Bildung

Problemschulen werden zum Wahlkampfthema

Die Probleme der Neuköllner Heinrich-Mann-Schule werden Thema im Wahlkampf. In der kommenden Woche will Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast sich in der Schule ein Bild machen.

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Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast will sich kommende Woche vor Ort ein Bild von den Probleme der Neuköllner Heinrich-Mann-Schule machen. Dort spiegelten sich sicher auch die Zustände an anderen Berliner Schulen wider, so die Politikerin. Die Lehrer hatten in einem Brief an den Senat wachsende Gewalt und Respektlosigkeit bei vielen Schülern sowie die Verwahrlosung des Gebäudes beklagt. Die Pädagogen seien an der „Grenze ihrer Belastbarkeit“.

Ähnliche Probleme schon 2008

Ähnlich hörten sich die Probleme bereits vor zwei Jahren an. Im Dezember 2008 hatten sich die Rektoren der 68 Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien des Bezirks Mitte mit einem Brandbrief an die politisch Verantwortlichen gewendet – und damit bundesweit für Aufsehen gesorgt. In dem Schreiben warnten sie vor dem bildungspolitischen Aus in Mitte. Gute Schüler verließen in Scharen den Bezirk oder das öffentliche Schulsystem, das mit den Angeboten der Privatschulen nicht mithalten könne, hieß es. Die Schulleiter forderten damals stärkere finanzielle Zuwendungen für den hohen Anteil von Schülern aus sozial benachteiligten Familien und Kindern aus Einwandererfamilien. Außerdem sollte die bauliche Unterhaltung der Schulen gesichert werden.

„Uns wundert es, dass sich die Heinrich-Mann-Schule nicht schon damals unserem Protest angeschlossen hat“, sagt Manuela Gregor, Leiterin der Grundschule am Zillepark. Allerdings hat der Brief der Schulen in Mitte bis heute kaum Veränderungen bewirkt. „Wir hatten schon damals gefordert, dass die Schulpsychologen in sozialen Brennpunkten direkt an der Schule angesiedelt werden, so wie es in den skandinavischen Ländern geschieht“, sagt Gregor. Auch die geforderte bessere Ausstattung mit Lehrern habe es nicht gegeben. Stattdessen sei die Zahl zusätzlicher Stunden für förderbedürftige Kinder gekürzt worden. Zudem hätten die Schulen einen extremen Mehraufwand für die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes zu leisten. Die große Belastung führe zu häufigeren Ausfällen durch Krankheit, so die Schulleiterin. „An meiner Schule sind schon zum Schulstart Lehrer krank, doch im Vertretungspool kann ich keinen Ersatz finden“, sagt Schulleiterin Gregor. Die dort geführten Lehramtsstudenten könnten mit den schwierigen Schülern nicht umgehen.

Gefahr eines Zwei-Klassen-Systems

Große Probleme würden sich auch weiterhin durch die verschiedenen Zuständigkeiten in den Bezirken und in der Senatsverwaltung ergeben. Auch das hatten die Schulen in ihrem Brief bemängelt. Wenn der Bezirk aus Kostengründen Schulgebäude schließt, werden die Klassenfrequenzen in den anderen Schulen automatisch höher, sagt auch Thomas Schuhmann, Leiter der Herbert-Hoover-Schule in Wedding.

Die Herbert-Hoover-Schule hat in diesem Schuljahr wenige Probleme. Immerhin konnte sie sich bei doppelt so vielen Bewerbern, wie freie Plätze vorhanden waren, 70 Prozent der Schüler nach Leistung aussuchen. Dadurch entstehe jedoch die Gefahr eines Zwei-Klassen-Systems. „Sekundarschulen mit Schülern, die ein niedriges Leistungsniveau haben, müssten kleinere Klassen und zusätzliche Lehrer erhalten“, sagt Schumann.

Die bildungspolitische Sprecherin der FDP, Mieke Senftleben, sagt dazu: „Brandbriefe sind die traurige Quittung für rot-rote Bildungsverwaltung und Schulbevormundung.“ Die FDP fordert, dass Schulen mehr finanzielle und vor allem personelle Freiheiten erhalten, damit sie sich optimal rüsten können. Gerade Brennpunktschulen müssten engagierten Pädagogen und Schulleitern zusätzliche Anreize bieten.