Wahlen in Berlin 2021

Was Berlinerinnen und Berliner von den Wahlen erwarten

| Lesedauer: 8 Minuten
Blick auf eine Restaurant-Terasse am Kurfürstendamm in Berlin (Symbolbild).

Blick auf eine Restaurant-Terasse am Kurfürstendamm in Berlin (Symbolbild).

Foto: Maja Hitij / Getty Images

Am Sonntag wird gewählt: Was wünschen sich die Berlinerinnen und Berliner von der kommenden Bundes- und der Landesregierung?

Weniger Autos in Berlin

Berlin. Daria G. (32), Charlottenburg, Elternzeit:„Klimaschutz ist für mich das Allerwichtigste, und ich finde, das sollte es auch für uns alle sein. Deswegen wünsche ich mir einen früheren Ausstieg aus der Kohle, alles muss schneller passieren, und es muss endlich ernst gemacht werden. Es soll keine hohlen Versprechungen mehr geben. Die einzige Partei, die das umsetzen kann, wird allerdings nicht genügend Stimmen bekommen, aber ich wähle sie trotzdem. Was mir noch besonders wichtig ist: Bildung! Die Schere geht immer weiter auf, und genau da müssen wir ansetzen. Ich wünsche mir unter anderem mehr Digitalisierung in den Schulen. In der Verkehrspolitik wünsche ich mir weniger Autos in Berlin und den Ausbau des Nahverkehrs. Wir brauchen bessere Fahrradwege. Ich bin selber Mutter und fahre kein Auto, man kommt super klar. Die Besserverdiener können ruhig höher besteuert und der Steuersatz könnte erhöht werden.“

Wahlen in Berlin 2021 - Lesen Sie auch:

„Ein zuverlässiger öffentlicher Nahverkehr“

Marion Lange-Köhler (68), Halensee, Ladenbesitzerin:„Auf jeden Fall ist mein Schwerpunkt die Klimapolitik. Aber auf der anderen Seite sind wir auch von den Pop-up-Radwegen betroffen, damit ist es für uns als Laden ein Kraftakt. Es muss alles gleichberechtigt sein. Auch würde ich es gut finden, wenn jede Art von Vetternwirtschaft unterbleiben würde, auch wenn ich merke, dass das wohl einfach menschlich ist. Die Digitalisierung soll voranschreiten, vor allem für die Kinder in den Schulen. Es kann nicht sein, dass es zum Beispiel immer noch Analphabeten gibt. Auch der öffentliche Nahverkehr sollte zuverlässiger sein. Ich habe fünf Mitarbeiterinnen, die alle auf die Bahn angewiesen sind und die mir oft schreiben, dass sie wieder Probleme mit ihr haben. Der Ausbau der Radwege bringt da wenig, denn eine 80 -Jährige kann nicht bei Schnee und Eis mit dem Rad fahren. Mit der inneren Sicherheit, dem Sozialwesen und der Krankenversorgung bin ich eigentlich soweit zufrieden, das sind wichtige Säulen.“

„Bei Kriegen komplett heraushalten“

Chris Schramm (38), Reinickendorf, Paketlieferant:„Ich wünsche mir eine bessere technische Ausrüstung für die Schulen. Gerade mit Corona jetzt. Wir haben zweimal so viel Geld für Nachhilfe ausgegeben, damit die Kinder ihre Noten halten können. Der Umweltschutz ist mir auch wichtig, weil meine Kinder sollen auch noch etwas von der Welt haben. Auch eine bessere Verteilung der Steuersätze finde ich wichtig. Die gezahlten Steuern sollten in die Schulen gehen. Mit den letzten 16 Jahren bin ich unzufrieden, weil sie damals beim Irak-Krieg mitgemacht haben, deswegen habe ich sie auch nicht gewählt. Ich finde, Deutschland sollte sich da komplett heraushalten. Und unzufrieden bin ich damit, dass Menschen, die einen Vollzeitjob haben, noch zum Amt gehen müssen, das ist unmöglich.“

„Ich wünsche mir eine Mietpreisbremse“

Anna-Eleonore Schäfer (91), Charlottenburg, Rentnerin:„Ich wünsche mir eine stringente Wohnungspolitik und eine Mietpreisbremse. Das Gerücht, dass viele neue Wohnungen zu gesenkten Preisen angeboten werden, das stimmt nicht. Ich möchte von der Politik gern genaue Angaben, wo und wie viele Wohnungen frei sind und zu welchem Preis. Zudem wünsche ich mir natürlich auch, dass sehr hohe Einkommen mehr besteuert werden, aber schon so, dass der Mittelstand verschont bleibt. In der Wirtschaft muss sich ebenfalls einiges ändern. Ein Umdenken wünsche ich mir auch für das Klima, das steht für mich an vorderster Front. Wir arbeiten sonst diese Welt zugrunde. Herr Laschet hat geäußert, dass es das Wichtigste ist, dass die Menschen an Arbeit kommen. Ich sehe das anders, denn die Würde des Menschen ist nicht davon abhängig, dass er arbeitet, jeder hat eine Würde.“

