter auf beiden Seiten Treffer zählen. Ein Wegducken und Ausweichen gab es nicht.

Beim Thema Autobrände ging es dann richtig zur Sache. Henkel wollte sich die Spitze von Moderatorin Nothelle nicht gefallen lassen, mit den Autobränden nur Wahlkampf zu machen. Über zwei Jahre brenne es schon in der Stadt, sagte Henkel. Der Regierende stehe in der Verantwortung, 4000 Stellen bei der Polizei abgebaut zu haben. „Sie sind es, der sich schämen sollte“, suchte der CDU-Politiker den Innenfight mit Wowereit. „Die Zahlen sind Quatsch, und das weiß Herr Henkel“, teilte der SPD-Politiker erneut gegen seinen Herausforderer aus.

Schon am Donnerstag kommt es zum nächsten Rededuell: Dann stellt sich Wowereit seiner Kontrahentin von den Grünen: Renate Künast.

Am 18. September haben die Berliner die Wahl.