„Das Bildungssystem dringend sanieren“

Jörg Schulte (50), Charlottenburg, Verkäufer:„Als Erstes wünsche ich mir die Abschaffung sämtlicher Corona-Maßregelungen. Das ist aber nicht eine Angelegenheit der Bundesregierung, sondern ein globales Problem. Nein, Moment das ist der zweite Wunsch. Mein erster Wunsch ist die Priorisierung des Budgets für Bildung. Man muss das Bildungssystem dringend sanieren, da leben wir alle davon. Es soll vorn investiert werden nicht hinten. Der Umweltschutz ist natürlich auch wichtig, allerdings nicht zulasten des deutschen Industriestaates, denn da leben wir alle von. Die Linke, die wähle ich nicht, die ist mir zu gefährlich. Umweltschutz gern, aber nicht so. Wir wollen etwas ändern, aber nicht unbedacht. Wenn es für die Schule wäre, würde ich auch mehr Steuern zahlen, aber ob es ankommt, ist fraglich. Zum Lobbyismus denke ich, dass es ohne Lobby keine Politik und ohne Politik keine Lobby gibt. Es ist schon wichtig, dass Branchen und Verbände vertreten werden, aber auch nicht zu viel.“

„Mehr Basisdemokratie“

Gloria Liebherr (53), Charlottenburg:„Ich wünsche mir von der Bundesregierung mehr Basisdemokratie, dass der Bürger auch bei der Gesetzgebung mehr eingebracht wird. Auch wünsche ich mir weniger Lobbyismus, bezahlbare Wohnungen und gerechtere Löhne. Auch benötigen wir dringend Reformen in den Bildungssystemen, denn die Schulen passen nicht mehr zu den Kindern. Das Gleiche denke ich auch bei der Rente. Es wird nur verwaltet in der Politik. Auch Umweltschutz spielt für mich eine große Rolle. 70 Prozent der Emissionen werden von Konzernen verursacht. Es wird suggeriert, dass die anderen 30 Prozent ihr Verhalten ändern müssen, um etwas zu bewegen. Es sollten die Richtigen zur Verantwortung gezogen werden. Und auch die Migration soll vernünftig geregelt werden. Es sollten nicht nur Männer bevorzugt werden. Aus Afghanistan müssten die Flugzeuge voller Frauen sein.“

„Mit 65 in Rente gehen können“

Simona Hille (50), Oranienburg, Landschaftspflegerin:„Jeder erzählt, was er ändern will, allerdings wird davon nichts eingehalten. Auch das Triell habe ich nicht gesehen, dass ist mir zu blöd. Eigentlich wünsche ich mir Familienpolitik im Allgemeinen. Auch würde ich gern weniger Steuern zahlen. Und wenn ich Steuern zahle, dann sollten sie mehr in die Schulen fließen, denn diese Kinder sollen später auch unsere Rente verdienen. Und das Rentenalter sollte nicht weiter angehoben werden, sodass man maximal mit 65 in Rente gehen kann, denn es gibt viele schwere Berufe. Die letzten 16 Jahre wurde alles versprochen, aber nichts ist passiert, man sieht es selbst beim Mindestlohn, der sollte auch mal erhöht werden. Zur Verkehrspolitik kann ich sagen, dass ich in Berlin kein Fahrrad fahren würde, auf die Radfahrer sollte mehr Rücksicht genommen werden.“

„Digitalisierung und Technik fehlen“

Wilhelm Dunst (71), Charlottenburg, Mediator:„Ich wünsche mir von der nächsten Bundesregierung, dass sie wach wird. Das Thema Digitalisierung und Technik fehlt komplett. Auch mehr künstliche Intelligenz wäre wichtig. Bei den Schulen zum Beispiel hat jedes Bundesland sein eigenes System, und man könnte generell viel sparen. Oder bei den Flughäfen. Es gibt zum Beispiel einen in Leipzig und einen in Dresden. Was das kostet mag? Wenn der bau eines Flughafens doppelt oder dreifach teurer wird, dann müsste man eigentlich auf die Straße gehen – es ist eine Schande. Eine große Koalition hätte so viel machen können. Das Klima ist ein Dauerbrenner bereits seit den 1960er-Jahren. Wenn ich heute die Kandidaten sehe, was die alles machen wollen, das hätten sie längst alles schon machen können. Man muss immer bündeln, es sind ja nicht nur die Autos, sondern auch die Industrie, die Kühe … Man muss umdenken, ohne dass Jobs auf der Strecke bleiben.“